Wir haben bereits in den vorigen "Wiener Museumsstücken" dargelegt, dass der erste öffentliche heimische Radiosender RAVAG (Österreichische Radio-Verkehrs AG) am 1. Oktober 1924 seinen Betrieb aufgenommen hatte und im Mai 1953 in "Österreichischer Rundfunk" umbenannt wurde. Noch bis 26. November ist im Hofkammerarchiv die sehenswerte Ausstellung "80 Jahre Österreichischer Rundfunk" zu sehen.

Die Unterbringung der RAVAG erfolgte fürs Erste im Gebäude des Heeresministeriums, Stubenring 1, wo dem Sender zunächst 14 Räume zugebilligt wurden. Zum ersten Generaldirektor wurde Oskar Czeijka (1887–1958), der Sohn des Gründers der Wiener Telegraphenfabriks-AG, bestellt. Bereits im Vorfeld der Etablierung der RAVAG hatte Czeijka viel Überzeugungsarbeit bei Politikern und anderen einflussreichen Personen geleistet. Zunächst herrschte nämlich in den maßgeblichen Kreisen die Ansicht vor, das Radio sei bloß eine vorübergehende Modeerscheinung. Aber schließlich schaffte es Czeijka doch. Für die Übertragung stellte das Heer einen militärischen Telegraphiesender, der ehedem zur Flugsicherung verwendet worden war, zur Verfügung.

Das Studio befand sich in einer Mansarde des Ministeriums, die Sendeanlage auf dessen Dach. Aus akustischen Gründen hatte man das Studio mit dunklen Vorhängen und viel Plüsch ausgestattet. In den Anfängen ging es bei den Übertragungen noch recht hektisch zu. Die so genannten "Bändchen-Mikrophone" mit ihren lackisolierten Magnetumwickelungen wurden bereits nach wenigen Minuten derart heiß, dass Pausen eingelegt werden mussten, in denen Techniker – aber auch die darbietenden Künstler – fieberhaft darum bemüht waren, die Mikrophone durch Anblasen und sonstige Luftzufuhr abzukühlen. Jedoch wurde die Technik rasch verbessert.

Im ersten Jahr sendete die RAVAG täglich dreieinhalb Stunden. Von den 113 Sendestunden im Monat entfielen 94 auf Musik, zwei auf Literatur und der Rest auf "Sonstiges". Probleme hatte die RAVAG zunächst vor allem bei der Anwerbung von wissenschaftlichen Fachexperten. Ein Wiener Gelehrter, den die Radioverantwortlichen gerne für eine Sendung verpflichtet hätten, lehnte das Angebot mit den Worten ab: "Wenn ich mich klar und allgemein verständlich ausdrücke, bin ich bei meinen Fachkollegen unten durch." Als erster "Radiostar" entpuppte sich der Englischlehrer der RAVAG, Prof. McCallum.