Dem Konsumentenschutzgesetz zufolge haftet jedenfalls der Versender so lange, bis das Paket dem Käufer übergeben worden ist, heißt es dazu auf Nachfrage von der D.A.S. Rechtsschutz AG. Nimmt ein Nachbar dieses entgegen, sei das eine reine Gefälligkeit - wobei ihn freilich schon eine gewisse Sorgfaltspflicht träfe. "Stellt er das Paket, nachdem er es entgegengenommen hat, seinerseits einfach nur vor der Haustür des Käufers ab, obwohl er weiß, dass dieser gerade für drei Wochen verreist ist, kann er schadenersatzpflichtig werden", so die D.A.S. Rechtsschutz AG.

Anders sei die Situation, falls der Käufer im Vorfeld eine Abstellgenehmigung mit dem Versender vereinbart hat. Dann geht die Haftung laut Experten zu dem Zeitpunkt, an dem das Paket am vereinbarten Ort abgestellt wurde, auf den Käufer über. Wenn es von dort gestohlen wird, könne sich der Käufer maximal am Dieb regressieren - sofern dieser gefunden wird.

Doch selbst, wenn der Versender haftpflichtig ist, dann nur für jene Summe, wie sie in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) angegeben ist. Alles, was an Wert darüber hinausgeht, werde nicht bezahlt, heißt es. Bei Amazon ist allerdings selbst in den AGB keine Wertangabe zu finden. "Der Kundenservice regelt mit dem Kunden den individuellen Fall", sagt Eichenseher auch dazu.

Handelt es sich um zerbrechliche Ware, eine Vase, Gläser oder eine Flasche, so genügt ein Aufkleber mit dem Wort "zerbrechlich" laut D.A.S. Rechtsschutz AG nicht. Für gewöhnlich müsse der Verkäufer dem Zusteller eine höhere Summe zahlen, damit dieser das Paket gesondert behandelt. "Hier gibt es allerdings einen Graubereich", heißt es: Wenn groß "zerbrechlich" auf dem Paket steht und der Zusteller es trotzdem mit Schwung in den Lieferwagen wirft, könnte sich dieser der groben Fahrlässigkeit zu verantworten haben.

Angenommen, man ist bei der Zustellung des Pakets mit der erwarteten Vase zuhause und das Paket scheppert verdächtig, dann raten die Experten, es noch in Anwesenheit des Boten zu öffnen. Ist die Vase tatsächlich in Scherben angekommen, "soll man die Annahme verweigern und die Übernahme nicht unterschreiben", raten die Experten.

Ein weiterer Graubereich aufgrund zu geringer Erfahrungswerte und Präzedenzfälle sei das Thema Datenschutz. Seit dem Ende der Übergangsfrist und dem endgültigen Inkrafttreten der Datenschutzgrundverordnung der Europäischen Union, mit der der Konsument besser geschützt werden soll, hat dieser zum Beispiel Anspruch auf Schadenersatz, und der Strafrahmen für die Unternehmen wurde erhöht. Adressenangaben seien freilich in Ordnung, sind jedoch die Kundennummer oder sogar das Geburtsdatum für jeden sichtbar zu lesen, könnte das den Experten zufolge problematisch werden.

Dass Amazon für die Pakete haftet, bis sie dem Käufer übergeben worden sind, ist dem US-Konzern freilich bewusst. Aber auch, dass es schwierig ist, zu überprüfen oder zu beweisen, dass ein als verloren gemeldeter Artikel tatsächlich nicht beim Käufer angekommen ist.

Nicht zustellbare Pakete werden mitunter im Lieferwagen gelagert