"Bobenhausenscher Willkomm" aus der Schatzkammer des Deutschen Ordens in Wien, Silber, um 1572. Dieses Deckelgefäß wurde einst bei adeligen Gesellschaften benutzt, um gemeinsam mit dem zu ehrenden Ankömmling einen Willkommenstrunk zu konsumieren. - © Johann Werfring
"Bobenhausenscher Willkomm" aus der Schatzkammer des Deutschen Ordens in Wien, Silber, um 1572. Dieses Deckelgefäß wurde einst bei adeligen Gesellschaften benutzt, um gemeinsam mit dem zu ehrenden Ankömmling einen Willkommenstrunk zu konsumieren. - © Johann Werfring

Unter der Leitung von Hannes Etzelsdorfer und Franz Regner wurde in Poysdorf nach dreijähriger Vorbereitungszeit ein ambitioniertes Wein-Ausstellungsprojekt umgesetzt. Es ist Teil der Gesamtschau "Brot & Wein", deren zweiter Teil in Asparn an der Zaya zu sehen ist. Poysdorf gilt ja als "Weinhauptstadt" des Weinviertels und erscheint deshalb als guter Standort für die Umsetzung des gewählten Themas. Das ehemalige Bürgerspital aus dem 16. Jahrhundert fungiert als Zentrum der Ausstellung. Über dessen Adaptierung hinaus dürfen sich die Poysdorfer über eine Reihe weiterer im Rahmen des Projekts verwirklichter Infrastrukturmaßnahmen, die der Gemeinde auch weiterhin zugute kommen werden, freuen.

Bestehende weinkulturelle Besonderheiten der Stadt, etwa die sehenswerte Kellergasse wie auch die folkloristisch gewandeten Poysdorfer Kellergassenführer, fügen sich als passende Kombination zur Ausstellung. Gleich beim Eingang zur Ausstellung wird man einer hoch aufragenden "Hutsäule" ansichtig, wie sie früher einmal in manchen Gegenden im Herbst von den Weinbergshütern als Aussichtsplattform zur Überwachung der Weinlandschaft verwendet wurde. Im Freigelände ist gleich neben der Hutsäule eine gigantische Reblausskulptur positioniert, dahinter befindet sich ein Riesentrichter, der anno dazumal zur (vermeintlichen) Hagelabwehr diente. Bereits um 1600 feuerte man hierzulande Böller ab, um Hagel zu verhindern, und noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts glaubten Weinhauer, sich durch das Wetterschießen (mit dem großen Trichter wurde der Schall verstärkt) vor dem Schlimmsten bewahren zu können, bis schließlich der Beweis erbracht wurde, dass Hagel durch Beschallung keineswegs abgewendet werden kann.

Rekonstruktion einer Hutsäule im Freigelände der Poysdorfer Weinausstellung. - © Johann Werfring
Rekonstruktion einer Hutsäule im Freigelände der Poysdorfer Weinausstellung. - © Johann Werfring

Linkerhand von der Hutsäule befindet sich ein Gebäude, an dessen Außenfassade in allen möglichen Sprachen das Wort "Prost" aufscheint. In seinem Inneren werden die Besucher zur Aktivität aufgefordert. Im Ausstellungsbereich "Zwischen Genuss und Droge" wird den "Mitspielern", die sich eine spezielle Brille überziehen, ein Rausch simuliert. Mit der artifiziell hervorgerufenen 0,8-Promille-Wahrnehmung versuchen sie nun, wie beim Polizeitest, einer Linie zu folgen oder auf einem Bein stehend Kontakt zu anderen Personen aufzunehmen, was selbst bei älteren Semestern heitere Ausgelassenheit aufkommen lässt.

Einzelne Monitorstationen vermitteln die Themen Wein in Literatur, Film, Theater und Oper, wobei auch weinselige Publikumslieblinge nicht zu kurz kommen. Allerlei nützliches Weinwissen wird bei einer Litfaßsäule vermittelt. Die jüngsten Entwicklungslinien des Weinbaus vermitteln bei Video-Hütteln mehrere Weinproduzenten.