- © Weingut Erich und Walter Polz
© Weingut Erich und Walter Polz

Jüngst ergab es sich wieder einmal, dass sich eine weinkundige Runde bei mir einfand. Wie es sich bei solchen Gelegenheiten gehört, wurden auch einige Überraschungen "gedeckt" (also mit abgedecktem Etikett) präsentiert. Allseitiges Entzücken löste ein von einem Freund mitgebrachtes Gewächs aus, dem ich das rare Prädikat "Kreszenz" und das (noch rarere) charakterisierende Beiwort "feierlich" zusprechen möchte. Nach dem "Aufdecken" erfuhren wir, dass es sich um eine Rarität aus dem Weingut Erich und Walter Polz handelt.

Seit 2011 stellt in dem südsteirischen Weingut der junge Kellermeister Christoph Polz sein Talent unter Beweis. Dessen Vater, Erich Polz, und sein Onkel, Walter Polz, gelten als Pioniere der jüngeren Weinbaugeschichte der Steiermark. Das Traubenmaterial von gleich 70 Hektar Weingartenfläche gilt es für Christoph im Keller zu bewältigen – und wie sich mittlerweile gezeigt hat, tut er das mit Bravour.

Sämtliche Premiumweine werden spontan (ohne Hinzufügung von Reinzuchthefen) vergoren. Christoph Polz hat ein feines Gespür dafür, wie die Weine mit Naturhefen zu erziehen sind. Ebenso hat er bei der Vinifizierung ein Händchen für den Umgang mit Gebinden aus Holz. Wenn man in dieser Hinsicht alles richtig anstellt (wofür es einer hohen Könnerschaft bedarf), dann macht sich das in feinen, mitunter geradezu noblen Nuancen im Wein bemerkbar.

Der Hochgrassnitzberg zählt zu den Top-Lagen der Steiermark. - © Weingut Erich und Walter Polz
Der Hochgrassnitzberg zählt zu den Top-Lagen der Steiermark. - © Weingut Erich und Walter Polz

Der Hochgrassnitzberg, von dem der hier so euphorisch gelobte Wein stammt, zählt zu den Top-Lagen der Südsteiermark. Der in der Riede enthaltene Muschelkalk bietet für burgundische Weine geradezu ideale Bedingungen. Im Jahr 2015 hat Christoph Polz erstmalig den Weißburgunder aus dieser wunderbaren Lage separat ausgebaut. Zuvor waren die Erträge noch in – einfacheren – Klassikweinen zu finden gewesen.

Weil es 2015 "eine ruhige Ernte" gab, wie Christoph Polz sagt (mithin gab es keinen Krankheitsdruck oder sonstiges Ungemach), hatte er Zeit nachzudenken, was punkto Qualität noch möglich ist. Originalton: "Ich hab geschaut, was noch alles geht." So kam er auf die Idee, den Weißburgunder von den circa 30 Jahre alten Rebstöcken aufzuwerten. Die Schulung des Weins erfolgte dementsprechend schonend und dauerte lange. Zum Einsatz kamen zwei 500-Liter-Fässer und ein gebrauchtes Barrique (Fassungsvermögen 225 Liter), Schwefeleinsatz gab es nur minimal. Insgesamt wurden vom 2015er Weißburgunder Hochgrassnitzberg bloß 1400 Flaschen abgefüllt. Verkauft wird er ausschließlich ab Hof sowie über den Online-Shop des Weinguts.

Der Wein ist nuancenreich und weist keinerlei störenden Komponenten auf. Man darf dem Kellermeister gratulieren! Der Preis von 45,70 Euro ist nicht gering, aber vollauf gerechtfertigt. Im internationalen Vergleich darf er sogar als absolut günstig bezeichnet werden. Alles in allem handelt es sich um einen Wein, für den es keine traditionell feierlichen Anlässe braucht. Er wird per se für feierliche Momente sorgen.

Print-Artikel erschienen am 11. August 2017
In: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 22–23