Als im Jahr 2006 eine kleine Gruppe von Top-Winzern (insgesamt 15 an der Zahl) wie Prieler (Schützen am Gebirge), Braunstein (Purbach), Sommer und Liegenfeld (Donnerskirchen) oder Nehrer (Eisenstadt) den Verein Leithaberg aus der Taufe hob, war der Grundstein für eine burgenländische Erfolgsgeschichte gelegt. Schon damals waren mit Hans "John" Nittnaus (Gols) und Toni Hartl (Reisenberg) Akteure mit von der Partie, die ihren Firmensitz außerhalb des Gebiets haben, jedoch Weingärten am Leithaberg bewirtschaften. John Nittnaus zählte sogar zu den herausragenden Vordenkern des Leithaberg-Konzepts, das sich von Beginn an in hohem Maße dem Terroirgedanken verschrieben hatte. Während man überall sonst im Burgenland bei der Definition der Gebietstypizität zugunsten der Vermarktung Abstriche gemacht hatte, waren die Leithaberg-Winzer darum bemüht, im Falle der definierten Typizitäts-Kriterien für ihre Leithaberg-Weine gustatorischen Moden und Marketingverlockungen weitestgehend zu entsagen: Technisches Traktieren und Aromatisierung waren im Falle der Leithaberg-Weine von Beginn an verpönt.

Nach etlichen Jahren der Aufbauarbeit öffnete sich die Gruppe auch für andere Weinbaubetriebe der Region. Mit Verordnung des Landwirtschafts- und Umweltministeriums vom 30. Juli 2009 durften ab dem 1. September 2010 regionaltypische Qualitätsweine aus dem politischen Bezirk Eisenstadt Umgebung, der Freistadt Eisenstadt und den politischen Gemeinden Jois und Winden unter der Bezeichnung "Leithaberg DAC" vermarktet werden. Mittlerweile ist der Verein Leithaberg auf 72 Mitglieder angewachsen. Manch ein ehemals wenig bekannter Betrieb konnte sich in den vergangenen Jahren im Zuge der Übernahme der strengen DAC-Kriterien und des fachlichen Austauschs im Verein erheblich profilieren und Fachleute aus der Medienbranche mit guten Qualitäten in Erstaunen versetzen. Neben den schon erwähnten Auswärtigen haben sich mittlerweile weitere arrivierte Winzer aus anderen Weinbaugebieten mit Weinbau am Leithaberg hinzugesellt. Dass es Winzer wie Gernot und Heike Heinrich (Gols) oder Uwe Schiefer und Stephan Oberpfalzer (beide aus dem Südburgenland) auf sich nehmen von weither anzureisen, verdeutlicht das hohe Potenzial, das dem Leithaberg zugemessen wird.

Die für die Region typischen Gesteinsarten sind der Glimmerschiefer und der Leithakalk, die sowohl die roten als auch weißen Gewächse in recht markanter Weise mit ihren mineralischen Noten zu prägen vermögen. Der nahe Neusiedler See als Wärmespeicher versorgt die Weinberge am Abhang des Leithabergs mit wärmender Energie, wogegen die bewaldeten Bergkuppen für nächtliche Abkühlung sorgen, wodurch insgesamt ein vorteilhaftes Kleinklima gegeben ist.

Der "Leithaberg DAC Blaufränkisch" ist im Idealfall feingliedrig, spannungsgeladen und mineralisch geprägt. Mit dem "Leithaberg DAC Weiß" haben die Leithabergwinzer zuletzt wiederholt Stärke gezeigt und das verbreitete Klischee, wonach das Burgenland bloß ein Rotweinland sei, aufgebrochen. "Leithaberg DAC Weiß" darf aus Grüner Veltliner, Pinot Blanc, Chardonnay und Neuburger bestehen, wobei die Weine sowohl als Cuvée vermählt als auch sortenrein ausgebaut werden dürfen. Die burgundischen Weißweinsorten haben in ihrer fragilen und zugleich gebündelten Leithaberg-DAC-Spielart ein typisches Gepräge. Dass auch der Grüne Veltliner am Leithaberg von alters her seinen Stellenwert hat, ist nicht nur mit der Auffindung dessen Vaterrebe im Jahr 2000 in St. Georgen erwiesen. Vor allem in Donnerskirchen hat man seit vielen Jahren mit hohen Qualitäten unter Beweis gestellt, dass diese Sorte dort einen guten Standort hat. Aber auch in anderen Orten entlang des Leithabergs hat der Grüne Veltliner seine Daseinsberechtigung. Und der gezielte Anbau auf kalkbetonten Lagen hat gezeigt, dass diese Sorte auch abseits der pfeffrigen Varietäten, wie man sie bevorzugt in Wien und Niederösterreich kennt, recht interessante Spielarten aufzuweisen vermag.

Alles in allem zielt die Linie der Leithaberg-DAC-Weine sowohl im Rot- als auch im Weißweinbereich auf Feingliedrigkeit, Mineralität und Finesse ab. Viele der bisher produzierten Gewächse konnten sich bei Prämierungen mit guten und sehr guten Punktebewertungen behaupten.

Print-Artikel erschienen am 21. August 2015
In: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 22–23