Weinkönigin Patricia I. aus Podersdorf am Neusiedler See. - © Steve Haider
Weinkönigin Patricia I. aus Podersdorf am Neusiedler See. - © Steve Haider

Als Patricia Steiner am 24. August 2010 als Patricia I. zur burgenländischen Weinkönigin gekrönt wurde, hatte sie gut lachen, denn es galt – neben sonstigen Repräsentationspflichten – auch den damals aktuellen hervorragenden 2009er Jahrgang zu vertreten. Im Jahr darauf war der Wettergott den heimischen Winzern weniger gnädig gestimmt. Zu jener Zeit hatte sie als vinophile Monarchin schon einige Routine (mittlerweile war sie zur österreichischen Weinkönigin aufgerückt) und verstand ihre majestätische Rolle auch mit dem mäßigen 2010er Jahrgang im Gepäck bravourös zu meistern. Zum Ausklang ihrer Regentschaft wird ihr mit dem 2011er wieder von einem recht ordentlichen Jahrgang assistiert.

Im Frühling 2010 hatte sich die junge Burgenländerin aus Podersdorf am Neusiedler See gemeinsam mit sieben anderen Kandidatinnen um die Funktion der burgenländischen Weinkönigin beworben. Die Anforderungen waren hoch: Neben Weinwissen war ein beträchtliches Maß an Allgemeinwissen gefragt. Freilich stand die burgenländische Kultur und Politik im Vordergrund, aber auch die Situation in Gesamtösterreich wie auch das allgemeine Weltgeschehen sollte von einer künftigen Weinkönigin überblickt werden.

Bundesweintaufe 2011: Patricia I. mit dem Weinheber bei der Entnahme des Jungweins. - © Martina Lex
Bundesweintaufe 2011: Patricia I. mit dem Weinheber bei der Entnahme des Jungweins. - © Martina Lex

Patricia Steiner brachte beste Voraussetzungen mit: Nach Absolvierung des Pannoneums (einer Wirtschafts- und Tourismusschule in Neusiedl am See) hatte sie an der Fachhochschule Eisenstadt ein Masterstudium für Internationales Weinmarketing erfolgreich abgeschlossen. Zudem konnte die damals 24-jährige Kandidatin auf einige Berufspraxis als Touristikerin im Hotel Seewirt in Podersdorf, auf Schloss Hof (NÖ), aber auch im elterlichen Weinbaubetrieb verweisen.

Ebenso wie bei sportlichen Bewerben, gingen bei der Kür zur Weinkönigin die Zweit- und Drittplatzierte nicht leer aus. Die neue Weinkönigin, Patricia I., wurde sodann von den Weinprinzessinnen Anna Fink aus Großhöflein und Daniela Reumann aus Deutschkreutz bei ihrer Regentschaft unterstützt.

Zu den Aufgaben einer Weinkönigin zählen etwa Begrüßungsreden und Moderationen, mitunter sind auch Laudationes für verdiente Persönlichkeiten zu halten. "Ich rede gerne", sagt Patricia Steiner, die auch nicht verschreckt ist, wenn es gilt, aus dem Stegreif heraus zu einem Thema Stellung zu beziehen. Mithin: Es reicht nicht aus, nur strahlend in die Kameras zu blicken, wenngleich ein königliches Lächeln auch gekonnt sein will. Alles in allem habe sie als Weinkönigin eine unpolitische Rolle in einem politischen Umfeld gespielt.

Hoheiten unter sich: Weinkönigin Patricia I. und Fernsehkaiser Robert Palfrader. - © Martina Lex
Hoheiten unter sich: Weinkönigin Patricia I. und Fernsehkaiser Robert Palfrader. - © Martina Lex

Ob denn die vielen Repräsentationspflichten der vergangenen zwei Jahre nicht anstrengend, oder gar aufreibend gewesen seien, möchte ich von der scheidenden Weinkönigin wissen. "Ich habe es gern gemacht", sagt Patricia Steiner ganz bestimmt. Freilich habe es zwischendurch immer wieder auch recht hektische Phasen gegeben. Insbesondere im Herbst sei der Auftritt einer Weinkönigin an allen Orten gefragt. Man müsse schon die Bereitschaft aufbringen, Zeit zu opfern – auch an zahlreichen Wochenenden und bis spät in die Nacht hinein.

Trotz zeitweiliger Mühsal könne sie jeder Winzertochter nur dazu raten sich um die Position zu bewerben, sagt Patricia Steiner. Man mache dabei jede Menge Erfahrung für das Leben und den Beruf. Vor allem lerne man recht nützliche Verhaltensmuster die – kombiniert mit Diplomatie und Schmäh – auch auf eine gewisse Perfektionsstufe zu bringen seien.

Die exponierte Stellung bringt es mit sich, dass eine Weinkönigin mit allerlei interessanten und prominenten Persönlichkeiten zusammenkommt, manche Bekanntschaften sind auch nachhaltig. Angefangen vom österreichischen Bundespräsidenten über majestätische Kollegen wie Fernsehkaiser Robert Palfrader oder Winzerkönig Harald Krassnitzer, Sportler, Minister und Landespolitiker kam während der Regentschaft Patricias I. ein beachtliches Prominenten-Sammelsurium zusammen.

Krönung Patricias I. zur österreichischen Weinkönigin durch den österreichischen Weinbaupräsidenten Josef Pleil und den burgenländischen Agrarlandesrat Andi Liegenfeld (r.), im Hintergrund die Europäischen Weinritter. - © Martina Lex
Krönung Patricias I. zur österreichischen Weinkönigin durch den österreichischen Weinbaupräsidenten Josef Pleil und den burgenländischen Agrarlandesrat Andi Liegenfeld (r.), im Hintergrund die Europäischen Weinritter. - © Martina Lex

Als königliche Dienstkleidung habe sich das Dirndl als recht tauglich erwiesen, auch sonst werde dieses in der Familie gern und häufig getragen. Nur in Sonderfällen wird von diesem Dresscode abgewichen: Den königlichen Ankick bei einem Handballmach habe sie in Blue Jeans und Trachtensakko absolviert.

Auch nach ihrem bevorstehenden Abgang als Weinkönigin wird Patricia Steiner mit Sicherheit nicht langweilig. Seit Herbst 2011 werkt sie hauptberuflich als touristische Genuss-Managerin. Konkret wurde sie mit dem Landesprojektmanagement der burgenländischen "Genuss Regionen" beauftragt. Daneben ist sie auch noch im Vorstand des Podersdorfer Weinbauverbandes, im örtlichen Singkreis und in der Podersdorfer Weinvermarktungsgemeinschaft "Weinclub 21" aktiv. Nachdem sie kürzlich die Jagdprüfung absolvierte, wird sie auch den einen oder anderen Abend auf dem Ansitz verbringen.

Schließlich bringt sie sich auch noch im elterlichen Betrieb, der mit Weingut, Winzerladen, Greisslerei und Fremdenzimmervermietung einige Tätigkeitsbereiche bietet, ein. Vor allem hat sie im Winzerhof Julius Steiner ihre eigene Weinlinie kreiert. Diese umfasst "Laurentina rot" (eine Cuvée aus St. Laurent, Merlot und Zweigelt, Preis: 14 Euro) sowie "Laurentina weiß" (eine Cuvée aus Weißburgunder, Chardonnay und Grauburgunder, Preis: 9,20 Euro). Im attraktiv gestalteten Winzerladen lassen sich übrigens zahlreiche Entdeckungen machen. Neben einem umfänglichen Weinsortiment (ganz besonders sei der preiswerte und vergnügliche St. Laurent Grosse Lagen empfohlen, Preis: 6,50 Euro) gibt es Hochzeitsnudeln, Würste vom Steppenrind und vom pannonischen Mangalitzaschwein sowie allerlei weitere regionale Genussprodukte.

Info: Tel. 02177/2743, www.julius-steiner.at

Print-Artikel erschienen am 13. Juli 2012
in der Kolumne "Werfrings Weinjournal"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 2425