Der Eisfall in St. Anton am Arlberg. Während des Rennens dürfen Rutscher diesen Abschnitt nicht präparieren. Die Gefahr eines Absturzes ist zu hoch. Die Arbeit ging nach einer Umfahrung bei einem Einstieg unterhalb weiter. - © Wiener Zeitung/Moritz Ziegler
Der Eisfall in St. Anton am Arlberg. Während des Rennens dürfen Rutscher diesen Abschnitt nicht präparieren. Die Gefahr eines Absturzes ist zu hoch. Die Arbeit ging nach einer Umfahrung bei einem Einstieg unterhalb weiter. - © Wiener Zeitung/Moritz Ziegler

Rutscher sind bei einem Skirennen in zwei Phasen wichtig: bei der Vorbereitung der Piste und während des Rennens.
Für Rennorganisation und Pistenpersonal beginnt der Tag vor einem Rennen sehr früh: Ausgerüstet mit Stirnlampen bewegt sich ein riesiger Tross in Richtung der Rennstrecke.

Alle Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. In den gesperrten Bereich gelangen jetzt nur noch Personen mit entsprechender Akkreditierung.

Vieles wurde bereits in den Tagen und Wochen zuvor installiert, seien es die Kabel für die TV-Aufzeichnung und Zeitmessung, die Absperrnetze oder die Tribünen und Videowalls im Zieleinlauf. Doch einiges lässt sich erst wenige Stunden vor einem Rennen organisieren. Erst kurz vor Rennbeginn werden die Tore platziert und die Bodenmarkierungen angelegt.

Und wieder ist über Nacht Neuschnee gefallen, der noch unbedingt aus der Strecke gebracht werden  muss – jetzt sind die Rutscher gefordert. Der Schnee soll großflächig zum Rand der Rennstrecke verbracht werden, dorthin, wo er den Rennläufern kein Hindernis bietet. Der Rutscherchef erteilt Anweisungen: "Mit Schwung rutschen, viel Schnee aus der Strecke treiben und möglichst keinen Neuschnee zurücklassen." Wer das schafft, ist ein guter Rutscher und das schaffen selbstverständlich alle im Rutschkommando, denn jeder, der hier anheuert, steht nicht zum ersten Mal auf dem Ski. Rutscher sind erfahrene Skiläufer, oftmals Mitglieder aus dem Skiclub, der das Rennen organisiert.

Es gibt jedoch auch Streckenabschnitte, die selbst für das Rutschkommando zu steil sind und auf andere Weise für das Rennen präpariert werden müssen. So kann es passieren, dass besonders gute Rutscher kurzfristig zu "Tretern" umfunktioniert werden. Denn dort, wo es extrem steil ist, wird der Schnee mit Wasser angesprüht und mit dem Ski festgetreten. Eine schweißtreibende Arbeit, aber für den Rennläufer sehr wichtig, um unfallfrei das Ziel zu erreichen. Denn nur, wenn die Piste hart und frei von Unebenheiten ist, können schwerwiegende Unfälle verhindert werden.

Nach  der morgendlichen Arbeit haben sich die Rutscher und Treter eine kurze Pause verdient. Während die Rennteams die Strecke besichtigen, gibt es für die Rutscher bei einem Kaffee letzte Anweisungen für das Rennen.

Dann folgt der zweite Einsatz der Rutscher: Während des Rennens müssen sie kontinuierlich den Parcours abfahren und aufgewirbelten Schnee aus der Rennstrecke treiben. Für die Arbeit auf der eisigen Strecke bleibt kaum Zeit, denn für diese Pistenkosmetik gibt es keine Rennunterbrechung, deshalb muss unmittelbar nach dem Läufer gerutscht werden. Hier sind höchste Konzentration und perfekt geschliffene Kanten gefordert. Die Rutscher arbeiten in Abschnitten. In 60 Sekunden muss der zugeteilte Streckenabschnitt präpariert und die Strecke wieder frei sein. Kurze Zeit später kommt bereits der nächste Läufer angeschossen. Spektakuläre Beinah-Zusammenstöße von Rutschern mit Rennläufern sind berüchtigt.
Der letzte Streckenabschnitt, der unmittelbar vor der Ziellinie endet, stellt für den Rutscher eine zusätzliche Herausforderung dar: "Nur nicht durch das Ziel rutschen." Hier muss das Rutschkommando unbedingt kurz vor dem Ziel aus der Strecke steigen. Sollte ein Rutscher dennoch die Ziellinie passieren, beendet er die Zeitmessung des nachkommenden Rennläufers. Dessen Zeit wird dann rekordverdächtig, aber der Einsatz des Rutschers wäre damit beendet, er kann seine Bretter einpacken.

Sie haben noch nie einen Rutscher gesehen? Dann schauen Sie doch bei einer Fernsehübertagung eines Skirennes einmal nicht auf den Läufer, sondern konzentrieren sich auf den oberen Bildrand. Schon bald werden Sie eine Person entdecken, die direkt nach dem Läufer in die Strecke fährt: der Rutscher.

Print-Artikel erschienen am 13. Dezember 2013 In: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 14-15