Ein guter Whisk(e)y geht auch durch die Nase. - © Potstill
Ein guter Whisk(e)y geht auch durch die Nase. - © Potstill

Die Schotten geben zu, dass die Iren den Whiskey erfunden haben – aber sie ergänzen gleich im selben Atemzug: "Wir haben ihn trinkbar gemacht!" Zwischen den zwei benachbarten Regionen besteht ein bisweilen sehr emotionaler Wettstreit um das alkoholische Getränk, das in Irland mit einem "e" geschrieben wird und in Schottland ohne.

Ein selbsternannter Dichter aus der Gegend um Aberdeen schrieb 2004 auf seiner Webseite: "So if you see Whisky and it has an ‘e’, only take it, if you get it for free!" Einem Gratis-Whiskey können die Schotten also auch nicht widerstehen, denn immerhin handelt es sich um das "Wasser des Lebens", so die Übersetzung der ursprünglichen gälischen Bezeichnung "usquebaugh" oder "uisce beatha", was zu "usky" verkürzt wurde.

Die Ursprünge des flüssigen Goldes, das, sehr vereinfacht gesprochen, gebranntes Bier ist, werden teilweise auf das 1. Jahrhundert nach Christus geschätzt, als Mönche (darunter etwa der spätere irische Nationalheilige Patrick) von ihren Reisen aus dem südeuropäischen Raum die Kunst des Schnapsbrennens mitgebracht haben. Erste schriftliche Belege über Steuern oder Destillierverfahren gibt es sowohl in Irland als auch in Schottland erst aus dem 15. Jahrhundert.
Die Amerikaner halten sich da heraus und haben den "Bourbon" entwickelt, ursprünglich eine Ortsbezeichnung. Die Schotten und Iren, die im 18. Jahrhundert über den Ozean flüchteten, mussten feststellen, dass Gerste auf dem neuen Kontinent nicht so gut wächst, und so ersetzten sie diese zunächst durch Roggen, woraus der "Rye Whiskey" entstand. Später, so wie auch noch heute, wird vor allem Mais als Ausgangsprodukt für amerikanischen Whiskey verwendet, der ebenfalls ein "e" enthält. Interessanterweise scheint sich in Kanada eher die schottische Tradition fortgesetzt zu haben, weshalb Canadian Whisky einen Vokal weniger hat.

Welcher Whisk(e)y nun der "echte" und der "beste" ist, darüber lässt sich trefflich streiten, wie auch über andere Parameter rund um das Getränk, das gerade eine Renaissance erlebt, deren Ursprung nicht ganz geklärt ist.

Fred Noe, Erbe des Jim-Beam-Familienkonzerns, glaubt, dass durch die Wiederentdeckung alter Rezepte auch alte Zutaten wie etwa "Rye Whiskey" wieder in die Bars gekommen sind. "Die Menschen sind heute offener und probieren gerne verschiedene Alkoholika aus, während sie früher oft nur ein Lieblingsgetränk hatten," erläutert er im Gespräch mit dem "Wiener Journal".