Im japanischen Garten des Albert Kahn.

- © J.Kerviel
Im japanischen Garten des Albert Kahn.
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Das Erbe eines Philanthropen

Selbst den meisten Paris-Kennern und Einheimischen ist der prachtvolle Garten in Boulogne-Billancourt im äußersten Südwesten der Stadt neu. Für ihn ließ zwischen 1894 bis 1910 der französische Bankier Albert Kahn in Japan ganze Häuser abtragen, um sie auf seinem Gelände mit den Gartenkulturen und Gartenkünsten Japans, Englands und Frankreichs wieder aufzustellen. Dort dienten die Schatten der Bäume fortan als Treffunkt internationaler Prominenter, Gelehrter und Künstler.


Links
Siehe auch:
tramway.at/paris/ceinture.html
Albert Kahn Museum
Galerie de Paléontologie et d’Anatomie Comparée
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Albert Kahn, geboren 1860 im Elsass, zählte bereits im Alter von 30 Jahren zu den bedeutendsten europäischen Unternehmern, sein Vermögen stammte vorwiegend aus Spekulationen mit südafrikanischen Gold- und Diamantenminen. Der Geschäftsmann galt auch als Philanthrop und Fan der Fotografie. So beauftragte er Reporter und Kameramänner damit, die Welt zu dokumentieren. Resultat: eine gewaltige wie faszinierende Sammlung von Fotos und Filmaufnahmen in Farbe, die  "Archives de la Planète" ("Archive des Planeten").

Kahns Idee war, die visuelle Darstellung des alltäglichen Lebens aus allen Teilen der Welt für ein besseres Verständnis von anderen Menschen und Kulturen einzusetzen, um eine friedliche Welt zu schaffen. Seine Archive umfassen die ersten Farbaufnahmen in der Geschichte der Fotografie, sie zeigen Menschen des vorigen Jahrhunderts von Amerika bis Vietnam, Soldaten im Krieg, oder auch  Szenen aus den letzten gälischen Dörfern Irlands.

Wallace-Brunnen (zum Vergrößern bitte anklicken)

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Wallace-Brunnen (zum Vergrößern bitte anklicken)
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Auf seinem Gelände in Boulogne befindet sich heute das Museum "L’Espace Albert Kahn" samt seiner Archive mit rund 72.000 monochromen Fotografien und 170.000 Meter Film. Übrigens: Ebenfalls einem reichen Philanthropen hat Paris seine öffentlichen grünen Trinkwasserbrunnen zu verdanken. Der Engländer Richard Wallace finanzierte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit dem vererbten Vermögen seines Vaters die bis heute prägenden Elemente des Pariser Stadtbildes.

Über der Gürtellinie

Eine andere große, grüne Unbekannte von Paris ist die "Petite Ceinture", die Trasse der Stadtbahn, die ab 1852 die Bahnhöfe am Rand von Paris verband. Im Jahr 1934 wurde sie stillgelegt, ihr 32 Kilometer langer Damm durchzieht aber noch heute die Metropole und ist auf Stadtplänen eingezeichnet. Mittlerweile haben Flora und Fauna den "kleinen Gürtel" überzogen, der zu einer Art Parallelwelt geworden ist: Einerseits ist man mitten in der Stadt, andererseits fernab vom Geschehen, auf den vielen Brücken ein einsamer Beobachter. Meist menschenseelenallein ist man dort oben in der Millionenmetropole unterwegs, nur hin und wieder trifft man auf obdachlose, spazierende oder feiernde Pariser.