Eine Gruppe Kinder ist eifrig damit beschäftigt, Erde in kleine Blumenkistchen zu füllen und verschiedene Kräuter hineinzupflanzen. Eine andere wiederum begutachtet mit kritischem und zugleich stolzem Kennerblick die Salatköpfe, die sich in den großen Weidenbooten allem Anschein nach zu ihrer Zufriedenheit entwickelt haben. Die Lehrerinnen, die die Schüler und Schülerinnen der zweiten Klasse einer Volksschule aus dem 14. Wiener Gemeindebezirk betreuen, sind ständig quer über das Gelände unterwegs, um zu helfen, gute Tipps zu geben und mit wissender Miene die Wachstumsfortschritte der einzelnen Gemüsesorten zu begutachten, die von den Kindern vor einiger Zeit angebaut wurden.

Diese Idylle findet sich aber beileibe nicht irgendwo am Land, sondern mitten in Wien, genauer gesagt in Schönbrunn. Auf dem Areal der Kammermeierei, wo zu Kaiserin Sisis Zeiten noch Kühe grasten, befindet sich heute die City Farm, ein urbaner Natur- und Erlebnisraum, der Großstadtkindern die Möglichkeit bietet, unter pädagogischer Anleitung das "Garteln" und die Vielfalt von Gemüse zu entdecken. Entwickelt haben das Projekt die Gartenpädagogin Lisa Reck Burneo und der Leiter der Abteilung Gemüsebau am Lehr- und Forschungszentrum für Gartenbau in Schönbrunn, Wolfgang Palme. Seit heuer bietet der von den beiden gegründete Verein "City Farm Schönbrunn" die Gelegenheit, das Faszinosum Gemüse in all seiner Vielfalt und mit all seinem Geschmacksreichtum zu entdecken, nachdem bereits im Vorjahr der Grundstein mit dem "Junior City Farmer Projekt" gelegt wurde. "Vorbild für unser Unterfangen war der Botanische Garten in Brooklyn in New York, wo seit 1914 mit Kindern, aber auch mit Erwachsenen gegärtnert wird", erklärt Reck Burneo, die selbst im Rahmen ihres Studiums dort gearbeitet hat. Unterstützt wird das Projekt von Bellaflora, das Unternehmen stellt Bio-Erde, Kräuter und Gemüsepflanzen mit Schwerpunkt auf alten Sorten zur Verfügung.

Was vor einem Jahr noch ein Acker war, ist heute ein hübsches Arrangement von Gemüsepotagerie, Flach- und Hochbeeten, kreativen Weidenschiffen und üppig-bunt bepflanzten Töpfen und Kistchen. Allerdings sind die derzeit bearbeiteten rund 500 Quadratmeter bereits zu klein - immerhin haben fünf Schulklassen, das sind etwa 150 Kinder, hier ihre Beete, die sie alle zwei Wochen betreuen -, deshalb wird das Areal ab Herbst um 3000 Quadratmeter erweitert. "Da ist dann wieder genug Platz auch für neue Schulklassen", freut sich Palme auf die wachsende Herausforderung. Die Kinder können allerdings nicht nur ihr eigenes Gemüse anbauen und hegen und pflegen, sie lernen auch, es zu verarbeiten. So zeigt etwa Haubenkoch, Geschmackspädagoge und Arche-Noah-Kochbuchautor Johann Reisinger, welche Kräuter am besten auf ein Brot mit Frischkäse passen und wie man Einkorn-Makis mit Sauerampferblättern herstellt. Die kleinen Köche sind konzentriert bei der Sache - gekostet haben sie von dem für viele völlig unbekannten Sauerampfer vorher schon ausgiebig: "Na ja, das hat am Anfang schon komisch geschmeckt", meint ein Mädchen, "aber dann fand ich es sehr gut!"