Bei Maison Fabre in Millau in Südfrankreich. - © Maison Fabre
Bei Maison Fabre in Millau in Südfrankreich. - © Maison Fabre

Insgesamt fertigt das Unternehmen rund 11.000 Paar Handschuhe pro Jahr. 95 Prozent davon aus Lammleder, der kleine Rest aus Ziegen- und Rindsleder. Ein Teil wird in Heimarbeit produziert, der andere in den Ateliers von Fabre. Letztere sind das Reich von Stephanée Cazares, die den Titel "Chef d’Atelier" trägt.

"Zuerst muss man das Leder auswringen", erklärt sie und demonstriert diesen Schritt. Dies dient dazu, die Fasern im Leder zu zerreißen, um es elastisch zu machen. Dann zieht die Fachfrau das Lederstück über der Kante des Arbeitstisches hinauf und hinunter, dehnt es dadurch und legt es sodann auf den Tisch. Jetzt kann man kleine Fehler in der Struktur erkennen, die Cazares mit dem Fingernagel markiert.

Fingerspitzengefühl

"Jede Haut ist wie ein Buch, man kann darin lesen", sagt sie. Nun muss geprüft werden, an welcher Stelle des Lederstücks die Fingerspitzen der Handschuhe, an welcher Stelle die Manschetten ihren Platz haben werden. Sie dreht das Werkstück um 90 Grad, jetzt liegt es richtig für den Schnitt: "Jedes Leder hat seine eigene Richtung", erklärt sie. So wie Holz, das auch nur in einer bestimmten Richtung geschnitten werden sollte. Hier geht es darum, die gegerbte Haut so zuzuschneiden, dass sie sich später bestmöglich über der Hand dehnt.

Erst danach wird die Schablone angelegt, um die herum ein Viereck ausgeschnitten wird, das etwa der Größe des Handschuhpaares entspricht. Dieses wird im nächsten Raum über eine Metallform gelegt, mit einer Metallplatte fixiert, worauf eine Maschine das Handschuhpaar nach gewünschter Größe ausschneidet.

Anschließend folgt die Arbeit an der Nähmaschine. "Genäht wird immer von außen, damit der Handschuh angenehm zu tragen ist", sagt Cazares. Um zu kontrollieren, ob dieser auch nicht das kleinste Loch aufweist, fährt sie mit einem gabelartigen hölzernen Apparat, dem "Fuseau", hinein. Erhält der Handschuh ein Seidenfutter, so wird er zusätzlich mit einer hölzernen Hand aufgedehnt. Darauf folgt die Finissage des Randes.

Am Schluss wird der Handschuh über die "Main chaude" gezogen: eine steil in die Höhe ragende flache Hand samt Unterarm aus Metall, die heißer als ein Bügeleisen aufgeheizt wird und den Handschuh einerseits auf die gewünschte Größe bringt, ihn andererseits glatter macht. "Man sollte die Main Chaude nicht berühren", warnt die Atelier-Chefin. Was nicht immer gelingt: "Ich habe auch ein paar Narben davon", gesteht sie.

Erwartet wird, dass eine Mitarbeiterin - es sind fast durchwegs Damen - pro Tag acht bis zehn Paar Handschuhe fertigt. "Bis jemand dieses Tempo erreicht, braucht es zwei Jahre", weiß Cazares. Hier geht es, wie der Geschäftsmann sagen würde, um Produktivität. Vor einiger Zeit jedoch wurde klar, dass etwas Grundsätzliches auf dem Spiel stand: Das Fachwissen, um künftig überhaupt qualitativ hochwertige Ware produzieren zu können.