Unter der durchsichtigen, ärmellosen, dafür aber streng hochgeschlossenen Bluse zeichnet sich ein Feinripp-Unterhemd ab, unter einem halblangen grauen Mantel blitzt ein transparentes Blumenkleid hervor. Die Rauten auf dem Strickpullover vertragen sich bestens mit der gestreiften Hose, die wiederum auch wunderbar mit dem weißen gelochten Organza-Kleid und dem schon bekannten Feinripp-Unterhemd harmoniert.

- - © Schella Kann
- - © Schella Kann

Die vorherrschenden Farbtöne in der Frühjahr-/Sommer-Kollektion von Designerin Anita Aigner, ihres Zeichens kreativer Mode-Kopf des Duos Schella Kann (Gudrun Windischbauer sorgt für das perfekte Marketing und die reibungslose Produktion), sind Grau, Blau und Weiß, einen Farbtupfer setzt gedämpftes Orange.

Genau diese Farben, aber in einer strahlenden Intensität, finden sich auch in der Kollektion "Schella Kann 2", die vor allem in Bezug auf Pflegeleichtigkeit punktet: "Die Stücke aus dieser Kollektion kann man einfach in die Waschmaschine geben, waschen, aufhängen und sofort wieder anziehen", betont Anita Aigner im Gespräch mit dem "Wiener Journal".

Für den absoluten Wohlfühlfaktor der Modelle sorgen neben den Schnitten vor allem die Stoffe – viel Stretch und leichte, angenehme Qualitäten mit Nachhaltigkeitsfaktor. "Ich möchte Stoffe aus Europa, aber die zu finden, die meinen Modellen das gewisse Etwas verleihen, wird immer schwieriger. Ein Lieferant aus Frankreich hat leider schon zugesperrt und die Italiener schütteln mittlerweile oft nur den Kopf, wenn ich bei ihnen bestellen will – zu geringe Mengen, meinen sie", seufzt Aigner. "Aber bis jetzt habe ich es immer noch geschafft und das werde ich in Zukunft auch."

Seit Schella Kann im Jahr 1984 bei der ersten "U 4 Modegala" dabei war und gleich mit dem Preis für "Bestes österreichisches Modedesign" ausgezeichnet wurde, ist Anita Aigner ihren Prinzipien in Bezug auf ihre Mode treu geblieben: Hohe Qualität, Nachhaltigkeit des Materials und in der Verarbeitung, Tragekomfort und Vielseitigkeit der Einzelteile.

Gemeinsam sind sie Schella Kann: Anita Aigner (l.) und Gudrun Windischbauer. - © Schella Kann
Gemeinsam sind sie Schella Kann: Anita Aigner (l.) und Gudrun Windischbauer. - © Schella Kann

Auch ihre diesjährige neue Kollektion folgt denselben alten Regeln. Woran Anita Aigner aber nicht vorbeigehen konnte, ist das Schößchen, das Kleider, Röcke und sogar Hosen ziert: "Ja, es sieht pfiffig aus und nimmt den Stücken etwas die Strenge, ohne dass es kitschig wirkt", schmunzelt sie.

Diese Pfiffigkeit setzt sich im Innenleben der Jacken und Mäntel fort: Farblich abgesetzte Schrägbänder weisen nicht nur auf die Qualität der Verarbeitung hin, sondern bezeugen auch Aigners Sinn fürs Detail. Für kurzlebige Gags hat die Designerin aber nichts über, "meine Modelle sollen die Trägerin auch noch nach Jahren erfreuen, sie sollen sich auch mit einem neu gekauften Teil aus einer anderen Saison kombinieren lassen und sie sollen genauso gut sitzen wie beim Kauf". Na wenn das kein Auftrag ist, auf die Figur zu achten …

Erschienen im "Wiener Journal" am 29. März 2013