Mit der Eröffnung des "La Trouvaille" ("Glücklicher Fund") vor zehn Jahren vereinte Willi Schedlmayer zwei Leidenschaften in einem Beruf. Beim Arbeitsamt sei er zuvor als arbeitsloser Akademiker mit seinen Absichten nicht wirklich ernst genommen worden, erinnert sich der studierte Germanist, der mit einer Dissertation über Doderers Roman "Das Geheimnis des Reichs" promoviert hatte, an jene turbulente Lebensphase zurück.

Heute gibt es das Geschäft mit der für damalige Verhältnisse etwas eigenwilligen Kombination von antiquarischen Büchern und Weinen noch immer, und sowohl der Inhaber als auch dessen Angebot erfreuen sich bei einer ganzen Schar von Stammkunden nicht unbeträchtlicher Beliebtheit. Bei dem auf 15.000 Exemplare angewachsenen deutschsprachigen Bücherangebot dominieren neben Romanen kulturhistorische, psychologische und philosophische Werke. In der fremdsprachigen Abteilung kann Schedlmayer unter anderem auf mehr als 1.000 französische Originaltitel verweisen.

Das Weinangebot erschließt vor allem Frankreich im Rotwein- und Österreich im Weißweinbereich. "Guten Wein zu einem vernünftigen Preis" möchte Schedlmayer seinen Kunden bieten. Über siebzig Weine sind zwischen fünf und elf Euro zu haben. Freilich gibt es aus Frankreich auch viele Klassiker im Topsegment und auch die Raritätensammlung heimischer Tröpfchen bis zurück in die 1980er-Jahre kann sich sehen lassen. Ein Spezialanliegen von Schedlmayer sind Bioweine auf hohem Niveau und Weine ohne Schwefelzusatz.

- © Johann Werfring
© Johann Werfring

Zwei Mal pro Monat gibt es mitten unter den vielen Büchern eine Verkostung. Das Publikum ist eher jung, wobei sich ältere Semester gut einfügen. "Bei der Degustation soll jeder die Freiheit haben, sich unbeeinflusst zu äußern", sagt Schedlmayer. Hingegen sind ihm Weinschwafler, die ständig darauf aus sind, andere mit ihrem Gerede zu dominieren, ein Gräuel. Manchmal bringen Gäste eigene Weine mit, um zu erkunden, was andere davon halten.

Freilich werden die Buch- und Weinkunden auch außerhalb der Verkostungen stets gastfreundlich mit einem Gratis-Achterl bewirtet. Das ungewöhnliche Weinangebot ist per Versand österreichweit erhältlich. Die nächste Verkostung im La Trouvaille zum Themenschwerpunkt "Chianti" findet am Mittwoch, den 14. Juni, ab 18 Uhr, statt.

Artikel erschienen am 6. Juni 2006
in der Kolumne "Werfrings Weinjournal"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 45