Wien. Der in Wien geborene Chemiker und Mäzen Alfred Bader ist tot. Wie die Universität Wien auf ihrer Homepage mitteilte, starb er bereits am 23. Dezember 94-jährig in Milwaukee (US-Bundesstaat Wisconsin). Der einer jüdischen Familie entstammende Bader musste 1938 vor den Nationalsozialisten aus seiner Heimat fliehen, kam mit einem Kindertransport nach Großbritannien und machte in den USA Karriere.

Alfred Bader und seiner Frau Isabel ist es zu verdanken, dass die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) ihre älteste Auszeichnung, den Ignaz. L. Lieben-Preis, nach einer fast 70-jährigen Pause wieder reaktivieren konnte. Der Preis wurde 1863 gestiftet, galt als wichtigster Wissenschaftspreis der Donaumonarchie und musste 1937 wegen der Verfolgung der Stifterfamilie eingestellt werden. Dank der finanziellen Unterstützung des Ehepaars verleiht die Akademie seit 2004 diese traditionsreiche Auszeichnung an junge Wissenschafter aus Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn und Österreich für "herausragende Arbeiten auf dem Gebiet der Molekularbiologie, Chemie und Physik". Zudem stiftete Bader ÖAW-Preise für Kunstgeschichte und für die Geschichte der Naturwissenschaften.

Höchst engagierter Mäzen

Diese Auszeichnungen waren nur eines von vielen Projekten, die Bader gemeinsam mit seiner Frau gefördert hat, darunter Lehrstühle, Preise und Stipendien für den wissenschaftlichen Nachwuchs im Bereich Chemie und Kunstgeschichte in Europa und Nordamerika. Besonders seiner Alma mater, der Queen's University in Kingston in der kanadischen Provinz Ontario, wo er Technische Chemie studiert hatte, spendete er große Summen und kaufte für sie als europäischen Sitz Schloss Herstmonceux in Großbritannien. "Wir können nichts mitnehmen, also unterstützen wir die Ärmsten und die Allertüchtigsten", erklärte Bader 2004 bei einer Veranstaltung in Wien.

Alfred Bader wurde am 28. April 1924 in Wien geboren. Sein Vater, der jüdischer Herkunft war, starb früh und Alfred wurde von seiner Tante adoptiert. 1938 musste er mit einem Kindertransport nach Großbritannien flüchten. Noch während des Krieges gelangte Bader nach Kanada, wo er 1941 an der Queen's University Technische Chemie und Geschichte studierte. Mithilfe eines Stipendiums setzte er ab 1947 sein Studium in den USA fort und erhielt 1950 an der Harvard University einen Ph.D. in organischer Chemie.

Anschließend begann Bader in der chemischen Industrie zu arbeiten. Er gründete 1951 die Firma Aldrich Chemical, die Forschungschemikalien in kleinen Mengen produzierte und verkaufte. 1975 fusionierte das Unternehmen mit der führenden biochemischen Zulieferfirma Sigma in St. Louis und Alfred Bader war bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1991 Vorsitzender von Sigma-Aldrich.

Schon wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg unternahm Bader Geschäftsreisen nach Europa. "Als ich 1949 das erste Mal wieder nach Wien zurückgekommen bin, hätte ich nie daran gedacht, hier etwas zu stiften. Ich war froh, Wien wieder verlassen zu können", erinnerte sich Bader. Er sei aber aus geschäftlichen Gründen oft in Österreich gewesen und habe hier auch gute Freunde gefunden, "und während dieser vielen Jahre hat sich meine Meinung über Österreich geändert".

An Kunst interessiert

Neben seiner Tätigkeit als Chemiker und Geschäftsmann interessierte sich Bader für Kunst und Kunstgeschichte und trug eine der bedeutendsten privaten Sammlungen von Arbeiten holländischer Meister aus dem 17. Jahrhundert zusammen. 1962 eröffnete er in Milwaukee die Galerie "Alfred Bader Fine Arts".

Bader war Fellow der Royal Society of Arts und wurde 1998 von Queen Elizabeth II. zum Commander of the British Empire ernannt. Die American Chemical Society zeichnete ihn 1998 als "One of the Top 75 Distinguished Contributors to the chemical Enterprise in the Last 75 Years" aus. Die Universität Wien ernannte Bader 1995 zum Ehrenbürger und verlieh ihm 2012 das Ehrendoktorat - eine Würdigung, die er auch von zahlreichen anderen Universitäten erhielt. Die Gesellschaft Österreichischer Chemiker verlieh ihm 2002 die Ehrenmitgliedschaft, die ÖAW 2004 ihre Medaille Bene Merito und 2009 ihren Ehrenring.