- © Günther Praschberger
© Günther Praschberger

Über die Typizität des Pinot Noir haben sich schon Generationen von Weinmachern und sonstige Experten die Köpfe zerbrochen und sind doch auf einen keinen gemeinsamen Nenner gekommen. Nach wie vor hoch geschätzt werden zweifellos die Weincharaktere, wie sie die Urheimat des Pinot Noir, nämlich die sogenannte Cote-de-Nuits in den Gemarkungen von Chambertin bis Nuits-St. Georges hervorbringt, aber auch in kühleren Gegenden von Kalifornien und in Oregon gedeihen beachtliche Pinot-Exemplare. In Deutschland sind die Spätburgunder aus badischen Weinbaugefilden mitunter prachtvoll, des Weiteren finden sich im schweizerischen Graubünden sowie in den Südtiroler Weinbergen interessante Varianten.

Gibt es einen österreichischen Weg?

Auch in Österreich wird Pinot-Noir, wenn auch in eher geringer Quantität, von Niederösterreich über Wien bis ins Nord- und Mittelburgenland gekeltert. Mitunter mit schönen Erfolgen, wobei die Klimaentwicklung der letzten Jahre den Pinot Noir nicht gerade zu begünstigen schien, denn wenn Spätsommer und Frühherbst heiß sind, erreicht der Blauburgunder einfach zu schnell seine Zuckergradation, ohne dass die "physiologische Reife" gegeben ist. Längeres Zuwarten mit der Lese ist aber schwer möglich, weil dann Fäulnisgefahr besteht. Im Allgemeinen wird versucht, den Pinot Noir in luftigen, weniger der Botrytis ausgesetzten Rieden, deren Bodenstruktur von einem hohen Kalkgehalt geprägt ist, zu kultivieren.

Axel Stiegelmar (Weingut Juris, Gols) zählt hierzulande zu den raren Pinot-Noir-Meistern. - © Steve Haider
Axel Stiegelmar (Weingut Juris, Gols) zählt hierzulande zu den raren Pinot-Noir-Meistern. - © Steve Haider

Geballte Golser Pinot-Kompetenz

Insgesamt konnten bei der denkwürdigen Verkostung des Weinguts Juris der Familie Stiegelmar im gediegenen Ambiente des Wiener Restaurants "Gaumenspiel" Pinots aus gleich sechs verschiedenen Lagen degustiert werden. Die stark kalkhältige Ried Kirchberg in Jois wurde allerdings nur für den Jahrgang 2004 herangezogen, da danach die Pacht ausgelaufen ist. Die Riede Ungerberg ist  etwas zu heiß und aufgrund der Nähe zum Neusiedler See auch fäulnisgefährdet, sodass sie ab dem Jahrgang 2011 durch die Setzluss auf der sogenannten Parndorfer Platte ersetzt wurde.

Für klassische Pinot Noirs scheint in Hinkunft die kalkhältige, vom sandigen Lehm beherrschte Haide, die wenig Wasserspeicher-Kapazität besitzt und daher die Beeren sehr klein hält, optimal zu sein. Unbestritten ist auch die Qualität der vom hohen Kiesanteil geprägten Riede Breitenteil, die zur Gänze auf der Parndorfer Platte gelegen ist und wegen größerer Temperatur-Schwankungen zwischen Tag und Nacht für intensives Fruchtspiel bürgt. Als Star unter den Juris-Lagen ist eindeutig die sandige, völlig kalkfreie Riede Hochreit hervorgegangen, die sozusagen die große Ausnahme bildet und hellfruchtige Beerenaromen mit Extraktsüße und sattem Körperbau verbindet; sie wurde bei einer vom Weingut durchgeführten Blitzumfrage von den anwesenden Verkostern eindeutig zur interessantesten Lage gekürt.