Paul Bocuse - © dapd
Paul Bocuse - © dapd

In der Provinzhauptstadt Lyon, im Südosten Frankreichs, begann 1941 die Karriere des jungen Paul Bocuse. Als Lehrling im Restaurant La Soierie bei Chef Claude Maret profitierte er davon, dass schon damals die Lyoner Küche einen ausgezeichneten Ruf besaß. Bereits 1958 hatte er sich den ersten Michelin-Stern erkocht, 1962 und 1965 folgten die Sterne zwei und drei. Heute ist der Mitbegründer der Nouvelle Cuisine Kommandeur der französischen Ehrenlegion, Autor zahlloser Kochbücher und Inhaber mehrerer Restaurants. Sein bekanntestes Restaurant, das L'Auberge du Pont de Collonges, wird seit 1965 ohne Unterbrechung mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnet. Der Medienstar und begnadete Selbstdarsteller hatte niemals Berührungsängste mit Märkten und Medien. Und so ist es nur logisch, dass es den Bocuse auch vergoldet gibt: Den "Bocuse d’Or" erhält der Gewinner der Weltmeisterschaft der Spitzenköche, die alle zwei Jahre dort stattfindet wo alles begann: in Lyon.

Diesmal kamen am 29. und 30. Jänner 2013 rund 120 internationale Spitzenköche in die Stadt, um ihre Meisterschaft zu beweisen. Die Veranstaltung ist nichts für Laien und Hobbyköche: Nimmt man alle teilnehmenden Teams zusammen, so können sie gemeinsam 206 Michelin-Sterne vorweisen. Eine Teilnahme am Wettbewerb stellt die vorläufige Krönung der Laufbahn jedes jungen Sternekochs dar. Viele Karrieren nahmen hier ihren Ausgang. Frauen findet man allerdings eher selten unter den Gewinnern. Die luxemburgische Spitzengastronomin Léa Linster war die erste – und bisher einzige – Frau, die sich 1989
den Gold-Bocuse abholen durfte. Wie der Meister, so ist die sympathische studierte Juristin ein Medienprofi geworden. Sie veröffentlichte sechs Kochbücher, schreibt Kolumnen für "Brigitte" und ist im ZDF bei "Lanz kocht" oder der "Küchenschlacht" als Stammgast dabei.

Ablauf des Bewerbes

Für die Jungköche führte der Aufstieg ins ersehnte Finale über Ausscheidungsrunden in Europa, Asien und Amerika, oder über eine von zwei "Wild Cards", welche die Veranstalter vergeben. Die 24 teilnehmenden Länder haben großes Interesse daran, sich vor internationalem Publikum und potenziellen, zahlungskräftigen Gästen als Hochburgen des guten Geschmacks zu präsentieren. Zur Vorbereitung des zweistufigen Wettbewerbes gibt es nationale Komitees und millionenschwere Sponsoren. Spezialisierte Coaches bereiten die teilnehmenden Koch-Teams auf die Wettkampfsituation in Lyon vor.

Querelen in Österreich

Österreich war wieder nicht vertreten. Wie schon 2009 verlief auch 2013 die Teilnahme am Wettbewerb schon in der Vorbereitungszeit im Sand. Diesmal verhinderten interne Querelen das Zustandekommen einer nationalen Ausscheidungsrunde. Das Branchenmagazin "ÖGZ" berichtete von Problemen zwischen Meisterkoch, Tausendsassa und Bocuse-d’Or-Autriche-Präsidenten Toni Mörwald und dem Gault&Millau "Koch des Jahrzehnts" Rudi Obauer. Letzterer wollte ein Team um den erfolgshungrigen Thomas Göls als Teilnehmer aufbauen, was wiederum Mörwald in den falschen Hals bekam. Viele Köche verderben den Brei! Aber nach dem Wettbewerb ist vor dem Wettbewerb, und schon 2014 startet der neue Durchgang. Zeit genug also, um den Jahrmarkt der Eitelkeiten zu beenden.