Das erste Haus, so sagt der Volksmund, baut man für den Feind, das zweite für den Freund und erst das dritte für sich selbst. Da aber leider die wenigsten, die sich den Traum von den eigenen vier Wänden samt Garten erfüllen wollen, genügend finanzielle Mittel für drei Häuser haben, bleibt es meistens beim ersten. Und so wird es wohl nicht nur dem Autor dieses Artikels so ergehen, dass er am Ende der Errichtung seines Eigenheimes, nachdem alle technischen Fragen geklärt, alle Arbeiten erledigt und alle Kredite und Förderungen in Anspruch genommen worden sind, dasteht und sich die schwerwiegende Frage stellt: War es jetzt richtig so?

Oder hätte man es vielleicht doch alles ganz anders machen sollen? Wäre vielleicht doch ein simples Carport die nicht nur günstigere, sondern auch architektonisch schönere Lösung gewesen als die gemauerte Garage, deren Decke zwar als (unnötige?) Terrasse dient, aber dafür erst aufwendig abgedichtet werden muss? Zahlt sich die Wärmepumpe mit Photovoltaikanlage tatsächlich aus oder wäre vielleicht doch eine Pelletsheizung besser gewesen? Sind Sat-Schüssel und USB-Internet-Stick wirklich eine adäquate Alternative zum Kabelanschluss? Hätte ein Rollrasen zwar mehr gekostet, aber sich trotzdem ausgezahlt, weil man sich die Mühe der manuellen Erdaufbereitung und Aussaat erspart hätte? Und ganz basal: Warum haben wir eigentlich ein Massivhaus aus Ziegeln gebaut und uns nicht ein Holzriegel-Fertigteilhaus hinstellen lassen?

Aber das Bauwerk ist nun einmal fertig, und die "Was wäre, wenn"-Frage ist eine rein hypothetische. Wer würde schließlich ein gerade erst errichtetes Haus gleich wieder abreißen und neu bauen? Und letztendlich ist es vor allem eine Frage der Philosophie. Während die einen auf Erdwärmepumpen schwören, setzen andere lieber auf Wasser- oder Luftwärmepumpen, weil diese günstiger in der Anschaffung sind; während die einen an gemauerten Ziegelwänden schätzen, dass sie beim Bohren nicht aufpassen müssen und Stemmarbeiten in bekannter Manier ablaufen, freuen sich die anderen, dass ihr Fertigteilhaus in einem Bruchteil der Zeit belagsfertig wird und vielleicht sogar bessere U-Werte aufweist.

Alles dreht sich um den U-Wert

Und damit sind wir schon beim Kern der Sache angelangt: Wer ein neues Haus baut, kommt nämlich an diesem ominösen Buchstaben nicht vorbei. Der U-Wert ist sozusagen das Amen im Gebet der Bauphysiker. Der U-Wert (früher k-Wert) ist der sogenannte Wärmedurchgangskoeffizient: Er gibt die Leistung (also die Energiemenge pro Zeiteinheit) an, die bei einem Bauteil durch eine Fläche von 1 m² fließt, wenn sich die beidseitig anliegenden Lufttemperaturen stationär um 1 Kelvin (K) unterscheiden. Im Wesentlichen kann man anhand des U-Werts die Wärme-/Kälte-Leitfähigkeit feststellen - je niedriger, desto besser. Er ist einerseits für den Energieausweis wichtig, der für neue Gebäude verpflichtend ist und in dem unter anderem der mittlere U-Wert in Watt pro Quadratmeter und Kelvin (W/m²K) sowie der spezifische Heizwärmebedarf in Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr (kWh/m²a) angegeben werden.

Aus diesen abstrakten Werten lässt sich zwar keine reale Heizkostenrechnung erstellen, weil mit einem Referenzklima gearbeitet wird. Grundsätzlich gilt aber die simple Schlussfolgerung: Je niedriger der U-Wert, desto besser. Und das Thema wird immer wichtiger, hängt davon doch auch die Förderung ab, die Bauherren vom jeweiligen Bundesland bekommen. In Niederösterreich gibt es zum Beispiel das Modell eines 100-Punkte-Hauses: In jedem Bereich - von den verwendeten Baustoffen (Dämmleistung, Ökologie) über die Haustechnik bis hin zur Gartengestaltung werden Punkte vergeben. Die Höhe des Förderdarlehens hängt von den erreichten Förderpunkten ab. Um die volle Höhe von 100 Förderpunkten zu erreichen, genügt in der Regel nicht bloß ein sogenanntes Niedrigenergiehaus, dazu sollte das Gebäude schon ein Passivhaus sein.

Ein Haus, das dem Passivhaus-Standard entspricht, hat sozusagen eine Null-Energiebilanz, sprich: Die Beheizung der Wohnräume braucht möglichst wenig Energie, was einerseits durch Wärmerückgewinnung (selbst die Abwärme von Kühlschrank & Co. wird genutzt) und möglichst effizientes Ausnutzen der passiven Sonnenergie (etwa durch spezielles Fensterglas) sowie andererseits durch perfekte Dämmung erreicht wird - womit wir wieder beim U-Wert angelangt wären. Vom Mauerwerk über das Dach bis zu den Fenstern gilt es, den Wärmeverlust möglichst gering zu halten. "Da Passivhausfenster möglichst dicht schließen, ist der Luftaustausch umso wichtiger", erklärt Installateur Friedrich Geist, der auf jeden Fall eine Wohnraumlüftung empfiehlt, um Schimmel vorzubeugen. Denn es ist zwar eine Mär, dass man in einem Passivhaus nicht aktiv lüften dürfe - "aber so oft können Sie die Fenster gar nicht aufreißen, dass sie genügend frische Luft herein- und vor allem die abgestandene, feuchte Abluft herausbekommen". Abgesehen davon, dass die Wohnraumlüftung weitere Punkte im Förderkatalog gibt, hat sie also eine wichtige Funktion.