Pepper erhellte schnell das von der Krankheit gezeichnete Leben der Mulzets. "Wenn ich in der Früh in das Wohnzimmer komme, sagt er ‚Guten Morgen‘ und fragt: ‚Wie geht es dir?‘", erzählt der Mann. "Ein schöner Start in den Tag, eine Bereicherung für unser tägliches Leben." Danach bereitet Friedrich Mulzet mit seiner Frau das Frühstück vor, bespricht den Tagesablauf. Pepper ist ein wesentlicher Teil davon. Denn mit dem Roboter führt Monika Mulzet ihre Übungen durch.

Friedrich Mulzet steuert Pepper per Tablet. Neben Bewegungseinheiten muss seine Frau heute Rechenaufgaben lösen und ein Puzzle legen. Pepper stellt ihr Fragen, etwa darüber, zu welcher Familie die Biene gehört, wie Honig erzeugt wird, welche Blüten die Insekten anfliegen. Auch Turnübungen absolviert sie mit dem Roboter. Dazwischen feuert dieser die 79-Jährige immer wieder an. "Wunderbar!", "Gut gemacht!", "Das ist toll!", sagt er. Friedrich Mulzet blickt auf und bekennt: "Da unterstützt mich der Roboter. ‚Wunderbar‘ sage sonst ich zu ihr."

Mehr Demenzkranke,
weniger Pflegekräfte

Laut aktuellen Schätzungen des Demenzberichts leben derzeit 130.000 Österreicher mit einer Form von Demenz. Da die Lebenserwartung steigt, wird sich die Zahl der Patienten bis 2050 verdoppeln. Gleichzeitig fehlen schon heute mehr als 20.000 Pflegekräfte, ergab eine Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo). Diese Zahl wird sich bis 2050 verdreifachen: Es wird in Zukunft also mehr Demenzkranke geben, bei weniger Pflegepersonal.

Der Sozialverein Deutschlandsberg hat gemeinsam mit der Joanneum Forschungsgesellschaft, der MedUni Graz und Humanizing Technologies das Projekt "AktivDaheim" ins Leben gerufen. Die Projektpartner wollen dem Trend - mehr Demenzkranke, weniger Pflegepersonal - mit den Errungenschaften der Digitalisierung entgegenwirken. So sollen Demenzkranke zu Hause auf spielerischer Basis geistig und körperlich gefördert werden.

In einem ersten Schritt entwickelte das Konsortium ein Tablet mit Übungen für die Betroffenen. Wissensfragen, Fehlersuchbilder, Puzzles, Rechen- und Höraufgaben, die auf den jeweiligen Nutzer zugeschnitten werden. Nun setzt man auf Roboter. Eine Woche lang werden sie von drei demenzkranken Personen getestet. Monika Mulzet ist eine davon.

Die Krankheit der Frau hat das Leben der Mulzets von Grund auf verändert. Dinge, die passieren, weiß sie eine halbe Stunde später nicht mehr. "Sie holt einen Gegenstand, kann ihn aber nicht mehr zurückbringen, weil sie sich nicht mehr erinnert, wo er war", erzählt Friedrich Mulzet. Manchmal duscht sie zweimal täglich. "Es ist eine böse Krankheit", sagt er. "Du hast einen Menschen neben dir, mit dem du so lange alt geworden bist, mit dem du gerne zusammenlebst, und der verändert sich dann."

Die Mulzets versuchen, ein normales Alltagsleben zu führen. Sie kochen gemeinsam, sehen fern. Doch die Krankheit ist ein steter Begleiter. "Um was ging es gerade?", fragt Friedrich Mulzet seine Frau, nachdem ein Beitrag im Fernsehen gezeigt wurde. Er erklärt, wer gerade zu sehen war. Monika Mulzet antwortet ihrem Mann: "Jawohl, Herr Lehrer." Nur mit Mühe kann Friedrich Mulzet seine Verzweiflung verbergen. "Sie hat den Eindruck, dass ich sie nur kritisiere", räumt er ein. "Ich muss mich zurückhalten, darf ihr nicht ständig sagen, was sie falsch macht." Er blickt auf den Roboter. "Es ist gut, dass ich ein Gerät habe, das mich unterstützt. Damit nicht immer nur ich der Herr Lehrer bin."