Beide wuchsen in Linz auf und kannten sich seit der Schulzeit. Während Julia Rupertsberger die Modeschule bis zum Ende durchhielt, riss Mark Baigent sehr bald die Geduld und er brach die Ausbildung ab. Weil sich Wien auch nicht als das ideale Pflaster für den ehrgeizigen Stürmer und Dränger erwies, beschloss er, in den USA sein Glück zu versuchen.

Mark & Julia - Modedesigner aus Österreich - © Robin Peller und Laura Karasinski.
Mark & Julia - Modedesigner aus Österreich - © Robin Peller und Laura Karasinski.

Obwohl er es mit 17 Jahren schon zum Assistenten eines Managers brachte, sah er sich nicht im Businessmanagement. Deshalb kehrte er wieder nach Österreich zurück, wo er mit seiner Amerikaerfahrung bei dem avantgardistischen Modemagazin "Peng" und als Stylist in einer Werbeagentur einsteigen konnte.

Raketenstart zu zweit

Es scheint, als hätte Mark nur auf Julia gewartet, um mit ihr gemeinsam die Modewelt in Wien aufzumischen. Im Jänner 2012 ging es los. Vorweg legten sie ihre Arbeitsweise fest: "Wir arbeiten nach einem bestimmten Rhythmus und strengen Zeitmuster zusammen: Zuerst spiegeln wir unsere Ideen. Wem schwebt was vor? Dann werden sie geschüttelt und gerührt. Nach dem Brainstorming trennen wir uns für zwei Wochen. Da herrscht Funkstille, jeder arbeitet für sich.

Danach werden alle Einfälle und Ergebnisse zusammengemischt", erklärt Mark Baigent. Eigentlich ein Rezept, das man auf mehreren Gebieten anwenden könnte, überall dort, wo zwischenmenschliches Zusammenwirken gefragt ist. Zum Beispiel in der Ehe, in einer neu gegründeten Kleingruppe mit welcher Zielsetzung auch immer. Die beiden sollten sich die Methode patentieren lassen.

Jedenfalls hat selbige gleich Wirkung gezeigt: Mit ihrer ersten Kollektion "Trigonomia" gewannen sie den "Evoque Fashion Award", und zwar den Haupt- und Publikumspreis in Berlin und den Regionalpreis in München. "Wir fielen aus allen Wolken, weil wir so einen Erfolg nie erwartet hatten."

In harter Arbeit entstand eine faszinierende Kollektion, die zwischen Nonnenlook und Haremsmode mit viel Sex und Erotik oszillierte. Das war Ende 2011, also knapp vor der Geschäftseröffnung. Das große Medienecho half den beiden, den Ruf als Anfänger mit den üblicherweise verbundenen Startschwierigkeiten zu überspringen und gleich in die höhere Liga der Kultdesigner eingereiht zu werden.

Das kreative Duo ruhte sich nicht auf seinen Lorbeeren aus. Die Siegerserie setzte sich mit dem Ringstraßengalerie Award 2012 fort. Hier punkteten die beiden mit fließenden Schnitten und extravaganten Stoffen wie Crêpe Satin oder Organza. Apropos Stoffe: Bei der Suche und Auswahl achten sie darauf, Stoffe aus europäischen Produktionen zu kaufen. Billigangebote aus Indien oder China sind  für die beiden keine Option.