Der Us-amerikanische Weinpublizist Robert Parker gilt als weltweit einflussreichster Weinjournalist. Weine, die im "Wine Advocate", in "Parker’s Wine Buyer’s Guide" oder in einer seiner sonstigen Publikation entsprechend gewürdigt werden, stehen international in der Auslage. Seit 2005 war der US-amerikanische Journalist David Schildknecht Parkers Beauftragter für Deutschland und Österreich. Seither profitierte die Weinbranche nicht unerheblich von dessen Kenntnis der österreichischen Rebensäfte. Die von ihm vorgenommenen Bewertungen führten dazu, dass so manche Betriebe auch international verstärkt wahrgenommen wurden. Wie an dieser Stelle erst kürzlich berichtet wurde, erhielt mit dem 1995er Vinothek Riesling vom Nikolaihof Wachau heuer erstmals eine österreichische Kreszenz die Höchstnote von 100 Parker-Punkten.

Der auch für Österreich zuständige Nachfolger von David Schildknecht ist der deutsche Buchautor und Weinjournalist Stephan Reinhardt. Der Rheinländer kam über die "Süddeutsche Zeitung" und den "Feinschmecker" als Blattmacher zu René Gabriels Periodikum "Weinwisser" und war bis zuletzt als Chefredakteur bei "Vinum" tätig. Reinhardt, zusammen mit Schildknecht kürzlich im südburgenländischen Weingut Schiefer (Welgersdorf) zu Gast und wie dieser erklärter Anhänger des spezifischen Eisenberg-Terroirs, ist langjähriger Beobachter und Kenner der österreichischen Weinszene. Die Dynamik in Österreich sehe er positiv, in Einzelbereichen, etwa beim Rotwein, sei jedoch die angekündigte Entwicklung – weg von der internationalen Stilistik, hin zur Betonung des regional Eigenständigen – vom Großteil der Erzeuger noch nicht eingelöst worden. Wenn es gelinge, die "faszinierende regionale Vielfalt" noch stärker und auf breiter Ebene sinnlich erfahrbar zu machen, könne das Weinland Österreich international mit verstärkter Wahrnehmung rechnen, so Reinhardt.

Print-Artikel erschienen am 27. Juni 2014
In: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 35