Ein zweites Merkmal des Erfolgs ist die Nachahmung – die Kopie. Auf unsere Thematik bezogen heißt das, dass der Grüne Veltliner seit kurzem auch in den USA, in Australien, in Neuseeland und sogar in Indien ausgepflanzt wird. Am Forschesten wird der Anbau in Neuseeland betrieben; dort ist man nach dem Welterfolg mit dem Sauvignon Blanc auf der Suche nach der nächsten großen Rebsorte. Etwa 20 bis 25 Hektar Grüner Veltliner sind derzeit in Neuseeland ausgepflanzt – kürzlich wurden auch schon erste Ernten eingefahren.

In Australien sind momentan rund 6 bis 8 Hektar Grüner Veltliner in Ertrag. Mir lag für diesen Artikel der erste in Flaschen gefüllte Grüne Veltliner der Neuen Welt (aus Australien) vor. In Kennerkreisen eilt dem "Grünen Veltliner Lark Hill" der australischen Lark Hill Winery jetzt schon ein hervorragender Ruf voraus. Er stammt ursprünglich aus Tasmanien, wird nach biodynamischen Prinzipien bewirtschaftet, die Vergärung erfolgte spontan mit Naturhefen und der Ausbau wurde in gebrauchten 220-Liter-Barriquefässern vorgenommen. Der 2009er Lark Hill präsentiert sich mit wunderschöner Nase, die an Steinobst, Melone und Rieslingfrucht erinnert, am Gaumen ist er mineralisch, extraktreich, elegant und eine Spur zurückhaltender als im Bukett. Alles in allem eine beachtliche Jungfernlese!

Auch in Deutschland beginnen die Winzer den "Brünnerstraßler" zu entdecken. Als würziges und säureärmeres Pendant zum wohlbekannten und geschätzten deutschen Riesling wird nun zunehmend im Rheingau Grüner Veltliner angebaut. Vom Weingut Kögler aus Eltville lag mir der im Barrique ausgebaute Grüne Veltliner Eltviller Sonnenberg 2007 vor. Er konnte durch feine Säure und klassische Grapefruit-Aromen, die sich auf elegante Weise mit der Holzaromatik und den 14 Volumsprozenten Alkohol verbinden, beeindrucken. Dieser Wein bringt das Potenzial des Grünen Veltliners sehr schön in eigenständiger Weise auf den Punkt. Er ist nicht pfeffrig und resch, sondern ein Vertreter der burgundischen Richtung, wie sie neuerdings auch in Österreich zum Ausdruck kommt oder zumindest anklingt, etwa bei manchen Weinen der jüngst geschaffenen Ausbaustufe "Weinviertel DAC Reserve" oder bei den Grünen Veltlinern des begabten und innovativen südburgenländischen Winzers Uwe Schiefer.

Alles in allem lässt sich festhalten, dass mit dem Grünen Veltliner aus Österreich eine international erfolgreiche Rebsorte entstanden ist, deren Vielseitigkeit besonders in der Gastronomie gern gesehen ist. Der breite Geschmackshorizont mit fruchtigen, würzigen, bis hin zu cremigen und schmelzigen Komponenten macht ihn als Speisenbegleiter in hervorragender Weise einsetzbar. Der internationale Erfolg, der sich auch in Auspflanzungen rund um den Erdball zu erkennen gibt, erfordert von Seiten Österreichs eine Stärkung des Herkunftsgedankens. Denn das Weinviertel, die Wachau oder das Kremstal sind gesetzlich als Markenbezeichnungen schützbar, die Rebsorte aber nicht. Mit dem Vermarktungsinstrument der geschützten Herkunftsbezeichnung (DAC) und den hervorragenden Qualitäten heimischer Weinbaubetriebe wird Österreich auch in Zukunft in vorderster Position sein, wenn es um die internationale Vermarktung des Grünen Veltliners als edlen Weißwein geht.

Thomas N. Burg ist Inhaber der Online-Weinhandlung "burgWeine | Faktorei für Grünen Veltliner" (http://burg.cx). Das Unternehmen versteht sich auch als Kompetenzzentrum für Grüner Veltliner.

Erschienen am 30. Oktober 2010
In: Weinherbst 2010. Verlagsbeilage der "Wiener Zeitung", S. 34–39.