Im Grunde haben Statussymbole aber auch eine negative Konnotierung: Der Besitzer wird schnell als "Prolo" abgestempelt. Wer im Gesellschaftsspiel um das goldene Kalb der Anerkennung mitmischen will, der muss sich schon subtilerer Erkennungsmerkmale bedienen. Und mitmachen wollen wir doch alle. Wer sagt, das sei nicht sein Ding, der lügt sich selbst in den Sack oder ist ein Heuchler.

Eine Szene aus dem Alltag: Sie haben die Holzklasse gebucht und stehen geduldig in der Warteschlange vor dem Check-in-Schalter. Da kommt einer im eleganten Outfit und mit Ledertrolley, reicht irgendeine goldene Karte der Lady am Businessschalter, und schon ist alles erledigt. Sie stehen noch immer in der Schlange. Hand aufs Herz: Frisst Sie da nicht ein wenig der Neid? Genau! Der all zu menschliche Neid umgibt den anderen, der besitzt, was ich selbst gern hätte, mit dem gewissen Anschein des Wichtigen, Mächtigen. So wie der wären wir auch gerne. Wer nun von sich behauptet, er wäre noch nie in seinem Leben neidisch gewesen, der ist - wir sagten es schon: ein Heuchler.

Architektur als Sprache der Macht

Schon in der Antike wusste man, wie man seine Macht auch über den Tod hinaus demonstrierte: Man ließ zu Lebzeiten ein Mausoleum errichten, möglichst groß und weithin sichtbar. Die ägyptischen Pharaonen gingen da mit gutem Beispiel voran. Kaiser Hadrian hatte von ihnen gelernt. Sein Mausoleum am Tiber ist eines der imposantesten Denkmäler der ewigen Stadt. Kirchen und Tempel wurden und werden errichtet, um Gläubige zu beeindrucken, vielleicht sogar um sie in Demut in die Knie zu zwingen.

Ludwig XIV. ernannte sich zum Sonnenkönig und demonstrierte mit Versailles seine unumschränkte Herrschaft. Seither konnte kein Fürst oder Kaiser mehr ruhig schlafen, ehe er nicht auch so ein Versailles errichtet hatte. Heute erfüllen Bürotürme diese Funktion der Macht- und Statusdemonstration. Welche Stadt hat das höchste Hochhaus? Welches Wirtschaftsimperium leistet sich als Architekten einen Jean Nouvel oder eine Zaha Hadid? Die Superlative lassen sich beliebig fortsetzen.

Statusgehabe

Mit welcher Tasche würden Sie am liebsten über den Kohlmarkt spazieren? Mit einer, wo deutlich lesbar Vuitton oder Prada draufsteht, auch wenn das nur Fakes sind? Oder mit einer No-Name-Tasche, schlimmer noch mit einem Billasackerl? Keine Frage! Mit welcher Zeitung sichtbar unter den Arm geklemmt würden Sie am ehesten über den Graben flanierend gesehen werden? Mit dem allseits beliebten Millionenblatt sicher nicht. Eher schon mit der "Zeit", der "FAZ" oder dem "Profil". Zugegeben, das sind billige Klischeefragen. Aber jeder neigt ein ganz klein wenig dazu, dieses Statusspiel mitzumachen. Wer das leugnet, ist - wie schon gesagt - ein: Heuchler. Sie gehen gern wandern und betreiben Gymnastik? Aber wenn Sie das so in der Gesellschaft kommunizieren, werden Sie nur Gähnen ernten. Sagen Sie besser: Ach, bei meinem letzten Trekking... oder: Ich bin nach so einer Zumbastunde immer ganz fertig. Oder: Das Powercircletraining geht ordentlich rein. Schon haben Sie die Aufmerksamkeit aller. Es macht eben einen Unterschied, ob Sie um die neuesten Angebote egal auf welchem Sektor Bescheid wissen oder nicht. Sie werden sehen, wie schnell Sie das Image eines Langeweilers verlieren und in die Liga der Dynamischen, Jungen oder zumindest Junggebliebenen aufsteigen.

Damenspiel

Bis Ende der 60er Jahre trug die Frau von Welt nur Gold und Edelsteine auf ihrer Haut. Heute sagt frau: "Gold macht old" und trägt Modeschmuck. Aber nicht irgendeinen aus dem Laden im Einkaufszentrum. Die Ohren- und Nasenstecker sind was für die ganz Jungen. Frau von Welt zeigt, dass sie sich in der Welt auskennt. Deshalb sollten die Kette, das Armband, die Ohrringe alle eine Geschichte haben. "Die Ohrringe habe ich einer Berberin in einem kleinen Dorf im Atlas abgekauft." Oder: "Den Ring hat eine Schmuckkünstlerin aus Nizza gemacht. Die Steine findet sie am Strand und verarbeitet sie zu Schmuck." Oder: "Diese Kette aus Bernstein bot mir eine Frau in Äthiopien an. Sie hatte davon eine ganze Kiste voll. Angeblich alles Familienschmuck." So beweisen Sie, wie weit gereist und zugleich auch, wie kontaktfreudig Sie sind.

Es muss ja nicht immer gleich eine Robe von Lagerfeld oder Versace sein, mit der Sie andere Frauen beeindrucken. (Männern ist das Label ohnehin egal, vorausgesetzt sie müssen das gute Stück nicht bezahlen.)

"Ach, da kenn ich eine gute Schneiderin, also eher eine Modedesignerin. Die hat die tollsten Einfälle und ist gar nicht teuer!" Und schon haben Sie die Neugier in der Damenrunde geweckt, und die Pradaträgerin macht ein langes Gesicht, weil ihr Image als Modefrau gerade ein wenig verblasst ist. Noch besser kommt folgende Meldung an: "Diesen Kaschmirschal trage ich schon acht Jahre. Ich kann mich einfach von dem guten Stück nicht trennen!" So outen Sie sich als sparsam, aber stilbewusst. Dem Schal sieht man natürlich seine Qualität an. Frauen haben in dem Statussymbolspiel eben subtilere Methoden als Männer. Sie müssen nicht mit einem dicken SUV anreisen. Was solche Autos Benzin kosten, das stecken sie lieber in ihr Outfit, um in der nächsten Proseccorunde zu punkten.