- - © Alois Eller
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Vegetarische Ernährung hat bei vielen immer noch den Beigeschmack von einseitig, langweilig und wenig abwechslungsreich. Dass das nicht stimmt, beweist die wachsende Zahl von sich fleischlos ernährenden Menschen und entsprechenden Kochbüchern zu diesem Thema.  Viele Lokale reagieren auf diese Klientel allerdings nur zögerlich und wenig kreativ – oder gar nicht. Dass es aber trotzdem mehr für Vegetarier geben kann als gebackene Champignons oder Eiernockerl, will die Initiative "friendly food" der Tierschutzorganisation Vier Pfoten beweisen.

Initiatorin Daria Hainz und Werner Riedl, kulinarischer Berater und Gastronom. - © Enrico Fabiani
Initiatorin Daria Hainz und Werner Riedl, kulinarischer Berater und Gastronom. - © Enrico Fabiani

Vor zwei Jahren hat Daria Hainz, Projektleiterin bei Vier Pfoten, damit begonnen, die traditionelle Gastronomie davon zu überzeugen, dass hochwertige, frische vegetarische Gerichte Anklang finden, nachgefragt werden und nicht nur Nischenprodukte für Szenelokale sind. Abgesehen vom gesundheitlichen Aspekt zielt "friendly food" aber auch darauf ab, dem Klima- und Tierschutz Vorschub zu leisten. Auf diesem Gebiet ist Martin Schlatzer, Ernährungswissenschafter und Mitarbeiter am Institut für Meteorologie der Universität für Bodenkultur in Wien, Experte: "Laut Welternährungsorganisation FAO gehen 18 Prozent aller vom Menschen verursachten, weltweiten Treibhausgase auf die Tierproduktion zurück, womit der Transportsektor mit Autos, Lkw, Flugzeugen und anderen um 13,5 Prozent übertroffen wird. Und man muss sich vor Augen halten, dass mehr als 40 Prozent der Weltgetreideernte und mehr als 90 Prozent der Weltsojaernte an Tiere verfüttert werden", schlägt Schlatzer Alarm.

Gerade in Bezug auf Soja hat der Experte bei der kürzlich präsentierten Initiative "friendly food" aber noch mehr erschreckende Zahlen parat: "Österreich importiert jährlich etwa 550.000 Tonnen Soja, den Großteil davon aus Argentinien und Brasilien. Um dem steigenden Bedarf gerecht werden zu können, holzen diese beiden Länder immer mehr Amazonas-Regenwald ab, um Anbaufläche zu gewinnen – wodurch die grüne Lunge der Erde immer kleiner wird. Noch dazu verwenden beide Länder synthetische Stickstoffdünger, Pestizide und Gentechnik, das landet dann in unseren Tieren und letztendlich auf unseren Tellern."

Den Anfang macht "friendly food" in Wien-Neubau, wo sich bereits 13 Wirte bereit erklärt haben, täglich mindestens drei frisch gekochte, hochwertige vegetarische oder vegane Speisen anzubieten. Rudi Zeiller, Wirt des Restaurants "Phoenixhof", sieht in dieser Initiative auch einen längerfristigen Aspekt: "Für mich ist es wichtig, vor allem Kindern zu zeigen, dass fleischloses Essen hervorragend schmeckt. Und je mehr Kinder ich davon überzeugen kann, desto besser für die Tiere und die Umwelt."

Markus Frömmel, Geschäftsführer von "froemmel’s  Catering", weiß ebenfalls Positives zum Thema vegetarische Ernährung zu berichten: "Immer mehr Catering-Kunden fragen nach vegetarischen Angeboten, das ist schon mehr als ein schöner Zusatz zum herkömmlichen Catering." Andreas Knünz vom "Wirr" kann das bestätigen: "50 Prozent unserer Mittagsgäste bestellen ein vegetarisches Menü. Das ist ein guter Grund, um das Angebot auszubauen." Bleibt im Sinne aller Vegetarier, Veganer und jener, die es noch werden wollen, vor allem aber der Tiere und der Umwelt zu hoffen, dass diese Initiative auf regen Zuspruch stößt …

Artikel erschienen am 14. Juni 2013 in: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal"