Der Wanderherbst ist da. Keine brütende Hitze mehr und keine stressigen Wärmegewitter. Die Natur bereitet sich in aller Stille auf den nahenden Bergwinter vor. Die Warscheneckgruppe im oberösterreichisch-steirischen Grenzgebiet wäre so ein lohnenswertes Ziel der Ruhe. Zwischen Hinterstoder, Windischgarsten, Spital am Pyhrn und Liezen begeistert der gewaltige Kalkstock den (Weit-)wanderer nach Überwindung der Skipisten mit einmaligen, zum Teil geschützten Naturlandschaften und grandiosen Fernsichten.

Ebenso zahlreich wie die Eindrücke sind die Möglichkeiten der Zustiege, Durchquerungen und Abstiege. Ohne genaue Routenplanung wird’s aber mühsam. Egal von welcher Richtung der Berg in Angriff genommen wird, gut 1000 Meter Höhendifferenz und lange Übergänge Richtung Tauplitz, Totes Gebirge, Stodertal und Ober-ennstal sind einzuplanen. Besonders hartgesottene Gipfelstürmer wählen die Kräfte raubende Route über den gesamten Gebirgskamm und den Warscheneck-Gipfel (2388m) etwa über Gleinkersee und Dümlerhütte.

Steighilfe ins Paradies

Wer sich zumindest einen Kräfte raubenden Anstieg ersparen will, fährt von Spital am Pyhrn mit der Standseilbahn in wenigen Minuten auf die Wurzeralm in rund 1400 Metern Seehöhe. Hier gibt’s Reste eines Hochmoores namens "Teichl-boden" zu bewundern - angeblich das größte seiner Art in den nördlichen Kalkalpen. Ein rund zweistündiger Themen-Rundweg mit zahlreichen Einkehrmöglichkeiten gibt Einblick in die faszinierende Erdgeschichte. Alle, die lieber ausgiebig in unberührter Natur wandern und nicht Schautafeln lesen wollen, durchqueren möglichst rasch das Skigebiet mit all seinen Begleiterscheinungen (Pisten, Lifte, Schotterstraßen, Stahl und Beton) und biegen nach der letzten Trasse in den urigen Bergwald. Vorwiegend Lärchen und Zirben und vielleicht ein paar neugierige Gämsen sind die Wegbegleiter der nächsten fünf bis sechs Stunden. Eine Wegstrecke, die vor allem im Herbst nicht zu unterschätzen ist. Die Tage sind schon um gut vier Stunden kürzer als zur Sonnenwende Ende Juni. Zahlreiche gemütliche Pausenplätze laden unterwegs zur Rast. In der Luckerhütte gibt’s für Hardcore-Übernachter eine zugige Notunterkunft samt Insekten, fünf Minuten entfernter Quelle und Holzpritschen. Bei der Brunnalm plätschert auch Trinkwasser, eine Schlafgelegenheit wird man hier vergebens suchen. Erst wenige Minuten vor dem Ziel können Selbstversorger jubeln: In totaler Abgeschiedenheit lässt sich’s auf der Liezener Hütte geradezu fürstlich übernachten. Den Schlüssel ins Bergparadies gibt’s allerdings - wie bereits der Name vermuten lässt - nur in Liezen. (Nähere Infos siehe Hüttenlink.) Wem das alles zu kompliziert ist, der wandert noch wenige Minuten weiter bis zur Hochmölbinghütte. Hier gibt’s alles auf einmal: saubere Schlafgelegenheit, gute und deftige Verpflegung, nette Hüttenwirte und einen tollen Steig zum Hochmölbing in 2336 Metern Seehöhe. Nach verdienter Übernachtung geht es gestärkt in rund zweieinhalb Stunden zum genannten Gipfel, der sich durchaus mit dem Warscheneck messen kann Um knapp 50 Meter ist er niedriger, wird kaum begangen und bietet einen imposanten Blick ins Stodertal und ins angrenzende Tote Gebirge. Der Rückweg muss natürlich auch eingeplant werden.

2336 Meter Seehöhe: der Gipfel des Hochmölbling
2336 Meter Seehöhe: der Gipfel des Hochmölbling

Infos & Kontakte

Naturschutzgebiet Warschneck

Das Naturschutzgebiet Warscheneck umfasst eine Fläche von rund 4.900 Hektar (306 Hektar sind sogar Landschaftsschutzgebiet). Das weitläufige Kalkgebirge wird seit Jahrtausenden vom Wasser geformt und zählt zu den bedeutendsten Karstregionen Europas. Kare, Karseen und Groß-Karstquellen prägen das Landschaftsbild. Die Vielfalt der hochalpinen Vegetation bietet - abgesehen vom Skigebiet Wurzeralm - ungestörten Lebensraum für eine artenreiche Waldvogel-Fauna. Mit ein wenig Glück lassen sich Steinadler, Birk- und Auerhuhn sowie Eulen und Spechte beobachten. Gams-, Rot- und Rehwild finden hier ebenfalls ideale Lebensbedingungen vor. Von alpinen Rasen über Latschen bis hin zu zirbenreichen, kaum genutzten Lärchenwäldern durchstreift der aufmerksame Wanderer je nach Höhenlage die unterschiedlichsten Lebensraumtypen.

Marktgemeinde Windischgarsten:

T: 07562/5255, www.windischgarsten.at, gemeinde@windischgarsten.ooe.gv.at

Gemeinde Spital am Pyhrn:

T: 07563/255, www.spital-pyhrn.at, gemeinde@spital-pyhrn.ooe.gv.at,

Raststationen/Unterkünfte

Dümlerhütte (Stofferalm; 1495m):

T: 07562/8603 oder 0664/373 76 88, duemlerhuette@pptv.at, www.duemlerhuette.at; Öffnungszeiten: bis Ende Oktober 2012, ab Dezember unregelmäßig (meist Fr bis So) Übernachtung: 8 Betten, 45 Lager

Linzerhaus (Wurzeralm; 1371m):

T: 07563/237, kontakt@linzerhaus.at, www.linzerhaus.at; Öffnungszeiten: Juni bis Anfang Oktober durchgehend; bis 26. Oktober an Wochenende (Schönwetter). Übernachtung: Platz für 70 Personen großteils in 2- bzw. 4-Bettzimmern und Lagern; Etagenduschen

Hochmölbinghütte (Niederhüttenalm; 1684m):

T: 0676/900 39 09 oder 0680/ 126 95 21 info@hochmoelbinghuette.at, www.hochmoelbinghuette.at; Öffnungszeiten: zumindest bis Ende Okt. durchgehend geöffnet. Übernachtung: 12 Betten; 46 Lager; Waschraum