Der Erste Advent birgt eine kleine Premiere in der katholischen Kirche: Mit Beginn des neuen Kirchenjahres kommt erstmals die neue, revidierte Einheitsübersetzung der Bibel im Gottesdienst zum Einsatz. Die neuen Texte, die seit Dezember 2016 als Buch erhältlich sind, finden sich jetzt auch im neuen Lektionar wieder, das die Schriftlesungen für die Sonn- und Feiertage enthält.

Der für die Liturgie zuständige Weihbischof Anton Leichtfried betonte bei der Vorstellung, dass die neuen Übersetzungen nicht nur "auf neustem Stand der Bibelwissenschaft, sachlich richtiger, konsequenter und achtsamer gegenüber dem Judentum" sind, sondern darüber hinaus auch eine "gut gelungene Aktualisierung" des biblischen Textes in die Gegenwart hinein. Er sprach auch von einer "wohltuenden Irritation" gerade auch für geübte Leser: Man könne und solle über die neu und anders übersetzten Passagen stolpern und sich so erneut und intensiver damit befassen.

Vielfältig statt geglättet

"In fast jedem Text wurde etwas verändert", sagt die Direktorin des Österreichischen Katholischen Bibelwerks, Elisabeth Birnbaum, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Manchmal sind es nur Kleinigkeiten, aber je poetischer ein Text ist, umso mehr wurde verändert. "Gerade bei den Psalmen und Prophetentexten sind jetzt oft ganze Sätze anders", sagt Birnbaum. "Das hängt auch vom jeweiligen Übersetzer ab. Manche haben die von ihnen bearbeiteten Texte stärker umgeschrieben als andere. Das merkt man beim Lesen, aber es hatten ja auch die Ausgangstexte verschiedene Stile." Diese Vielfalt findet sie persönlich besser als die bisherige, von einer Germanistenkommission geglättete Einheitsübersetzung von 1980.

"Das Auffälligste wird wohl sein, dass der Gottesname Jahwe nicht mehr vorkommt", sagt Birnbaum. Statt aus "JHWH" (in der hebräischen Transkription gibt es keine Vokale) wie davor im Wechsel einmal "Jahwe" und dann wieder "Herr" zu machen, steht jetzt konsequent überall "Herr", und zwar auffällig in Kapitälchen. "Das hat zwei Gründe", so die Theologin. "Erstens wird der Gottesname im Judentum aus Ehrfurcht nicht ausgesprochen, und auch unsere alten Übersetzungen wie die lateinischen ‚Vulgata‘ haben ihn mit ‚Herr‘ wiedergegeben. Zweitens kann man heute nicht mit Sicherheit sagen, wie diese vier Konsonanten tatsächlich ausgesprochen wurden. Deshalb hat man ein Ersatzwort gesucht und dieses in Kapitälchen gesetzt, damit man das gleich sieht."