Mit schöner Regelmäßigkeit stellen die Verlage im Frühjahr und im Herbst ihre neuen Programme mit sämtlichen Neuerscheinungen und Wiederauflagen vor. Und nahezu jedes Verlagshaus verzichtet dabei nicht auf Kochbücher.

Dass diese zu den absoluten Bestsellern gehören, bewies auch die diesjährige Buch Wien Ende November: Sie widmete dem kulinarischen Sektor in Buchform einen Schwerpunkt. Da wurde auf der Kochbühne geraspelt, geschmort und gebacken und die Meister und Meisterinnen des Kochlöffels verrieten Tipps und Tricks für den Umgang mit Lebensmitteln und Küchenutensilien. Neben deren eigenen Werken gab es natürlich sämtliche Neuerscheinungen des Herbstes, Interessierte konnten aber nicht nur in den Kochbüchern schmökern, sondern sie auch gleich vor Ort kaufen.

Zuerst genau studieren, dann zugreifen, das ist die Maxime vieler Menschen in den Buchhandlungen, die grübelnd vor den langen Regalreihen stehen auf der Suche nach dem einen speziellen Tortenbuch oder dem ultimativen Grillratgeber. Vielleicht wollen sie sich aber auch in die neuesten Erkenntnisse zur Fünf-Elemente-Küche vertiefen oder doch lieber in die Welt der Patisserie eintauchen? Der Kochbuchmarkt scheint sich jedenfalls reger Beliebtheit zu erfreuen angesichts der zahllosen Neuerscheinungen, die Jahr für Jahr auf den Markt kommen und auch ihre Abnehmer finden. Allerdings wird das Rad nicht immer neu erfunden, viele der Rezepte wiederholen sich oder erfahren nur einige kleine Abwandlungen. Dennoch sind Kochbücher zu beliebten Sammelobjekten geworden, viele Hobbyköche geben sich nicht mit einem oder fünf oder zehn zufrieden, nein, auch daheim füllen sich die Regale mit jenen Werken, die sich dem leiblichen Wohl widmen.

Dass heute jährlich mehr Kochbücher veröffentlicht werden als noch vor zwanzig Jahren ist unbestritten, ein erhöhtes Volumen vor Weihnachten gibt es aber nur bei Backbüchern - logisch, Kekse und Co sind eben klassische Weihnachtsbegleiter, Kuchen, Torten oder Desserts dagegen landen das ganze Jahr über auf den Tellern von Herrn und Frau Österreicher. Auch auf die Verkaufszahlen von Koch- und Backbüchern hat Weihnachten laut dem Hauptverband des österreichischen Buchhandels keine nennenswerten Auswirkungen, gekauft wird das ganze Jahr.

Ein Schwerpunkt im heurigen Herbst- und Winterprogramm lässt sich allerdings ausmachen: Die österreichische Küche steht im Vordergrund. Egal ob vegetarisch (etwa Silvia Maritsch-Rager mit "Silvias Gemüseküche" oder Meinrad Neunkirchner und Katharina Seiser mit "Österreich vegetarisch), klassische heimische Küche ("Österreichische Küche" von der unangefochtenen Knödelköchin Ingrid Pernkopf) oder Heurigenküche ("Die neue Wiener Heurigen-Küche" von Cornelia und Richard Zahel oder "Wiener Küche. Kochen nach Bildern" von Hans jun. und Thomas Figlmüller), Heimisches wird wieder stärker ins Bewusstsein gerückt, aber auch Küchengeheimnisse bekannter und beliebter Restaurants wie etwa jene des Hansen in der Wiener Börse ("Freunde, zu Tisch!" von Leo Doppler) werden verraten. Wie viel das im Endeffekt in der Kassa ausmacht, wollen die Buchhändler noch nicht verraten - die detaillierten Zahlen für das Weihnachtsgeschäft werden erst nach dem vierten Weihnachtseinkaufssamstag verraten. Aber das interessiert Kochbuchsammler in Wahrheit sowieso nicht...

Artikel erschienen am 14. Dezember 2012 in: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 30-31