Die Fachwelt staunte nicht schlecht, als Harley Davidson vor zehn Jahren die V-Rod präsentierte. Das lange, breite, geduckte Gerät mit dem extra fetten Hinterreifen wirkte schon optisch ziemlich konträr zur gewohnten Harley-Familie. Auch der mächtige V2-Motor mit 122 PS glich nur optisch den restlichen Harley-Aggregaten, deren stärkste gerade einmal halb so viel PS hatten. Sogar zur Treibstoffaufnahme musste man den Sitz aufklappen, um den Tankdeckel zu finden. Ein völlig neues Motorrad also, von dem es mittlerweile drei Versionen (V-Rod, Night-Rod, Muscle) gibt.

Rasendes U-Hakerl

Die Sitzposition passt zum Rest des wilden Gerätes - Hände vor, Hintern zurück, Füße vor, man mutiert zum rasenden U-Hakerl. Bei längeren Fahrten kann man (sofern alleine unterwegs) die müden Füße zwischendurch auf die hinteren Raster stellen, was einer normalen Fahrposition entspräche. Leider sind die Fußraster vorne wie hinten dermaßen knapp an den optisch beeindruckend verschlungenen Auspuffröhren placiert, dass man kaum eine Ausfahrt ohne eingebrannte, schwarze Schuhsohlenreste am Chrom schafft, die sich nur sehr schwer entfernen lassen.

Beim ersten Gasgeben die nächste Überraschung. Jetzt zeigt sich, warum Porsche-Ingenieure ihre Hand mit im Spiel hatten. Dort, wo andere Harley-Motore bereits abriegeln, bei fünf- bis sechstausend Touren, fängt die V-Rod erst richtig zu schieben an - fast bis zehntausend. Auf der Autobahn ein echtes, wenn auch gegenwindiges Vergnügen. In Kurven allerdings mit Vorsicht zu genießen. Die Überlänge und der breite Hinterreifen erfordern viel Erfahrung und Einfühlungsvermögen, noch dazu wo das Hinterrad aufgrund des starken Drehmomentes leicht zum Wegrutschen neigt.

Resümee: Rein optisch schon im Original der absolute Hinschauer, auch motorisch ein Bär und technisch interessant. Allerdings schwer zu fahren und eher unbequem. Doch welcher Harley-Fahrer lässt sein Baby schon original? Ein paar individuelle Umbauten (es wurden vereinzelt sogar schon Seiten-Koffer gesichtet) können die Tourentauglichkeit sicher erhöhen. Zum Eindruck schinden vor dem Stammcafé reicht es aber auch so.

Kurz und billig

Die Honda ist ähnlich stark, in den Dimensionen aber das genaue Gegenteil, nämlich kurz und bullig. Ein nacktes, schmuckloses Gerät, Kraft pur. Der Vierzylinder schnurrt anfangs seidig dahin, erwacht aber in höheren Touren zu wildem Röhren. Die Beschleunigung erlebt man fast noch böser als auf der V-Rod, selbst auf trockener Fahrbahn reißt es einem bei zu starkem Angasen schon einmal das Hinterrad weg.