"Quien da mas?", was will man mehr, lächelt die Fremdenführerin Maria Angustias, als wir durch das alte Stadttor Puerta de las Granadas von der Alhambra kommend die Altstadt von Granada betreten. Wir schlendern die Cuesta de Gomerez Richtung Plaza Nueva entlang, in sämtlichen Ockertönen getünchte Häuser mit kleinen Läden, Tapasbars und Souvenirstandeln säumen die Straße in der Fußgängerzone.
Die Stimmung an diesem Vormittag im Sommer ist heiter. Granada hat eine hohe Lebensqualität, erzählt Maria, weil es trotz der vielen Sehenswürdigkeiten, allen voran die Alhambra, die jährlich fast drei Millionen Besucher anlockt, eine lebendige Stadt geblieben ist. Dafür sind nicht zuletzt die rund 50.000 Studenten verantwortlich, die in Spaniens drittgrößter Universität, gegründet 1531, ihre Zukunft schmieden. Eine ungewisse Zukunft, wie Maria traurig anmerkt, die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Spanien bereitet nicht nur ihr Kopfzerbrechen.

Für Maria ist vor allem das breitgefächerte Kulturangebot der andalusischen Metropole ausschlaggebend. Ende Juni, Anfang Juli steht Granada seit nunmehr 64 Jahren ganz im Zeichen des Internationalen Festivals für Musik und Tanz, das die ganze Stadt zur Bühne macht. Die kulturbegeisterten Granadinos warten sehnsüchtig auf jenen Tag im Frühjahr, wenn der Kartenverkauf für das hochkarätig besetzte Festival beginnt. Die Karten für das Konzert des spanischen Tenors Jose Manuel Zapata, der am Abend zuvor im Patio de los Arrayanes in der Alhambra mit einem stimmungsvollen Liederabend begeisterte, hat Maria schon im April gekauft. "Die Konzerte, die in der Alhambra stattfinden, sind als Erste ausverkauft, weil die Atmosphäre der verschiedenen Freiluftbühnen so besonders schön ist", schwärmt sie. Die Veranstaltungen bieten außerdem die Gelegenheit, das Gelände der Alhambra bei Nacht zu betreten, ganz ohne die Touristenströme des Tages. Man muss schon sehr abgebrüht sein, um nicht verzaubert zu sein von den im Schein der Fackeln geheimnisvoll schimmernden, duftenden Pflanzen in den Gärten und den mittelalterlichen Gemäuern.

Authentischer Flamenco ist ein komplexes Zusammenspiel aus Gesang, Tanz und Gitarrenspiel. - © Atlantide Phototravel/Corbis
Authentischer Flamenco ist ein komplexes Zusammenspiel aus Gesang, Tanz und Gitarrenspiel. - © Atlantide Phototravel/Corbis


Gitarren aus Granada

Die Cuesta de Gomerez ist keine lange Straße und doch findet sich in ihr beinahe alles, was Granada ausmacht – vom heiteren Lebensgefühl abgesehen. In den Auslagen eines kleinen, unscheinbaren Geschäftes hängen Saiteninstrumente aller Art. Neben Madrid gilt Granada seit Jahrhunderten als die Metropole der Gitarrenproduktion, auch wenn diese Industrie heutzutage nur mehr ein Schattendasein führt. In einer klassischen Gitarre stecken rund 25 Tage Handarbeit, eine Reihe wertvoller Hölzer und es braucht das richtige Klima. Nur am Rande großer Gebirge, nicht aber am Meer, so sind erfahrene Gitarrenbauer überzeugt, herrsche das trockene, kühle Klima, das man für den Bau der empfindlichen Holzinstrumente braucht. Inzwischen schert sich der asiatische Markt wenig um das richtige Klima und stellt kommerziell erfolgreiche Massenware her. Schräg gegenüber lockt die Casa del Arte Flamenco mit auffälligen Bannern Besucher ins Innere, um die Geschichte des Flamenco zu erzählen. Vieles davon liegt weitgehend im Dunkeln. Nur so viel ist gewiss: Der Flamenco hat seine Heimat in Andalusien, im Dreieck zwischen Sevilla, Cadiz und Ronda. Historiker gehen davon aus, dass er hervorgegangen ist aus der Musik der granadinischen Mauren, der Gitanos und Juden.