Wien. "Halten Sie das Abendessen bereit. Vermeiden Sie jeden Lärm. Wenn er nach Hause kommt, schalten Sie Spülmaschine, Trockner und Staubsauger aus. Ermahnen Sie die Kinder, leise zu sein. Eine gute Ehefrau weiß stets, wo ihr Platz ist." Diese Textstelle aus dem "Handbuch für die gute Ehefrau" stammt aus 1955. Die Rollen waren damals klar verteilt.

Heute ist das anders. 1975 wurden Frauen und Männer im Zuge der Familienrechtsreform rechtlich gleichgestellt, Frauen brauchen seitdem die Zustimmung des Mannes nicht mehr, um arbeiten zu gehen, sie können über den Wohnsitz mitentscheiden. Damit stieg die Erwerbsarbeitsquote der Frauen. Im Jahresdurchschnitt 2017 gab es laut Mikrozensus der Statistik Austria rund 4,3 Millionen Erwerbstätige, davon 2,3 Millionen Männer und 2 Millionen Frauen. Fast jede zweite Frau arbeitet demnach allerdings Teilzeit. Unter den Männern ist es etwa jeder achte.

Wenn es hier auch noch ein gewisses Ungleichgewicht gibt, so hat sich die Rolle der Frau innerhalb eines halben Jahrhunderts dennoch massiv verändert - doch wie sehen Jugendliche und junge Erwachsene diese heute? Inwieweit ist die Gleichstellung auch in gesellschaftlicher Hinsicht erfolgt? Die "Wiener Zeitung" hat sich umgehört. "Ich glaube, dass es unsere Mütter noch viel schwieriger haben als wir. Sie gehen wie unsere Väter arbeiten, die Väter beteiligen sich aber noch nicht so intensiv am Haushalt, weil sie das von ihren Vätern nicht anders vorgelebt bekommen haben", sagt zum Beispiel die 24-jährige Studentin Eva M. aus Wien. "Darum haben sie echt eine Doppelbelastung."

Selbst möchte sie auf jeden Fall Karriere machen und Kinder bekommen - ist aber überzeugt, dass der Vater sich gleichermaßen am Haushalt beteiligen wird. Ihr Freund, der 27-jährige Christian M., nickt dazu. Er könne sich vorstellen, Windeln zu wechseln, sagt er.

Etwas differenzierter sieht es der 25-jährige Enis Ö. aus Salzburg, dessen Eltern in der Türkei geboren wurden und der Facharbeiter ist. Er selbst habe noch keine Kinder, sagt er. In seinem Freundeskreis sehe er aber, dass beide Eltern arbeiten gehen müssen, um sich ihr Leben leisten zu können - und vor allem die Kinderbetreuung. Denn für die Kinder hätten heute weder Mutter noch Vater Zeit, sagt er.

Putzfrau und Verkäuferin

Der 15-jährige Wiener Schüler Elias T. sieht so gut wie keine Unterschiede mehr zwischen Mann und Frau. Seine Befürchtung: "Für mich wäre es ein Problem, wenn es sich weiter in eine Richtung entwickelt und Frauen mehr Rechte als Männer haben. Das wäre dann wieder ungerecht." Für die 14-jährige Schülerin Kathrin E. aus Niederösterreich ist indes noch lange keine Gleichstellung erreicht. Sie hält es für "unfair, dass Frauen noch immer weniger verdienen als Männer. Und dass Berufe wie Putzfrau oder Verkäuferin rein weiblich sind."