Vor sechzig Jahren haben sich die Mulzets kennengelernt. Beim Tanzen, eine Leidenschaft, die wie ein Kitt ihre lange Beziehung zusammenhält. Jedes Jahr fuhren sie zu den Seefestspielen nach Mörbisch, in den Steinbruch St. Margarethen, wo sie ihre Lieblingsoper "La Bohème" sahen. Noch heute tanzen sie gerne.

Friedrich Mulzet bedient das Tablet, der Roboter sagt: "Ich freue mich darauf, Freestyle zu tanzen." Sanfte elektronische Beats im Midtempo erklingen aus den Lautsprechern des Roboters, der sich sogleich rhythmisch zur Musik bewegt. Friedrich Mulzet lächelt und nimmt die Hand seiner Frau, um mit ihr ebenso zu tanzen. Auch sie lächelt nun. Gekonnt schwingt das Ehepaar das Tanzbein, daneben tanzt der Roboter. Friedrich Mulzet stört das nicht: "Pepper ist nach wenigen Tagen bereits voll integriert in unserem Leben."

Smalltalk
mit Pepper

Der Digitalforscher der Joanneum Forschungsgesellschaft, Lucas Paletta, koordiniert das Projekt mit Pepper. Nach der Studie mit den drei Demenzkranken soll der Roboter mit mehr Fähigkeiten ausgestattet werden. Von Mai bis Jänner wird er dann von 20 Patienten getestet. Dieses Mal sind es drei Wochen am Stück im Haushalt.

"Die Roboter werden Demenzkranken Aufgaben stellen, die diese lösen müssen", erklärt Paletta. Er soll sie etwa darauf hinweisen, ob der Herd abgedreht, die Medikamente eingenommen, schon Wasser getrunken wurde, und motivieren, wieder einmal Personen aus dem Familien- und Freundeskreis anzurufen. "Pepper soll die Personen spontan ansprechen, zu Smalltalk anregen", sagt Paletta.

Ziel ist es, den mentalen Verfall der Demenzkranken zu verlangsamen oder gar zu stoppen. "Ein zentrales Problem ist die tägliche Motivation zum Üben", sagt Paletta. "Mit dem Roboter werden die Personen jedoch auf spielerische Weise motiviert."

Die technische Herausforderung ist groß. Es gibt 28 Elektromotoren, die alle synchronisiert sein müssen, Videokameras, die mit Sensorik vollgepackt sind. Zudem muss jeder Text des Roboters vorher programmiert werden. Selbstagierende Sprachassistenten wie Alexa und Siri kann sich Paletta nicht vorstellen. "Wir wissen nicht, wohin der Dialog mit dem Roboter dann führen würde", sagt der Digitalforscher.

Roboter werden bei älteren Menschen schon seit längerem getestet. Einer der Pioniere ist Markus Vincze, Professor an der Technischen Universität Wien, Experte für Elektrotechnik, Maschinenbau und künstliche Intelligenz. Vor sechs Jahren realisierte er mit seinem Team den ersten Prototypen eines Pflegeroboters. Sein Name war Hobbit.

Roboter, die den
Tisch abräumen

Er wurde in einem Pflegeheim und in insgesamt 18 Wohnungen eingesetzt. Hobbit sprach mit den Senioren, folgte ihnen durch Räume und Gänge, klaubte Gegenstände vom Boden, damit die älteren Personen nicht darüber stürzen. Kam es doch zu einem Sturz, forderte er Hilfe an.