Es reichte immerhin dafür, dass Roz, wie sie sagt, "phobisch und einsam" aufwuchs. Einer ihrer Träume war, auszubrechen und mehr von Manhattan zu sehen als auf den seltenen Ausflügen etwa zu einem Musical. Mit 14 schaffte sie es immerhin als Pendlerin auf die dortige Arts Students’ League und lernte Zeichnen und Malen - ihr anderer großer Traum. Mit 23 hatte sie die Rhode Island School of Design absolviert und übersiedelte nach Manhattan. "Hier hatte ich zum ersten Mal das Gefühl", sagt sie, "kein Außenseiter zu sein, sondern Teil von etwas, wo jeder dazu gehören kann - eine kleine Chance, nicht zu einem elenden Leben verdammt zu sein." Sie hatte nun auch erste Erfolge im Olymp für Cartoonisten, im Magazin "The New Yorker".

"Basis Guide"

Zwar wohnte sie als jungverheiratete Frau zunächst wieder in Brooklyn, und mit zwei Kindern zog die Familie nach Connecticut. Doch die Sehnsucht blieb, und als Tochter Nina vor ein paar Jahren ein Studium in Manhattan begann, beschloss Roz Chast, ihr ein kleines Heft zu basteln, einen "Basis Guide" mit nützlichen Informationen. Denn, wie sie im vorliegenden Buch und auch gerne persönlich schildert, Nina war ja in einem idyllischen Ort voller weißer Holzhäuser, Gärten und gewundener Pfade aufgewachsen und hatte keine Ahnung, was Häuserblocks oder ein Straßennetz sind - und wie man die U-Bahn benützt.

So begann’s. Und es wuchs. Roz schüttete ihr Herz aus und wollte nicht nur ihrer Tochter, "sondern allen davon erzählen, damit sie (Manhattan) auch lieben". Sie habe keine Angst, schreibt sie, "dass es irgendwann am Arsch ist, wenn zu viele Leute es ,entdecken‘. Manhattan ist seit 1626, als Peter Minuit es den Indianern für 24 Dollar abkaufte, am Arsch." Also geht es ihr nicht darum, was früher alles besser und billiger war, vielmehr beobachtet und sammelt sie, was sie heute kurios findet und mag.

Den Informationsüberfluss an allen Ecken und Enden zum Beispiel, die schiere Menge an Mitteilungen, Reklamen, Schildern und Bildern - tatsächlich immer noch ein Faszinosum, wenn man aus anderen westlichen Großstädten kommt. Roz Chast karikiert, was an einem einzigen schmalen Haus annonciert sein könnte: Tierpsychologe, Hutklinik, Detektei, Hellseher, Kautionen und einiges mehr. Oder was es für Lokale auf engem Raum nebeneinander gibt: Vietnam glutenfrei, Koscher Fondue, Casa Bulgaria, Monstersteaks, Essen wie in der Steinzeit, Sushi Tacos, No Carb, Nur Carb . . .

Es gibt durchaus auch Kapitel, die nur sachlich informieren, brauchbar für ihre Tochter wie für Touristen: Wie man zum Beispiel ein Taxi ruft, dass man Busse nur nehmen soll, wenn man sehr viel Zeit hat, oder welche Museen wichtig sind, allen voran das Metropolitan (das leider seit Kurzem nicht mehr "nur um eine Spende bittet", sondern 25 Dollar kostet).

Aber, apropos, das Met ist auch einer der Anstöße für sie, etwas weiterzuspinnen. Aus dort ausgestellten Renaissancebildern macht sie kleine Comics, so wie sie einige der unzähligen, meist roten Standrohre, die überall in der Stadt aus Wänden und Gehsteigen wachsen, fotografiert hat und sich zu ihnen eine ganze Mythologie ausdenkt: "Und das hier ist ganz klar der Gott der Standrohre. Kommen Sie ihm ja nicht zu nahe und verärgern Sie ihn nicht."