Bei der Burgenland-Verkostung in der Wiener Hofburg herrschte auch heuer wieder reges Publikumsinteresse - © Martina Lex
Bei der Burgenland-Verkostung in der Wiener Hofburg herrschte auch heuer wieder reges Publikumsinteresse - © Martina Lex

Bei der Jahrespressekonferenz von "Wein Burgenland", die auch heuer wieder im Rahmen einer groß angelegten Publikumsverkostung in der Wiener Hofburg stattfand, überraschten die Winzer aus dem östlichsten Bundesland mit einer neuen Kooperation. Mit dabei war eine Delegation aus dem Piemont, die auf Einladung von Mario Baier, dem Direktor von "Burgenland Tourismus", angereist war. Konkret handelt es sich bei den neuen Partnern um Erzeuger aus der Barolo-Weinstraße (Strada del Barolo). Ziel sei es, die beiden in etwa gleich großen Regionen Burgenland und Piemont gemeinsam zu bewerben und den fachlichen Austausch zu pflegen. Die Strada del Barolo hat derzeit rund 100 Mitgliedsbetriebe, zu denen neben Weingütern auch Restaurants und allerlei Genussbetriebe zählen. Im kommenden Herbst werden die Burgenländer bei einer großen Trüffelmesse mit dabei sein.

Christian Zechmeister, Geschäftsführer von "Wein Burgenland", definierte die Ziele der burgenländischen Weinwirtschaft für die kommenden Jahre: Neben der Imagepflege werde vor allem eine mengenmäßige Steigerung im Lebensmittelhandel sowie der Ausbau der Position im Weinhandel und in der Gastronomie angestrebt. Besonders wolle man sich auch um einen gut funktionierenden Weintourismus bemühen. Überdies gelte es die Vielfalt der burgenländischen Erzeugnisse in Weiß, Rot und Süß hervorzustreichen.

"Wein Burgenland"-Geschäftsführer Christian Zechmeister. - © Martina Lex
"Wein Burgenland"-Geschäftsführer Christian Zechmeister. - © Martina Lex

Die autochthonen Rebsorten sollen nach dem Willen der burgenländischen Weinwerber noch stärker ins Bewusstsein der Konsumenten gerückt werden. Bei den Rotweinen hätten indes neben Blaufränkisch und Zweigelt auch die Cuvées weiterhin ihren Stellenwert, zumal diese vom Image her nicht unbedeutend seien.

Herkunft als Trumpf

In punkto Marketing ließen die burgenländischen Weinbauverantwortlichen damit aufhorchen, dass nun verstärkt auf die Herkunftsbezeichnung "Burgenland" – und "daneben auf die vier spezifischen Herkünfte" – fokussiert werden solle. Zuletzt hatte man ja in besonderem Maße die vier spezifischen Herkünfte Mittelburgenland DAC, Leithaberg DAC, Eisenberg DAC und Neusiedlersee DAC betont.

Was das Ausland anbelangt, so wolle man sich marketingmäßig insbesondere um die Märkte in Deutschland, der Schweiz, in den USA und – "nahe" liegender Weise – in der Slowakei bemühen. Noch vor zehn Jahren hatte der burgenländische Wein im nördlichen Nachbarland praktisch überhaupt keinen Stellenwert gehabt. Mittlerweile waren die Burgenländer etliche Male im gemeinschaftlichen Zusammenwirken in der Slowakei aktiv. Auch heuer wurde von "Wein Burgenland" ein Marketingauftritt in einem Pressburger Luxushotel initiiert. Erstmals wird im Mai 2013 im Rahmen der "Wein Burgenland Tour" eine Weinpräsentation in München erfolgen.

Vergnügliches Degustieren am Präsentationsstand. - © Martina Lex
Vergnügliches Degustieren am Präsentationsstand. - © Martina Lex

Geselliges Vergnügen

Die im Anschluss an die Pressekonferenz im edlen Ambiente der Wiener Hofburg abgehaltene Weindegustation erwies sich einmal mehr als riesiger Publikumserfolg. Ein besonderer Ansturm herrschte freilich auch auf die Stände der piemontesischen Winzer, deren Gewächse durchwegs extrem kraftvoll, feurig, druckvoll und röstbetont anmuteten. Unter den burgenländischen Erzeugern waren vom Norden bis zum südlichen Landeszipfel jede Menge prominente Namen vertreten. Augenfällig war jedoch, dass sich eine Reihe von bekannten Winzern nicht an der Veranstaltung beteiligte.

Als Grund für’s Fernbleiben geben so manche Winzer an, dass bei solchen Veranstaltungen in erster Linie bloß getrunken werde, wohingegen wirkliche Fachgespräche kaum möglich seien. Nun darf man derlei Argumenten entgegenhalten, dass Wein ja in erster Linie mit Lebensfreude zu tun hat. Selbstverständlich wollen die Leute bei solchen Verkostungen ihr geselliges Vergnügen haben. Dass ihnen die Winzer dazu eine Bühne bieten, danken sie ihnen durch weitere Verbundenheit als treue Konsumenten. Es bleibt zu hoffen, dass die gut angenommenen burgenländischen Präsentationen in Wien nicht dasselbe Schicksal erleiden wie das ehemals so beliebte "Fest der 1000 Weine" in der wunderschönen Orangerie in Eisenstadt, an dem sich nach und nach immer weniger erstklassige Winzer beteiligt haben, weshalb es letztlich im Jahr 2010 eingestellt wurde.

Man möchte den Präsentationsmuffeln unter den Weinmachern ins Stammbuch schreiben, dass Weinverkostungen nicht notwendigerweise akademischen Charakter haben müssen. Für den Kontakt zur Gastronomie, zu den Weinhändlern und Fachjournalisten gibt es ja Spezialveranstaltungen wie die Wiener VieVinum oder die Düsseldorfer ProWein. Wenn indes die Endverbraucher vernachlässigt werden, die ja – wie die Veranstaltung in der Hofburg wieder einmal bewiesen hat – enormes Interesse zeigen, dann könnte es passieren, dass dadurch mittelfristig das Image des inländischen Weins leidet.

Print-Artikel erschienen am 12. April 2013
in der Kolumne "Werfrings Weinjournal"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 34–35