Auf einem kleinen Hügel im Nordwesten Istriens, nahe der slowenischen Grenze, liegt die Kleinstadt Buje (ital.: Buie). Von hier aus hat man eine wunderbare Aussicht auf das hügelige Grün der kroatischen Halbinsel, die für Oliven, Trüffel und Wein bekannt ist. Das Land des Malvasias, des Terans und des Muskatweins ist seit 2013 auch für sein feines, handgebrautes Bier bekannt. Der einstige Patron der Stadt, der Heilige Servulus, gab der Brauerei und dem Bier seinen Namen.

Mitte März dieses Jahres zog die "Bujska Pivovara" von Simon und Goran Grbac und ihrem Cousin Marko Biondic außerhalb der Stadt. Auf halbem Weg in Richtung Momjan hat sie ein neues Zuhause in einem 600 Quadratmeter großen Bräuhaus gefunden. Ebenerdig werden hier drei verschiedene Biere in Kleinmengen gebraut. Oben auf der luftigen Terrasse können die Biersorten direkt vom Fass verkostet werden, während man einen herrlichen Blick auf das Städtchen Buje, die grünen Wälder und das blitzblaue Meer genießt.

Klack, Zisch und Plopp

Betritt man die Brauerei, empfängt den Besucher ein buntes Gemisch von Geräuschen. Musik aus dem Radio. Das Rattern der Abfüllanlage. Dazwischen immer wieder ein rhythmisches Zischen, wenn die Flaschen mit Luftdruck verschlossen werden. Einzeln wird jede Flasche in den Apparat gestellt, der Kronkorken oben aufgesetzt und zugezischt. Im Nebenraum stehen zwei Reihen blitzender Tanks, in denen der Gerstensaft reift. In sorgfältiger Handarbeit werden pro Monat 35.000 Liter blondes, rotes und schwarzes "San Servolo" gebraut und in Halbliterflaschen abgefüllt.

Familiär und fröhlich ist die Atmosphäre in der kleinen Brauerei. Im Lagerraum warten die Kartons darauf, zugeklebt zu werden. Aus der Ecke dringt abwechselnd ein Klacken und Surren. An der Etikettiermaschine steht Damir. Jede Flasche steckt er einzeln in die Maschine und drückt auf den Knopf. 1500 Flaschen werden von ihm täglich auf diese Weise beklebt. Eine meditative Tätigkeit. Von morgens um sieben bis nachmittags um drei.

Die Farben des Bieres

Jadran Batoš, der Chef des Braulokals, führt uns durch die Brauerei: "Das blonde Bier (Svijetlo Pivo) wird aus Hopfen und Gerstenmalz Typ ‚Pilsner‘ gebraut", erzählt er. Das helle Lager schmeckt erfrischend leicht und riecht nach Sommer in einem Zitrushain. Genau das Richtige für die Hitze.

An die Farbe der Istrischen Erde erinnert das Rot des "Crveno Pivo". "Für die schöne Farbe wird den vorigen Zutaten Karamellmalz hinzugefügt. Das gibt einen bittersüßen Geschmack", verrät der junge Mann das Geheimnis und empfiehlt, unbedingt das "Biramisu" im Lokal zu kosten. Statt mit Kaffee werden die Biskotten mit dem roten San Servolo getränkt.

Das "Tamno Pivo" riecht und schmeckt herrlich schokoladig. "Für das dunkle Bier wird gerösteter Malz dazugegeben",erklärt Batoš und entschuldigt sich für sein Englisch. "Ivan, der hier das Sagen hat, könnte es viel besser erklären. Aber er hat heute wichtigeres zu tun, seine Frau bekommt gerade das erste Kind". Ivan Vidmar hat das Bierbrauen in Karlovac gelernt.

Die Zutaten stammen aus Deutschland, das Wasser aus der Quelle Sveti Ivan aus dem nahegelegenen Mirnatal. Die unfiltrierten, nicht pasteurisierten Biere werden nach dem bayerischen Reinheitsgebot von 1516 gebraut.

Das Bier in der Suppe

Aus München kommt auch das Dirndl der Kellnerin Nika, die im Lokal über der Brauerei bedient und ob ihres freundlichen Wesens von den jungen Männern der Brauerei scherzhaft "Helga" genannt wird. Die Gerichte passen gut zu den Bieren, sind typisch für die Gegend und genauso schlicht wie schmackhaft. Die Karte bietet auch einige gelungene Experimente mit dem hier gebrauten Bier, wie die Biersuppe oder das schon erwähnte Biramisu. "Am Wochenende ist das Lokal voll. Jetzt unter der Woche sind die meisten lieber am Strand", verrät die junge Frau.

Nebenan gibt es einen kleinen Spezialitätenladen, wo außer den eigenen Bieren auch Olivenöl, Weine, Würste, Honig und Trüffelerzeugnisse aus der Umgebung feilgeboten werden. Nur die Regale mit dem eigenen Bier sind am Ende des Sommers leer. "Die Nachfrage ist einfach zu groß", sagt Batoš lachend, "alle reden über uns, aber nirgendwo bekommt man das Bier", scherzt er, "wir sind eben überall und nirgends!" Zum Verkosten aber muss man vorerst noch in den Süden, nach Kroatien, Slowenien oder Triest fahren.

Erschienen im Wiener Journal am 26. 9. 2014.