Kawasaki ist einer der ganz wenigen Zweiradhersteller, die wirklich nur echte Motorräder bauen. Also keine Mopeds, Roller oder 125er, sondern erst Radeln ab 250 Kubik, für die man einen eigenen Führerschein braucht. Ist zwar absolut gegen die derzeitige Mode, macht die Marke aber irgendwie sympathisch. Und garantiert sorgsame Modellpflege - heuer feiert man etwa "40 Jahre z-Modelle". Doch es gibt auch Neue wie die Er-6f, die eigentlich nicht ganz neu, aber durchdacht weiterentwickelt ist. Das Basismodell, die nackerte Er-6n, wurde an dieser Stelle in den letzten Jahren schon vorgestellt - ein ideales Mittelklasse-Moped, aber leider recht ungeschützt, wie die nackten z-Modelle. Und genau wie bei diesen (z1000 SX) hat man auch für die Er-6n eine großzügige "Schnauzenversion" mit kleiner (aber leider nicht wie bei der SX hochstellbarer) Scheibe entwickelt: die Er-6f, f wie "frontal geschützt".

Werner Grotte mit der Kawasaki Er-6f. - © Bild: Werner Grotte
Werner Grotte mit der Kawasaki Er-6f. - © Bild: Werner Grotte

Eine ZX-Irgendwas

Mit der schnittigen Frontpartie sieht das in typischem Kawa-Grün gehaltene Gerät recht stark aus, wie eine vorsichtige ZX-irgendwas. Gar nicht wie eine brave 650er. Und das ist sie auch nicht. Der Motor ist mit 72 PS (bei nur 204 Kilo Gewicht) und 11.000 Touren Höchstdrehzahl ein gewaltiger Tiger. Leider hört man das nicht - der optisch ebenfalls sehr kräftig wirkende Stummelauspuff überdröhnt original kaum einen Roller. Schade.

Doch das ist auch schon das einzige Manko der kleinen Großen. Sie fährt sich dermaßen elastisch, wendig, auf Wunsch auch bissig oder sogar ruppig, dass man gar nicht mehr absteigen will aus der bequemen Sitz-Kuhle. In der Stadt ist die Er-6f ein echter Stau-Killer, weil man so gut wir überall durchkommt - bei Mistkübelwagen-Arbeiterdenkmälern notfalls sogar über ein Stück Gehsteig. Gö, do schaust.

Dank des neuen Verbaues kann man aber auch überland entspannt dahinflitzen, sogar Regen leidlich aussitzen. Beifahrer spürt man natürlich schon - es ist eben eine 650er. Aber mit Sozius soll man ohnehin keine Rennen fahren. Platz ist jedenfalls genug, auch für Koffer-Aufrüstungen. Und die doppelten Scheiben vorne würden weit schwerere Radeln locker derbremsen.

Andere Baustelle

Die GS 650 hat mit der Kawa nur die Kubik gemein, und die zwei Räder halt. Ein völlig anderes, aber mindestens ebenso reizvolles Motorrad. Trotz der eher hohen Bauweise kommen auch kleinere Fahrer mit den Haxen gut hinunter. Sitzbank, Gepäckraum, Verbau und Windschild (sie stammen von der 800er) geben einem das Gefühl, auf einer Großen zu sitzen. Echt viel Platz, auch für die Beine.