"Am Abend des Ostertages leuchten von den Anhöhen die Osterfeuer. So weit der Lichtschein dieser Feuer scheint, bringt er dem Lande Glück und Gedeihen. (1)" Romantik und Glaube haben die Osterfeuer am Brennen gehalten. Auf der Suche nach so einem Feuer, wie es vielleicht manche noch aus der Kindheit kennen, ist die Enttäuschung vorprogrammiert.

Die Elektrizität macht's möglich: leuchtende Kreuze statt lodernder Flammen. - © TVB Eibiswald
Die Elektrizität macht's möglich: leuchtende Kreuze statt lodernder Flammen. - © TVB Eibiswald

Im Salzkammergut heißt es: "Nein, bei uns nicht (mehr)". In Murau in der Steiermark, das noch als "Osterfeuergemeinde" gehandelt wird, ist "die Zeit eigentliche vorbei. Einige Private vielleicht…" In Graz und Umgebung ist es wegen der Rauch- und Schadstoffentwicklung überhaupt verboten.
Natur- und Tierschützer haben Proteste eingelegt. Denn unter den Holzhaufen suchen Igel, Insekten und sonst allerlei Getier Schutz und verbrennen dann elend. Kann es sein, dass die die Begeisterung für diese Art von Symbolik schwächelt?

In Eibiswald brennt’s

Um derlei Bedenken kümmert man sich in Eibiswald nicht. Der Ort nahe an der slowenischen Grenze strahlt gepflegten Wohlstand aus. Mitten im Dorf steht die Kirche, wie es sich für eine katholische Gemeinde gehört. Die Häuser im Ortskern sind mehr als dreihundert Jahre alt. Fassaden, Fenster und Dächer fachgerecht renoviert. Die Bauern sind auf ihre Höfe stolz, selbst die kleinsten Winzerhäuser halten sie bestens in Schuss. Der Fleischhauer betreibt einen gut gehenden Gasthof, wo sich Bürgermeister und Honoratioren am Abend gerne zum Debattieren treffen. An einem dieser Abende muss es gewesen sein, dass sich der Bürgermeister Alfred Rauch und der findige Bauer und Gastwirt Hannes Kofler den Kopf darüber zerbrachen, wie sie Eibiswald und den umliegenden Gemeinden zu mehr touristischer Beachtung verhelfen könnten. Und da fielen ihnen die Osterkreuze ein. Schon seit 1938 – oder vielleicht auch vorher – war es der Brauch, in der Nacht auf den Ostersonntag riesige, auf der Wiese liegende Kreuze zu entzünden.

Man füllte Pech in Blechdosen und zündete diese mit einem Kienspan an. Altbauer Josef erinnert sich, dass es in und um Eibiswald nur drei solche Kreuze gab. Andere meinen, es wären an die fünfzehn gewesen. Während des Krieges hatte man andere Sorgen, das "Kreuz Anhoaz’n" geriet in Vergessenheit. Erst um 1960, als auch in die entferntesten Höfe Elektrizität eingeleitet wurde, kam die Idee auf, stehende Kreuze aus Metall mit Glühbirnen "brennen" zu lassen. Das waren zunächst einfache Geschichten: ein schlichtes Kreuz mit ein paar Glühbirnen. Aber seit diesem Abend vor mehr als vier Jahren, an dem Rauch und Kofler zusammen saßen, sollte es anders werden.

Der Weg zum Ereignis