Liebhaber der Glitzerwelt des Films haben es schwer: Sollen sie in der Suite Nr. 470, "Sophia Loren", wohnen? Oder in der 562, "Charlie Chaplin"? 467, "Clark Gable"? "Alfred Hitchcock"? "Gina Lollobrigida"? "Ava Gardner"? "Jack Lemmon"? "Anna Magnani"?

All diese Zimmer im "Albergo della Regina Isabella" auf der Insel Ischia im Golf von Neapel heißen nicht bloß so, die Genannten (und noch etliche mehr) waren hier tatsächlich regelmäßig zu Gast, nebst anderen Vertretern des internationalen Jetsets, von Aristoteles Onassis und Maria Callas bis Herbert von Karajan und Christiaan Barnard. Und natürlich - wir sind wieder beim Film - Richard Burton und Liz Taylor, die sich auch auf Ischia abwechselnd stritten und vertrugen.

Das war in den 1950er und 60erJahren, als der Filmproduzent und Verleger Angelo Rizzoli während eines Ischia-Aufenthalts die alten, stillgelegten Königin-Isabella-Thermen im Fischerdorf Lacco Ameno im Nordwesten der Insel wiederentdeckte und beschloss, eine für die damalige Zeit neuartige Idee zu verwirklichen: ein Spa-Hotel!

Der Strand von Positano. - © Harald Steiner
Der Strand von Positano. - © Harald Steiner

Mit seinem eleganten Luxus frei von Snobismus und seiner traumhaften Lage direkt am Meer mit Sandstrand und Tuffsteinklippe ist das "Regina Isabella" noch immer die erste Adresse auf Ischia, und es zieht auch immer noch Prominenz an: Als etwa im vorigen Jahr einmal Sting, Andrea Bocelli und Zucchero gleichzeitig zu Gast waren, gaben sie eines Abends ein spontanes Konzert auf dem Bootssteg - a cappella und ohne Verstärker!

Ischia war ja schon zu einer Zeit ein beliebtes Reiseziel, bevor noch der Urlaub auf einer Ferieninsel zum Klischee wurde. Die Heilquellen waren es vor allem, die Besucher aus ganz Europa anzogen, dazu die erholsame Gelassenheit der Insel. Die heißen Quellen hat Ischia dem 788 Meter hohen, seit über 700 Jahren schlafenden Vulkan Monte Epomeo zu verdanken (außerdem den fruchtbaren Boden, der vor allem für Weinbau genutzt wird). Überall blubbert es aus der Erde, auf dem Lido dei Maronti im Süden dampft der Sand, und beim Baden im Meer spürt man manchmal eine warme Strömung aus der Tiefe. Viel Grün gibt es auf der Insel - Wälder aus Eichen und Kastanien bedecken das gebirgige Innere - und malerische Fischerdörfer ohne Autoverkehr, wie Sant’Angelo mit seinem zwei Kilometer langen Strand, wo Kanzlerin Angela Merkel in den 90er Jahren jeden Sommer urlaubte.

Balkon der Suite "Sophia Loren" mit eigenem Thermalwasserwhirlpool inklusive atemberaubender Aussicht. - © Harald Steiner
Balkon der Suite "Sophia Loren" mit eigenem Thermalwasserwhirlpool inklusive atemberaubender Aussicht. - © Harald Steiner

Wobei der Sommer eigentlich die weniger empfehlenswerte Jahreszeit für einen Ischia-Aufenthalt ist. In der Nachsaison im Herbst sind die Touristenmassen abgezogen, die Insel entspannt sich, das Thermometer kann noch im November auf über 20 Grad klettern, und vielleicht ist sogar noch ein kurzes Bad im Meer möglich.

Der Thermaltourismus ist ja auch im Winter ein Thema - wobei der hohe Radongehalt die Besonderheit des ischitanischen Heilwassers darstellt. Marie Curie höchstpersönlich hat die Radioaktivität des edelgasangereicherten Wassers anno 1918 gemessen: 0,13 Millicurie pro Kubikmeter hat sie zu bieten, die Quelle "Regina Isabella", heute vom gleichnamigen Hotel genutzt, das selbstredend auch über eine Marie-Curie-Suite verfügt. Der Name der Quelle wie des Hotels rührt von einer napolitanischen Königin aus der Zeit um 1800: Diese Königin Isabella konnte keine Kinder bekommen. Nach einer Kur in Lacco Ameno stellte sich der Erfolg ein, sie wurde schwanger.

Apropos Filmstars: Bud Spencer, aus Neapel stammender Schauspieler (mit wahrem Namen Carlo Pedersoli), spielt als 81-Jähriger in einer italienischen Fernsehserie mit - und in einer Folge im Hotel Regina Isabella auf Ischia. - © Harald Steiner
Apropos Filmstars: Bud Spencer, aus Neapel stammender Schauspieler (mit wahrem Namen Carlo Pedersoli), spielt als 81-Jähriger in einer italienischen Fernsehserie mit - und in einer Folge im Hotel Regina Isabella auf Ischia. - © Harald Steiner

Die Vororte von Neapel kann man an klaren Tagen vom Hotel aus erblicken, dazu die Kegelgestalt des Vesuvs, die Nachbarinsel Procida und die sorrentinische Halbinsel. Der kleine Hafen von Lacco Ameno schließt sich an den Hotelstrand an, sein Erkennungszeichen: der "Fungo"-Tufffelsen in Form eines Pilzes, ein kleiner Scherz der Natur.

Bei so viel Meer im Blickfeld ist es kein Wunder, dass der junge Küchenchef Pasquale Palamaro des Hotelrestaurnats "Indaco" auf fast ausschließlich Fisch- und Meeresfrüchteküche schwört. Seine Kreationen wie etwa Scialatielli mit Tartufi di Mare und Ginsterblütenpesto lassen schon beim Studium der Speisekarte den Mund wässrig werden.

Die genau umgekehrte Philosophie verficht Riccardo d’Ambra, seines Zeichens Präsident des ischitanischen "Slow Food"-Ablegers und Wirt der urigen Trattoria "Il Focolare" in den Hügeln des Insel-Südostens. "Um keinen Preis der Welt würde ich bei mir Fisch servieren! Das ist etwas für die Touristenorte an der Küste; die Identität Ischias ist aber viel mehr von der Landwirtschaft als von der Fischerei geprägt, und das Markenzeichen unserer Küche ist das Kaninchen!"

Das kommt nicht von ungefähr: Um die Weinberge mit frischem Erdreich zu versehen, gruben die Bauern einst zahlreiche Löcher in den Boden. Ideal, um dort Kaninchen zu züchten - glückliche Kaninchen, die sich in ihren Gruben frei bewegen und Tunnel scharren konnten. Diese Tradition führt Riccardo d’Ambra fort: So zieht er seinen eigenen Wein, und was die Kaninchen betrifft, die vermehren sich bekanntlich so schnell wie eben Kaninchen. Gattin und Küchenchefin Loretta d’Ambra schmort sie mit Rosmarin und Knoblauch im Tontopf, und serviert werden diese möglicherweise besten Kaninchen, die man auf der ganzen Welt bekommen kann, von den sechs Töchtern Riccardos und Lorettas. Ein echter Familienbetrieb! Tochter Silvia brennt außerdem köstliche Schnäpse, die nach dem üppigen Kaninchenschmaus auch nötig sind: "Cento Erbe" und "Finocchietto" ("Hundert Kräuter" und "Fenchelsamen").

"Focolare", das ist sowohl das Ton-Kochgeschirr zum Schmoren als es auch das gesellige Beisammensein rund um den Feuerplatz zur Winterszeit meint. Im Januar gibt es im "Il Focolare" Themenküche: "Grande Maialata" - ein Schweinefleischfestival zu Ehren des Hl. Antonius, des Patrons der Schweine, dessen Festtag laut katholischem Heiligenkalender am 17. Januar gefeiert wird. Der Mai steht dann unter dem Motto "Kräuter, Wurzeln und Blüten", der September ist den Schnecken und dem Kürbis gewidmet und der Oktober den Pilzen und Kastanien. Und Kaninchen gibt es sowieso immer!