Mittagspause unter Platanen in Entrevaux. - © B. Suchan
Mittagspause unter Platanen in Entrevaux. - © B. Suchan

Ein kleiner Bauernhof im südfranzösischen Departement Var, Ziegen und Schafe grasen friedlich auf den Weiden der Ferme de la Pastourelle. Catherine Fleury stellt hier feinste Käsespezialitäten her und verkauft sie ab Hof. Ein Sommergewitter hat eine kleine Gruppe von Ausflüglern aufgescheucht, die an einem großen Holztisch im Freien die verblüffende Vielfalt der verschiedenen Ziegen- und Schafkäse entdeckten. Schnell packt jeder einen Teller, sein Glas, Madame Fleury und ihr Mann bauen im kleinen Verkaufsraum Tisch und Stühle auf, Monsieur holt noch eine Flasche Wein, einen herben Weißwein, denn der passe zum würzigen Ziegenkäse doch viel besser als der Rote. Man rückt zusammen in dem winzigen Raum, trinkt ein Glas von dem Weißen und stellt fest, dass er wirklich unnachahmlich mit dem "Chèvre" harmoniert. Draußen gießt es in Strömen, man redet über die Familie, den Beruf, das Leben. Die Zeit scheint still zu stehen. Keine Hektik, kein Stress, niemand macht Druck. Für einen Moment ist die Welt in ihre Fugen zurückgerückt. Nachhaltigkeit, Entschleunigung, Achtsamkeit – die Schlagworte der modernen Zeit – es scheint alles ziemlich einfach an jenem Nachmittag in der Provence.

Lebensart und Südfrankreich, das ist ein häufig strapaziertes Begriffspaar. Es wird leicht diffus, wenn es darum geht, dieses Lebensgefühl in Worte zu fassen, das so viele Menschen aus allen möglichen Teilen der Welt in den Süden Frankreichs zieht. Objektiv betrachtet, ist das Leben für die Einheimischen wohl nicht so romantisch, wie Hochglanzbroschüren den Touristen gerne vermitteln. Heiße, trockene Sommer, kalte Winter in den Bergen, unwirtliche Gegenden, einsame Dörfer.

Man trifft hier, im kargen und ursprünglichen Hinterland der mondänen CÔte d’Azur, auf Lebenskünstler wie zum Beispiel Bernard Lhouial. Er lebt seit vielen Jahren in der Haute-Provence und hat Land und Leute lieben gelernt. Bevor er sich mit Frau und Kindern in Riez niederließ, lebte er in dem kleinen Ort Sainte Croix du Verdon am Stausee Sainte Croix. Im Winter verdiente er sein Geld als Skilehrer in den Wintersportorten der provenzalischen Alpen, im Sommer als Windsurflehrer am See. Seit einigen Jahren ist er für die Tourismusorganisation Alpes-de-Haute-Provence tätig und ein leidenschaftlicher Botschafter für die Region.