Da die Geschworenen der Ansicht von Hofmann folgten, konnte neben der Einweisung der Schuldspruch erfolgen. Die Geschworenen verurteilten den Burschen nun wegen Mordes zu 13 Jahren Haft. Zudem wurde der Schüler in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen.

Nicht rechtskräftig

Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Verteidigerin Liane Hirschbrich erbat Bedenkzeit, Staatsanwältin Monika Gansterer gab vorerst keine Erklärung ab.

Die Höchststrafe war, da der Angeklagte unter 21 ist, 15 Jahre Haft. Hätten sie den 16-Jährigen nur für unzurechnungsfähig gehalten, hätte er nur eingewiesen werden dürfen.

Die Unterbringung in der Anstalt erfolgt immer auf unbestimmte Zeit, solange die Gefährlichkeit weiter besteht. Darüber entscheidet ein Psychiater. Bei dem jetzt getroffenen Schuldspruch wird der Betroffene nach der Entlassung aus der Anstalt in die Strafhaft überstellt, wenn noch eine Reststrafe offen ist.

Ein Beispiel: Wurde er etwa zu 15 Jahren Haft verurteilt und nach acht Jahren aus der Anstalt entlassen, muss er die restlichen Jahre im Gefängnis verbringen. Hätte es hingegen keinen Schuldspruch gegeben, käme der Betroffene sofort frei.

Zur Begründung der Schuldfähigkeit führte Hofmann übrigens an, dass der Bursche bis zur Tat "sozial unauffällig gelebt" habe, so Hofmann. Die Familie war mit dem Buben, als er drei war, aus Tschetschenien geflohen. Daraus sei aber keine Belastungsstörung erwachsen. Er habe bei ihm zwar narzisstische Züge und einen Kontroll- und Waschzwang festgestellt. Eine Schizophrenie habe sich zum Tatzeitpunkt aber allenfalls im Vorstadium befunden: "Sie war nicht handlungsbestimmend."

"Er weiß, dass es Unrecht war. Sein Denken war nie so durcheinander, dass er das nicht begriffen hätte", meint Hofmann. Das zeige sich darin, dass der Bursche zielgerichtet und logisch vorgegangen sei: "Er wollte die Spuren von der Tat beseitigen." So habe der Angeklagte das Mädchen gezielt in der Dusche umgebracht und den Tatort gereinigt.

"Bei so furchtbaren Straftaten will man automatisch furchtbare Krankheiten dafür verantwortlich machen. Es gibt aber auch böse Taten, ohne dass eine schwere Schizophrenie dafür verantwortlich ist", sagt der Psychiater.

Das Vollbild der Schizophrenie, unter welchem der Angeklagte nun leide, sei bei dem Burschen erst in der Haft durch die entsprechenden Lebensumstände und den Stress ausgebrochen: Aus dem Umfeld der aus Tschetschenien stammenden Familie des Mordopfers wurde vermutlich ein Kopfgeld auf den 16-Jährigen ausgesetzt. Von Stimmen habe er ihm bei den ersten Befragungen nichts erzählt, erst bei weiteren Untersuchungen seien diese erwähnt worden, so Hofmann.

Anderer Meinung war der Psychiater Gerstl. Eine Stimme habe den 16-Jährigen "blitzartig überfallen" und befohlen: "Pack zu!" Da habe der Bursche "in einem übermäßigen Aggressionsstau diesen ganz schlimmen Mord begangen". Gerstl meint, der Angeklagte habe bereits mit acht oder neun Jahren zu halluzinieren begonnen.