Locker bleiben, rät Golfpro Justin Brink zu Beginn der Stunde. - © Moritz Ziegler
Locker bleiben, rät Golfpro Justin Brink zu Beginn der Stunde. - © Moritz Ziegler

 "Der Grundgedanke von Golf ist simpel: Sie müssen bloß einen Ball mit so wenig Schlägen wie möglich von einem Punkt des Platzes in ein Loch am Grün spielen." An diesen Satz aus einem Golfratgeber für Anfänger muss ich denken, als ich den zigsten Ball verschlage, sofern ich ihn überhaupt treffe.

Dabei fing alles ganz harmlos an. In meinem Bekanntenkreis häufen sich die Menschen, die mir begeistert erzählen, wie schön und entspannend Golfspielen ist. Da dachte ich mir: Das will ich einmal probieren. "Du wirst sehen, sobald du den Ball einmal fliegen hast lassen, wird dich die Faszination packen", haben mir eingefleischte Golfer mit auf den Weg gegeben.

Durch die Vermittlung eines Freundes fand sich rasch ein geduldiger Lehrer, den auch die Vorwarnung, dass ich noch nie einen Golfschläger in Händen gehalten habe, nicht abschreckte. Justin Brink, derzeit einer von fünf Golfpros im Colony Club Gutenhof, empfängt mich strahlend bei der Golfschule des noblen Clubs in Himberg. "Hi, ich bin Justin. Du willst also Golfspielen lernen. Bist du aufgeregt?" Dass ich die Nacht zuvor nur schlecht geschlafen habe vor lauter Aufregung, sieht er mir vermutlich an der Nasenspitze an und er beruhigt mich: "Vergiss alles, was du gehört hast, hör nur auf deinen Körper, er sagt dir was du tun sollst." Er schnappt seinen Golfbag, in dem sich ein paar Eisen und Hölzer befinden, wie man die Schläger mit den unterschiedlichen Enden bezeichnet, und wir suchen uns einen Platz auf der Driving Range. "Weißt du, wieso wir so viele Schläger brauchen? Wegen der unterschiedlichen Entfernungen, die wir den Ball schlagen müssen", beantwortet er seine Frage gleich selbst, als er meinen ratlosen Blick sieht. "Spielst du irgendeinen Ballsport?" "Nur Tischtennis und Federball", meine ich. Justin verdreht die Augen. Der Einzige, dem er das Golfen auch nach vielen Trainingseinheiten nicht beibringen konnte, war ein Profitischtennisspieler, grinst er.

Was Sport betrifft halte ich es eher mit Winston Churchill als mit Tiger Woods. Eine Stunde später habe ich noch eine Gemeinsamkeit mit Winston entdeckt. Der meinte zum Thema Golf nämlich: "Golf ist ein Spiel, bei dem man einen zu kleinen Ball in ein zu kleines Loch schlagen muss, und das mit Geräten, die für diesen Zweck denkbar ungeeignet sind."

Haltung

Der Griff will ebenso erlernt werden wie die richtige Haltung. Justin beobachtet seine Schülerin mit Argusaugen. - © Moritz Ziegler
Der Griff will ebenso erlernt werden wie die richtige Haltung. Justin beobachtet seine Schülerin mit Argusaugen. - © Moritz Ziegler

In der nächsten Viertelstunde versucht Justin, der aus Südafrika stammt und seit einigen Monaten als Pro in der Golfschule beim Colony Club Gutenhof arbeitet, mir beizubringen, wie man ein solches Gerät richtig in der Hand hält. Linke Hand entspannt hängen lassen und den Griff des Schlägers kräftig, aber nicht verkrampft umfassen. Dann vor sich hochheben und mit der rechten Hand dazu greifen. "So hältst du den Schläger immer automatisch richtig", erklärt Justin. "Du schlägst jetzt damit vor dir auf den Boden, so hast du die richtige Ballposition. Dann grätschst du die Beine, um dir einen festen Stand zu geben, holst nach hinten aus und schwingst nach vorne durch und lässt den Körper diese Bewegung mitmachen. That’s it!" Justin steht vor mir, zieht den Schläger durch, dass es nur so zischt. Jede Faser seines Körpers gleichzeitig gespannt und dennoch locker, so als ob diese Bewegung das Natürlichste der Welt wäre. "Schau, dein Körper will diese Bewegung." Zisch!