Die Gestaltung der "Kellerkatze" auf der Flasche stammt von dem bekannten Weinviertler Künstler Johann Minarik aus Zlabern. Die Farbigkeit der Katze soll die vielfältigen Geschmacksnuancen dieses speziellen Weines symbolisieren - © Weingut Neustifter
Die Gestaltung der "Kellerkatze" auf der Flasche stammt von dem bekannten Weinviertler Künstler Johann Minarik aus Zlabern. Die Farbigkeit der Katze soll die vielfältigen Geschmacksnuancen dieses speziellen Weines symbolisieren - © Weingut Neustifter

Die Spontanvergärung (ohne Reinzuchthefen), die nur bei besonders gutem Traubenmaterial funktioniert, lässt den Wein recht komplex erscheinen. Karl Neustifter geht von einer Lagerfähigkeit von mindestens 20 bis zu 50 Jahren aus. Freilich darf ein solches Gewächs auch seinen Preis haben. 95 Euro für die Bouteille und 175 Euro für die Magnumflasche sind für Weinviertler Verhältnisse sicher ungewöhnlich. "Für das Image des Weinlandes Österreich sind solche Weine wichtig", sagt Neustifter, der zuversichtlich ist, dass das Potenzial von gereiften charaktervollen Weißweinen auch hierzulande zunehmend erkannt wird. Zur gesteigerten Trinkkultur gehört freilich auch eine feine Glaskultur. Den "Neustifter 2010" sollte man jedenfalls in einem Burgunderglas – möglichst in einem dünnwandigen, etwa vom österreichischen Hersteller Zalto – und ja nicht allzu kalt kredenzen.

Freilich gibt es im Weingut Neustifter auch jede Menge Tröpfchen im geldbörselschonenden Preissegment. Hier ist besonders der Weinviertel DAC 2011 (Grüner Veltliner, 12 % Alk.) zu erwähnen, der die poysdorferische Typizität mit apfeligem Bukett nebst vielschichtiger Würze und fordernder Pikanz perfekt auf den Punkt bringt (6,60 Euro). Mit höherem Reifegrad präsentiert sich der 2011er Grüne Veltliner Stadtwein (12,5 % Alk.), der noch eine Spur mineralischer und im Bukett von Pfirsich und Orangenzesten geprägt ist. Ein besonderes Highlight des Sortiments ist der Grüne Veltliner Exklusiv 2010 aus der hervorragenden Riede Hermannschachern, einem reinen Südhang (13 % Alk.), er ist facettenreich und nuanciert, harmonisch, mit viel Trinkfluss ausgestattet und von edler Rieslingfrucht unterspielt (7,80 Euro).

Der Grüne Veltliner 2010 aus der Riede Saurüsseln (13 % Alk.) ist ein Vertreter für Freunde von elegant-geradlinigen Weinen (10,50 Euro), wohingegen der mit Haselnussnoten unterlegte Weinviertel DAC Reserve 2009 (14,5 % Alk.) Genießer mit einem Faible fürs Druckvolle ansprechen wird (14,40 Euro). Dass in Poysdorf nicht nur gute Veltliner gedeihen, ist schließlich mit dem Riesling Exklusiv 2011 aus der Riede Lausenpölz (13 % Alk.) bewiesen. Seine Mineralität springt förmlich aus dem Glas, die Fruchtfülle mit Pfirsich- und Kiwi-Einsprengseln ist einladend und der Trinkfluss bemerkenswert (7,80 Euro).

Info: www.weingut-neustifter.at, Tel. 02552/34 35

Print-Artikel erschienen am 22. Juni 2012
in der Kolumne "Werfrings Weinjournal"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 3637