"Nur über meine Leiche!", war Robert Meyers erste Reaktion, als die Idee zur "Sweeney Todd"-Produktion an der Volksoper auftauchte. "Ich sah mir den Film mit Johnny Depp an und war entsetzt", berichtete der Direktor der Volksoper Wien bei der Saison-Pressekonferenz. Doch anlässlich einer Theateraufführung ließ er sich umstimmen: "Nachdem ich das Stück dann auf der Bühne am Londoner Westend gesehen habe, war ich sofort überzeugt, dass es an die Volksoper passt. Aber der Satz über meine Leiche bleibt gültig: Ich spiele Richter Turpin, der Sweeney Todds Opfer auf dem Rasierstuhl wird!" Bei dem 1979 uraufgeführten "Sweeney Todd" handelt es sich nicht nur um eines der gruseligsten, sondern auch eines der erfolgreichsten Musicals aller Zeiten. Stephen Sondheims "Musical-Thriller" wurde als eines von insgesamt nur drei Musicals (neben "South Pacific" und "Hairspray") mit den sechs wichtigsten Tony Awards (Bestes Musical, Beste Partitur, Bestes Buch, Bester Hauptdarsteller, Beste Hauptdarstellerin, Beste Regie) ausgezeichnet.

Den 2007 von Tim Burton mit Johnny Depp in der Titelrolle gedrehten Film hat auch der Bühnenbildner der aktuellen Volksopernproduktion, Mathias Fischer-Dieskau, gesehen. Er hat sich bei der Entwicklung seiner Bilder davon nicht beeinflussen lassen, erzählt er dem "Wiener Journal". "Es ist beeindruckend zu sehen, was die da gemacht haben, aber der Film ist ein anderes Medium. Im Theater kann man die Dinge mit mehr Abstand sehen. Dem Film fehlt jede Komik, das ist nur mehr gruselig."

Ihren ersten Auftritt hatte die fiktive Figur Sweeney Todd in einem sogenannten "Penny dreadful", einem englischen Grusel-Fortsetzungsroman des Jahres 1846. Nach mehreren Dramatisierungen und Verfilmungen des Stoffes wurde Christopher Bonds Stück "Sweeney Todd. The Demon Barber of Fleet Street" 1973 in London uraufgeführt, das Stephen Sondheim zu seiner bis dahin wichtigsten Partitur inspirierte.

Mathias Fischer-Dieskau beschäftigt sich schon über ein Jahr mit dem Stück, dem er, wie er sagt, "ganz altmodisch zu Leibe gerückt ist",  indem er sorgfältig den Text las und sich die Musik anhörte, um das Stück "aufzurollen, wie es auf dem Papier steht". Gerade bei "Sweeney Todd" gäbe es sehr viele Regieanweisungen zum Beispiel den Friseurstuhl betreffend, der eine zentrale Rolle in der Handlung spielt, an die er sich bei seinen Entwürfen akribisch genau gehalten hat, erzählt Fischer-Dieskau. Bilder vom alten, frühindustriellen London dienten ihm dabei ebenso als Inspiration wie die psychologische Metapher, dass sich unter einer ästhetischen Oberfläche oftmals eine dunkle, verborgene Ebene befindet: "Wie beim Menschen auch." Auch die Demonstrations-Modelle von Maschinenräumen hätten ihn inspiriert, bei denen die Schnittflächen rot markiert sind, Schnitte, wie sie auch entstehen, wenn man Menschen aufschneidet, erklärt der Bühnenbildner die roten Linien, die sich durch seine abgründige Psychomaschinerie ziehen.