Wien. Den Fleischkonsum der Österreicher will der WWF mit einem Ratgeber in nachhaltigere Bahnen lenken, denn laut der NGO ist ein Viertel des ökologischen Fußabdruckes auf die Ernährung zurückzuführen, insbesondere aufgrund tierischer Produkte. Unterstützt wird die Kampagne von Tatort-Ermittlerin Franziska Weisz. "Verantwortung beginnt im Einkaufswagerl", sagte sie am Montag bei einem Pressetermin.

Sie glaube nicht, dass man Fleischessen verbieten solle, so die bekennende Vegetariern, "aber selbst ein Schnitzel weniger in der Woche bewirkt etwas", betonte die Wienerin, die eine von mehreren österreichischen Promis ist, die den WWF supporten. Was bewirkt werden soll, erläuterte Helene Glatter-Götz, WWF-Expertin für Nachhaltige Ernährung, nämlich den Fleischkonsum "zurück auf ein gesundes Maß" zu bringen. Dieser ist 2017 laut aktuellen Zahlen der AMA zwar auf 63,4 Kilogramm zurückgegangen, doch damit liege Österreich immer noch im europäischen Spitzenfeld. Und die Produktion von Fleisch schade nicht nur der Umwelt: "Wenn man Fleisch reduziert, dann geht es auch um die Gesundheit", nannte Thomas Lindenthal von der Universität für Bodenkultur (BOKU) Wien und vom Forschungsinstitut für Biologischen Landbau (FiBL) einen weiteren Grund, den Fleischkonsum mindestens um die Hälfte zu reduzieren.

"Weniger und besseres Fleisch"

Der WWF-Fleischratgeber soll dabei helfen, das von der NGO gesetzte Ziel "weniger und besseres Fleisch" zu erreichen. Sechs Kriterien wie Klima, Antibiotika oder Tierwohl sollen den Konsumenten bei der Selektion unterstützen, sie zeigen im Ampelsystem an, wie die Umweltfolgen jeweils bewertet wurden. Sieger von Rind bis Huhn ist dabei jeweils Biofleisch - sowohl aus Österreich wie auch aus der EU. Hier lautet die Empfehlung "in Maßen", während das Rind mit dem AMA-Gütesiegel ein "lieber wenig" erhielt, und es beim AMA-Schwein gleich einmal "Finger weg" heißt - eine Empfehlung die für Fleisch aus konventioneller Tierhaltung aus nicht-österreichischer Produktion durchgehend vergeben worden ist.

"Österreichisches Fleisch basiert auf meist gentechnikfreiem Futter und die Tiere haben mehr Platz. Bei österreichischem Schweinefleisch hingegen besteht dringender Nachholbedarf, sowohl in der Fütterung wie auch beim Tierwohl. Hier gibt es oft nur geringe Qualitätsunterschiede zu importierter Ware", erläuterte Lindenthal diese Beurteilungen. Für den Experten ist der mittelfristige Umbau des Ernährungssystems eine Notwendigkeit, die daraus folgenden Einbußen für Rinderzüchter und Schweinbauern sollten durch einen Einkommensausgleich abgefedert werden.

Auch Unternehmen sollten die Kriterien des Fleischratgebers berücksichtigen, sagte Glatter-Götz. Ebenso forderte der WWF unter anderem auch die klare Kennzeichnung von verarbeiteten Produkten im Handel, also auch für das Fleisch, dass etwa in der Tiefkühl-Lasagne gelandet ist,. Ein Wunsch, denn auch die Konsumenten teilen, wie eine aktuelle Umfrage von Greenpeace zeigt: Demnach wollen 84 Prozent der Befragten Informationen zu Herkunft, Haltung, Futtermittel und Tierwohl auf der Verpackung sehen. Und für das Tierwohl waren die Befragten auch mehrheitlich bereit, mehr zu zahlen.