Ein Bier sollte man nicht wegen seines Namens trinken, sondern weil es schmeckt", sagt Olasz. Aber weil Geschmäcker bekanntlich verschieden sind, werden in der Budapester Brauerei "Legenda" gleich 38 verschiedene Biere unterschiedlichster Sorten und Stile gebraut. Mit Leidenschaft, Fingerspitzengefühl und Herz wird hier experimentiert, bis das Geschmackserlebnis stimmt.

Olasz, was zu Deutsch soviel wie ‘der Italiener’ bedeutet, heißt eigentlich József Kovács. Aber so nennt ihn seit seiner Jugend niemand. Nicht einmal seine Frau, die Mutter seiner sechs Kinder. Sein erstes Bier hat auch er, wie viele in der Szene, zu Hause gebraut. Als es Freunden schmeckte, hat er sie zu einem Festival mitgenommen. Der Erfolg blieb nicht aus. Und weil er als Spediteur so ziemlich alle Zutaten besorgen konnte, nach denen ausgefallene Brau-Rezepturen verlangen, lag die Fortsetzung der Geschichte auf der Hand.

Ebenfalls einem Bierfest verdankt er, dass er vor etwa zweieinhalb Jahren Roland Utassy und Ákos Tibold von der "Sörmanufaktúra" (Biermanufaktur) kennenlernte. Die beiden importieren Biere ausländischer Mikrobrauereien nach Ungarn, um dem Publikum die Vielfalt der Bierwelt zu offenbaren. Damit waren die richtigen Partner gefunden, um eine Brauerei zu eröffnen, denn Roland Utassy lernte an der Universität, wie man Bier braut, beschäftigte sich mit Hefeerzeugung und arbeitete lange als Konsumentenschützer.

Kein Sautrank

Dass die drei am 1. April 2013 ihre eigene Brauerei an der Ecke der Szlovák út und Legenda utca eröffneten, war kein Aprilscherz, auch wenn sie nicht einmal eine Kalkulation besaßen. Sie wollten nur eines: sehr gutes Bier brauen. Eines, das es in Ungarn noch nicht gab.

Noch in den 1990er-Jahren gab es in Ungarn an die fünfhundert Brauereien, die zumeist billiges Gesöff herstellten. Heute sind davon nur noch an die dreißig erhalten, die dafür auf beste Zutaten Wert legen, denn "aus minderwertigem Ausgangsmaterial wird nur ein Sautrank", meint Olasz.

Sein Lieblingsbier, das "Dead Pony Club", ein Californian Pale Ale der Schottischen Brauerei BrewDogs, inspirierte ihn zu seinem "Legenda Pony". Damit ist ihm ein sehr feines Pony gelungen. Ansonsten sollte man einem Braumeister die Frage nach dem Lieblingsbier nicht unbedingt stellen. Vor allem, wenn er so viele verschiedene Biere braut, denn mit den eigenen Kindern ist man bekanntlich am strengsten.

Das "Brutal bitter" war Olasz' erstes Bier, ein markant bitteres India Pale Ale. Ebenfalls ein Pale Ale ist das "Pokerface" von Utassy in sattem Orange und dem Duft von Hanf. Den Namen sollte man beherzigen, damit einem die anderen nicht alles wegtrinken. Auch Fruchtiges mit Himbeere, Kiwi oder Quitte wird gebraut, so auch ein Kriek, ein belgisches Sauerkirschbier. Die Nachfrage ist groß. Eine geschmackvolle Einstiegsdroge für Nicht-Biertrinker.

Gib mir Tiernamen

Zu manchem Namen, wie "Diesel", ein Pale Ale, oder "Bitumen", ein Imperial Stout, hat sich Olasz "von der Straße" inspirieren lassen. Utassys Biere sind tierisch gut und tragen Namen, wie "Horse Juice", ein Barley Wine, das bis zu neun Monate zur Reifung braucht, "Snakebite" oder "Jade Skorpion". Andere haben außergewöhnliche Zutaten wie das "Bazooka", das mit buntem Pfeffer feuert und beim ersten Versuch die Brauanlage verstopfte. Zu Ehren des Fußballweltmeisters Deutschland braute Fußballfan Utassy das "4 Sterne Imperial Kellerbier". Gerne wird mit Gästen gebraut: unlängst ein Espresso Ale mit dem Österreichischen Bierzauberer Günther Thömmes.

Bei "Legenda" macht jeder sein eigenes Bier. Nicht aber sich gegenseitig Konkurrenz. Selbst wenn man bereits am Etikett erkennt, wer für welchen Flascheninhalt verantwortlich ist. Auch "innerhalb eines Stils hat doch jedes Bier seinen eigenen Charakter", erklären die Braumeister. So, wie sie selbst, die sich gegenseitig inspirieren. Utassy, der die Zutaten für seine Rezepte auf Gramm genau abwiegt, und Olasz, der mehr aus dem Handgelenk braut. Die Biere werden nie ganz gleich, "außer, wenn Roli sie macht", scherzt Olasz. "Ich kann sie zwar reproduzieren, aber ich kann es auch wieder nicht", entgegnet Utassy. "Beim Bierbrauen gibt es einfach so viele lebendige Faktoren. Hefe ist ein lebender Organismus. Es ist, wie unterschiedliche Jahrgänge beim Wein", fügt er hinzu und sein Partner ergänzt: "Wir machen kein Bier für die Massen, das immer gleich schmecken muss, bei uns darf das Leben ein Wörtchen mitreden.

Erschienen im Wiener Journal am 21.11.2014