Wien. Bundespräsident Alexander Van der Bellen ist heuer wieder in die Evangelische Kirche des Augsburger Bekenntnisses eingetreten. Das sagte er im Gespräch mit Österreichs Kirchenzeitungen. Auf die Frage, ob Religion in der Gesellschaft schwächer werde, meinte er, dass es sein könne, dass die eine oder andere Religion aussterbe. Aber dass Religiosität insgesamt aussterbe, glaube er nicht. Dazu sei das Bedürfnis nach etwas zu groß, das zu erklären versuche, was Leben sei, woher es komme und wohin wir nach dem Tod gehen.

Van der Bellen meinte, dass er sich regelmäßig mit Kardinal Schönborn austausche. Es erachte es als wichtig, dass Politik und Religionsgemeinschaften Kontakt halten, und dass sich die Kirchen, Caritas und Diakonie zu sozialen Fragen zu Wort melden. Die Kirchen halten wie das Rote Kreuz und andere Organisationen das Ehrenamt hoch. Außerdem meinte er, dass er sich Österreich nicht ohne diesen unersetzlichen Einsatz vorstellen möchte.

Im Interview spricht Van der Bellen auch über die ihm "so wichtige Botschaft des Neuen Testaments" und verrät, dass er wieder Mitglied der Evangelischen Kirche ist. Van der Bellen ist evangelisch getauft, trat aber schon früh "aus Ärger über meinen lokalen Pfarrer" aus der Kirche aus, wie er in einem Interview während des Präsidentschaftswahlkampfs erzählt hatte. Nun ist er wieder eingetreten.

 Thema: Mindestsicherung

Im Interview kündigt er außerdem an, die Neuregelung der Mindestsicherung vor der Beurkundung genau prüfen zu wollen. Er habe "schwere Zweifel - Stichwort 'Kinderdiskriminierung'" - an dem beschlossenen Gesetzestext, so Van der Bellen.

"Wir werden das Gesetz, wenn es vorliegt, sorgfältig prüfen. Es kann aber auch sein, dass der Verfassungsgerichtshof die Sache zu klären hat", sagte er. (apa)