Wien. (apa/temp) Kurz hatte man im Westen Österreichs aufgeatmet - doch am Montag fiel innerhalb von 24 Stunden wieder bis zu ein Meter Neuschnee. In Salzburg, Tirol und Vorarlberg galt daraufhin regional erneut die höchste Lawinenwarnstufe (Stufe 5, "sehr groß"). In Oberösterreich und der Steiermark blieb sie auf Stufe 4, nachdem man sie in der Vorwoche herabgesetzt hatte. In Niederösterreich wurde die Lawinengefahr auch am Montag in den Ybbstaler Alpen und in der Rax-Schneeberggruppe über der Waldgrenze mit Stufe 4 bewertet. Heute, am Dienstagnachmittag, soll der Schneefall laut Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik endgültig abklingen.

- © M. Hirsch
© M. Hirsch

Am Montag hat in Faistenau im Salzburger Flachgau eine Dachlawine noch ein weiteres Todesopfer gefordert: Vier Arbeiter fielen beim Abschaufeln eines Daches mit den Schneemassen rund sechs Meter tief zu Boden, ein 47-Jähriger starb. In Lech in Vorarlberg konnte das vierte Opfer einer tödlichen Lawine vom Samstag weiterhin nicht geborgen werden. Drei von ihnen hatte man bereits am Tag der Lawine lokalisiert und geborgen.

Mehr als 41.000 Personen waren ab Montagabend im Bundesland Salzburg "eingeschneit". Schneefälle und starker Sturm, der mit bis zu 160 Stundenkilometern über das Land fegte, verschärften die Lage. Wie das Landes-Medienzentrum am Montagabend informiert hat, wird auch das Glemmtal im Pinzgau ab 19.00 Uhr auf der Straße nicht mehr erreichbar sein. Die L111 wird ab der Abzweigung Maishofen aus Sicherheitsgründen gesperrt. Damit ist auch Saalbach-Hinterglemm von der Außenwelt abgeschnitten.  

Höchste Lawinenwarnstufe 5 

In Vorarlberg wurde am Montag die höchste Lawinenwarnstufe 5 (sehr große Lawinengefahr) erreicht. Zahlreiche höher gelegene Straßenverbindungen waren gesperrt und damit mehrere Orte von der Außenwelt abgeschnitten. Betroffen waren unter anderen die Arlberg-Orte Lech, Zürs und Stuben, aber auch im hinteren Bregenzerwald und im Montafon waren Ortschaften unerreichbar.

In Tirol spitzte sich die Situation ebenfalls wieder zu. Die bereits am Sonntag ausgegebene und vorerst ausschließlich für den Westen des Landes geltende Lawinenwarnstufe 5 wurde kurzfristig ausgeweitet - und zwar auf den Bereich des Karwendels von Innsbruck bis ins Unterinntal, die Venedigergruppe und die Hohen Tauern in Osttirol, die Nördlichen Zillertaler Alpen sowie die Glockturmgruppe im Oberland.

Im Bundesland waren weiterhin etliche Orte von der Außenwelt abgeschnitten. So etwa die bekannten Wintersportorte Ischgl und Galtür im Paznauntal, die hinteren Bereiche des Pitz- und Kaunertals sowie des Stubaitals und Sölden im Ötztal. Zahlreiche Bundes- und Landesstraßen blieben ebenso gesperrt wie die Arlbergbahnstrecke und der Fernpass, und es gab Stromausfälle.

In Niederösterreich war die Lage am Hochkar (Bezirk Scheibbs) erneut angespannt. Rund 180 Personen, darunter Mitglieder von Feuerwehr und Bundesheer, waren eingeschlossen, weil die Hochkar Alpenstraße Montagfrüh auch für Einsatzkräfte gesperrt werden musste. Das Skigebiet Gemeindealpe Mitterbach im Bezirk Lilienfeld wurde wegen Sturmgefahr geschlossen.

"Erinnert an 2006"

In Oberösterreich blieb es auch am Montag bei Lawinenwarnstufe 4. Der Schnee wurde in mittleren und tieferen Lagen immer schwerer, mehr als 1000 Feuerwehrmitglieder und Soldaten waren damit beschäftigt, Dächer abzuschaufeln. Die größeren Passstraßen (Pyhrnpass, Koppenpass und Hengstpass) blieben weiterhin wegen Lawinengefahr gesperrt, Hallstatt und Obertraun waren nur per Zug und Schiff erreichbar. In 23 Schulen im Land fiel der Unterricht aus.

Die starken Schneefälle halten somit seit Anfang Jänner fast durchgehend an. Die Schäden, die damit einhergehen, beziffert die Wiener Städtische für sich mit bis zu fünf Millionen Euro. Die geschätzte Summe übertreffe damit zumindest alle Schäden der vergangenen zwölf Jahre in diesem Monat, so die Versicherung am Montag.

"Vergleicht man die Anzahl der von der Außenwelt abgeschnittenen Orte oder die Anzahl der Straßensperren, erinnern Situation und Zahlen stark an den Katastrophenwinter 2006", sagte Vorstandsdirektorin Doris Wendler. Damals habe die Wiener Städtische im Jänner Schäden von mehr als vier Millionen Euro verzeichnet, im gesamten Winter seien es 18 Millionen Euro gewesen. Das wahre Ausmaß zeige sich aber erst, wenn der Schnee schmilzt. Und auch das Tauwetter sei gefährlich. "Der Schnee wird nass und schwer", so Wendler, "die Last auf den Dächern steigt."