Unspektakulär entwickelte sich die männliche Bademode von 1930 bis in die Gegenwart. - © Bettmann/CORBIS
Unspektakulär entwickelte sich die männliche Bademode von 1930 bis in die Gegenwart. - © Bettmann/CORBIS

Fast zeitgleich mit Réard präsentierte Jacques Heim aus Cannes einen bauchfreien Zweiteiler, doch sein "Atom" setzte sich nicht durch. Auch der Bikini brauchte seine Anlaufzeit. Selbst Marilyn Monroe und Brigitte Bardot konnten ihn Anfang der 1950er Jahre nicht populär machen. Frauenzeitschriften setzten weiter auf die figurbetonten Badeanzüge, die die Taille gemäß dem zeitgenössischen Frauenideal verengten und die Brust anhoben. Erst zehn Jahre später, nicht zuletzt durch Ursula Andress’ Auftritt in "James Bond jagt Dr. No", kam der Bikini in die Erfolgsspur. Mittlerweile wurde Baumwolle von Nylon, später von Perlontaft, Latex, Fastskin und Lycra abgelöst. 1972 kamen Bikinis aus Suntex auf den Markt, einem sonnendurchlässigen Stoff, der nahtlose Bräune gewährte. Den Bikini gibt es heute in verschiedensten Variationen: Als Tanga, String-Tanga und Bandeau, der die Brüste mit einem breiten Stoffstreifen verdeckt. Etabliert hat sich auch der Tankini. Das zur Bikinihose kombinierte Top kann sowohl am Strand als auch am Abend in der Disko getragen werden.

Noch weiter als Réard ging der aus Wien gebürtige Modemacher Rudi Gernreich, der 1964 den Monokini vorstellte. "Oben ohne" begeisterte zwar die von flower power bewegte Jugend, allgemein jedoch hatte sich Gernreich mit "sex sells" einigermaßen verschätzt. Die Barbusigkeit in den Schwimmbädern setzte sich erst in den 1980er Jahren durch.

Wenig aufregend ist die Entwicklung der männlichen Bademode. An der Wende zum 20. Jahrhundert trugen Männer zwar Badeanzüge mit kurzen Ärmeln und kurzem Beinschnitt, ansonsten blieb einzig die Hose das mehr oder weniger lustvoll variierte Objekt des Designs. Aus den 1930er Jahren stammen Badehosen mit Gürtel, nach dem Krieg trug man sie sehr kurz und eng anliegend. Heute sind nahezu knielange Shorts und Turnhosen beliebt, wiewohl das Tragen der bermudaähnlichen Hosen zuweilen verboten ist. Dies wird damit begründet, dass die Hosen viel Wasser aufsaugen und in der Folge die Umgebung des Bassins rutschig machen. Im Sport trugen Männer eine Zeitlang widerstandsarme Schwimmanzüge. Seit ihrem Verbot 2010 sind nur mehr "Jammers" erlaubt, eng anliegende Hosen, die oberhalb des Knies enden.

- © WIN-Images/Corbis
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Unter der Haube

Was früher in Hallenbädern Pflicht war, kommt dank moderner Filteranlagen aus der Mode: die Badehaube. Früher ein Schutz der technischen Installationen vor ausfallenden Haaren, heute meist nur von Frauen eingesetzte frisurschonende Prophylaxe. Sie sind aus Textil, Silikon oder Gummi gefertigt und spielen als widerstandsminimierendes Utensil im Schwimmsport oder als an gewissen Stellen verstärkter Kopfschutz für Wasserball oder Unterwasserrugby mittlerweile eine wesentlich größere Rolle als im Gebrauch von Freizeitschwimmern. Zunehmend Verwendung finden Badeschuhe - aus Kunststoff und meist als Sandalen gefertigt. Man trägt sie, weil man sich vor Fußpilz schützen will oder sich auf steinigen Stränden komfortabler fortbewegen möchte. Daneben findet sich zwischen Flip-Flop und hochhackigen Holzpantoffeln die ganze Palette des strandtauglichen und meist auf die weiblichen Bedürfnisse ausgerichteten Schuhwerks.

Die Multikulturalität unserer Gesellschaft bringt uns auch neue Designs wie den Burkini, eine schariakonforme Schwimmbekleidung für Musliminnen. Dem Anzug einer Eisschnellläuferin nicht unähnlich, bedeckt er mit Ausnahme der Füße, der Hände und des Gesichts den ganzen Körper. Der Gebrauch des Burkinis ist umstritten. So ist beispielsweise in der Türkei so mancher Bürgermeister um das liberale Image seiner Stadt besorgt, wenn sich Frauen, die den strengen religiösen Vorgaben entsprechend gekleidet sind, am Strand zeigen. In Westeuropa haben Bäder bereits Verbote verhängt, weil dem Burkini ähnliche Kleidungsstücke aus Baumwolle statt aus wasserabweisender Kunstfaser getragen wurden. Das birgt nicht nur ein hygienisches Problem, sondern führt vor allem für ungeübte Schwimmerinnen dazu, dass sie sich auf Grund der vollgesogenen Kleidung nur schwer über Wasser halten können. Mutterland des Burkinis ist u.a. auch Australien, das Musliminnen erfolgreich für das nationale Rettungsschwimmwesen anwarb und die libanesisch-stämmige Designerin Aheda Zanetti zum Entwurf des Zwitters aus Burka und Bikini anregte, also just jenes Land, von dem aus ein Jahrhundert zuvor durch die unkonventionellen Ansichten einer Annette Kellerman die Befreiung der weiblichen Bademode von den Zwängen übertriebener Keuschheit initiiert wurde.Artikel erschienen am 8. Juni 2012 in: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 14-19