Um dieses "Savoir faire" umfassend zu bewahren und laufend zu erweitern, startete das Unternehmen eine Ausbildungsoffensive: Das Haus Fabre installierte ein eigenes Programm für Wissensmanagement, das im Vorjahr zu einer Zusammenarbeit mit einem Technikgymnasium in der Nähe von Grenoble führte. Seit Kurzem kommt ein Professor dieser Schule zu Fabre, um hier sein Wissen weiterzugeben.

Das Geschäft selbst hat sich gewandelt. Wenn Jean-Marc Fabre im Jänner in den Pariser Salons die Modelle für den heimischen Markt und im März für das Ausland vorstellt, muss er von Mal zu Mal feststellen: "Die Kunden wünschen sich immer kompliziertere Anfertigungen." Verzierungen mit Schnallen, mit Pompons oder mit Stickereien etwa.

Modelle mit Geschichte

Und natürlich muss ein Unternehmen, will es auf dem Markt bestehen, in manch anderer Hinsicht mit der Zeit gehen. So stellt Fabre seit einiger Zeit Handschuhe her, deren Fingerspitzen aus einem speziell gegerbten Leder bestehen, mit dem man ein Smartphone bedienen kann.

Die Hälfte der Jahresproduktion wird in Frankreich abgesetzt, vor allem in den Pariser Großkaufhäusern wie Galeries Lafayette. Die andere Hälfte geht in den Export. "Wir beliefern Italien, Deutschland und die Schweiz, aber auch die USA, Kanada sowie China, Japan und Südkorea", zählt der Chef auf.

Das Stammhaus in Millau verfügt selbstverständlich auch über eine Boutique. Wer nicht eines der hier ausliegenden Modelle kaufen will, sondern eine Maßanfertigung wünscht, muss mit etwa 15 Tagen Wartezeit rechnen.

Tour-de-France-Häkelarbeit von Fabres Großmutter. - © Nosko
Tour-de-France-Häkelarbeit von Fabres Großmutter. - © Nosko

Anlässlich der Tour de France, die in diesem Sommer erstmals seit mehr als zwanzig Jahren wieder in Millau Station machte, hatte Fabre ein ganz besonderes Modell im Schaufenster liegen: Halb Leder, halb Stickerei, in den Nationalfarben Blau, Weiß, Rot, das Ganze ohne Finger, wie Radrennfahrer dies tragen. Die Geschichte dahinter ist fast filmreif. "Ich habe kürzlich in unserem Haus ein paar alte Schachteln gefunden, in denen die gehäkelten Teile dieser Handschuhe lagen", erzählt Fabre. "Sie stammen aus Beständen meiner Großmutter aus den Sechziger Jahren." Der Hausherr entschied sich, die dazu passenden Lederhälften herzustellen und bot eine limitierte Auflage von 27 Paar an - 28 Originalhäkelarbeiten hatte er gefunden, ein Paar behielt er sich als Souvenir.

Zum Thema "Fußballweltmeisterschaft" kreierte Fabre nichts Spezielles: "Wir erzeugen keine Tormannhandschuhe." Was das Haus hingegen führt, sind Modelle für Reiter, Golfer und Polospieler. Auch eine Linie für Automobil-Clubs existiert. Bis in die neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts wurden noch Handschuhe für die Feuerwehr, die Polizei und das Militär produziert.

Stadt der Lederzünfte

In der Boutique hängen neben den Handschuh-Vitrinen Jacken und Gürtel. Diese stammen von anderen Firmen und werden am Ende von hausinternen Führungen zum Kauf angeboten. "Touristen kaufen nicht so oft Handschuhe", weiß Fabre. Ein kleiner Zusatzverdienst: In einem hart umkämpften Markt zählt jede Nische. Zwei Söhne hat Jean-Marc Fabre. Die fünfte Generation, die einmal den Betrieb führen wird? "Wer weiß", antwortet der Chef lächelnd.

Geht man durch die Straßen von Millau, kann man sich schwerlich vorstellen, dass die Lederverarbeitung und mit ihr die Handschuherzeugung irgendwann aus dem Stadtbild verschwinden sollte. Allenthalben trifft man auf ein "Magasin de Gants", auf einen "Fabricant de ceintures", der Gürtel herstellt, oder auf eine "Vente de peauxen détail", wo man Lederhäute erstehen kann. Und im Herzen der Stadt, auf der von Platanen bestandenen Place Foch, befindet sich das Musée de Millau, in dem Christine Vanicate arbeitet. Hier kann man den Ausschnitt aus "La Belle et la Bête" sehen, wo Jean Marais die berühmten Fabre-Handschuhe trägt. Auch Rita Hayworth oder Isabelle Huppert sind filmisch in "Handschuhszenen" vertreten.

Für Christine, die über sämtliche Details der wirtschaftlichen und modischen Entwicklung der Branche Bescheid weiß, wird der Handschuh auch immer mit einer sehr persönlichen Erinnerung verbunden sein. Sie musste jeden Sonntag zur Messe Handschuhe tragen: halb Leder, halb Stickerei - freilich in weit dezenterer Ausführung als das Tour-de-France-Modell von Fabre.