27,3 Millionen Euro an Wiedergutmachung 

Über die Unabhängige Opferschutzkommission unter dem Vorsitz von Waltraud Klasnic wurden in Österreich von der katholischen Kirche 27,3 Millionen Euro an Wiedergutmachung zuerkannt und rund 60.000 Therapiestunden übernommen. "Die 27 Millionen an freiwilligen außergerichtlichen Wiedergutmachungszahlungen betreffen einen Zeitraum von über 60 Jahren, in ganz Österreich, alle Diözesen, alle Orden. Die Stadt Wien hat für das Kinderheim am Wilhelminenberg 40 Millionen an Wiedergutmachungen nach den gleichen Kriterien gezahlt. Ich sage das nicht, um irgendetwas zu rechtfertigen, ich glaube nur, es ist eine Sache der Gerechtigkeit darauf hinzuweisen, dass das Thema Missbrauch ein gesamtgesellschaftliches ist."

Schönborn nahm im APA-Interview auch zu seinem im Fernsehen ausgestrahlten Gespräch mit der früheren Ordensfrau Doris Wagner Stellung, die von einem Vertreter ihres Ordens vergewaltigt worden war. "Ich kenne die Gemeinschaft, zu der Doris Wagner gehört hat, seit 52 Jahren. Ich habe sehr viel Positives von dieser Gemeinschaft erlebt, habe dann aber das Buch von Doris Wagner gelesen, war sehr beeindruckt von der Qualität dieses Buches, und ich hatte irgendwie den Eindruck, es fehlt vonseiten der Kirche eine offizielle Reaktion, ein Schritt auf sie zu, um zu zeigen, 'wir haben das gehört, was Sie sagen'." Die Kritik des betroffenen Vorarlberger Ordens an Schönborns Auftritt nimmt der Kardinal gelassen. "Ich bin mit dem 'Werk' im Gespräch. Die Reaktion war verständlich. Das schmerzt einfach. Es sind schon einige Schritte erfolgt, aber da ist von dieser Gemeinschaft noch ein Schritt in Richtung mehr Transparenz und Überdenken der eigenen Strukturen erforderlich."

Unglücklich war der Bischof über einen Nebenaspekt seines TV-Gesprächs mit Wagner: Schönborn hatte berichtet, dass er einst in jungen Jahren selbst von einem Pfarrer, der Schönborn gerne geküsst hätte, belästigt worden sei. In Medien war darauf hin vom Outing als Missbrauchsopfer die Rede. "Nach heutigen Standards würde man selbst das als versuchten Missbrauch qualifizieren. Ich möchte nur klarstellen, ich betrachte mich nicht als Missbrauchsopfer. Wenn ich die Geschichten von den Opfern höre, dann kann ich mich im Vergleich zu den wirklich schlimmen Dingen, die diese Menschen erlebt haben, einfach nicht als Missbrauchsopfer outen. Darum habe ich mich über diese mediale Darstellung wirklich geärgert."