Der Blaue Portugieser ist ein süffiger Wein; sein Image wurde zu Unrecht abgewertet. - © Johann Werfring
Der Blaue Portugieser ist ein süffiger Wein; sein Image wurde zu Unrecht abgewertet. - © Johann Werfring

Rund 30 Autominuten vom südlichen Wiener Stadtrand entfernt befindet sich der Heurigenort Sooß. Er ist eingebettet in eine reizvolle Landschaft, die – je nach Laune – zum Wandern oder Lustwandeln einlädt. In unmittelbarer Nachbarschaft bietet die Kurstadt Baden urbane Aura vom Feinsten. In der von Sooß aus kommod zu Fuß erreichbaren Kurstadt Bad Vöslau kann man nicht nur ein erfrischendes Bad im kaiserzeitlichen Ambiente nehmen, sondern derzeit im Stadtmuseum auch eine reizvolle Ausstellung über die Heurigenkultur von anno dazumal besichtigen.

In der lang gezogenen Sooßer Hauptstraße reiht sich ein Heuriger an den anderen. Ungefähr in der Mitte derselben befindet sich der 47er Schwertführer, dessen numerischer Zusatz im Betriebsnamen auf die Hausnummer gemünzt und als Unterscheidungsmerkmal zu gleichnamigen Mitbewerbern intendiert ist. Martin Schwertführer ist ein Weinbauer mit Bodenhaftung. Er bezeichnet sich selber – ganz der alten Tradition verhaftet – als "Hauer". Das ist keineswegs als Werbegag gemeint. Freilich bewirtschaftet er die Scholle heute nicht mehr mit der Haue, jedoch signalisieren Habitus und Adjustierung durchaus eine altbäuerliche Mentalität im guten Sinne, ohne jegliche Arroganz und Großspurigkeit, wie das heutzutage mitunter bei erfolgreichen Weingutinhabern leidlich zu beobachten ist.

Poesie und Wein sind seine Steckenpferde: Martin Schwertführer, Hauer in Sooß. - © Johann Werfring
Poesie und Wein sind seine Steckenpferde: Martin Schwertführer, Hauer in Sooß. - © Johann Werfring

Erfolgreich ist der 47er Schwertführer schon lange. Eine beachtliche Liste von Prämierungserfolgen weist ihn als einen der herausragenden Weinerzeuger der Südbahnregion aus. Bemerkenswerterweise haben die vielen Auszeichnungen keineswegs zu Teuerung Anlass gegeben. Martin Schwertführer, der Mann mit dem blauen Schurz – der auch eine Ader für die Poesie hat, was sich kürzlich in einem Lyrikband manifestierte – liebt die Stammkundenpflege. Und stammkundengerecht sind auch die Preise, denn eine ganze Reihe von Weinen ist im Segment zwischen 3,20 und 5 Euro positioniert.

Der Sortenspiegel ist breit gefächert und auch die Ausbaustile reichen von einfach bis exquisit sowie von trocken bis edelsüß. Für meinen letzten Besuch im Heurigen hatte ich mir vorgenommen, vor allem dem Blauen Portugieser vom 47er Schwertführer "auf den Zahn zu fühlen". Schon seit geraumer Zeit peinigt mich der Gedanke, dass diese einstens beliebte Sorte in der jüngeren austriakischen Weinbaugeschichte zu Unrecht in Verruf geraten ist.