Wien. (ett) Der Nachfolger von Michael Bünker als evangelischer Bischof Augsburger Bekenntnis heißt Michael Chalupka (59). Der langjährige Direktor der Diakonie und jetzige Geschäftsführer der Diakonie Bildung erhielt bei der Synodensitzung in Wien im insgesamt zwölften Wahlgang knapp nach 20 Uhr am Samstagabend 47 von 62 Stimmen und erreichte damit die notwendige Zweidrittelmehrheit. 14 Stimmen waren in diesem letzten Wahlgang auf seinen Konkurrenten, den Pfarrer von Wallern in Oberösterreich, Andreas Hochmeir, entfallen. Der Kärntner Superintendent Manfred Sauer als ursprünglich dritter Kandidat für das Bischofsamt hatte nach fünf Wahlgängen seine Kandidatur zurückgezogen.

Für Chalupka gab es nach der Entscheidung im Albert-Schweitzer-Haus in Wien standing ovations bei der Sitzung der Synode. Der gebürtige Grazer folgt heuer im September offiziell Michael Bünker als evangelischer Bischof A.B. nach. Die Sitzung der Synode hatte bereits um 9 Uhr am Vormittag begonnen. Nach der Vorstellung der drei Bewerber hatte am Nachmittag die Wahlentscheidung begonnen. Bei den ersten Wahlgängen waren auf den Kärntner Superintendenten Sauer jeweils die wenigsten Stimmen entfallen, keiner aus dem Kandidatentrio schaffte aber die Zweidrittelmehrheit. Zweimal war die Wahlentscheidung für Personaldebatten unterbrochen worden.


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Video: Chalupka zum neuen evangelischen Bischof gewählt

Kern des Evangeliums

Chalupka hat sich in fast 25 Jahren als Direktor der Diakonie kein Blatt vor den Mund genommen, wenn es um Kritik an politischen Entscheidungen gegen sozial Schwache ging, sei es bei der Mindestsicherung oder auch im Zuge de Asyldebatte. Mit Chalupka rückt ein durchaus politischer Kopf an die Spitze der evangelischen Kirche, wenngleich er ausdrücklich darauf Wert gelegt hat, nicht in ein Polit-Bashing zu verfallen. Denn dieses hält er für "demokratiegefährdend". So hat er insbesondere die Zusammenarbeit mit der früheren Sozialministerin Lore Hostasch (SPÖ) vor der schwarz-blauen Ära 2000, aber auch in Behindertenangelegenheiten mit dem späteren Sozialminister Herbert Haupt (FPÖ) geschätzt.

Es sei ein Kern des Evangeliums, auf der Seite derer zu stehen, "die in Armut leben, behindert sind, in Not leben, auch auf Seite der Fremden", war ein Maßstab für seine Arbeit als Diakonie-Direktor. Nach seinem dortigen Abschied und der Übernahme der Geschäftsführung als Diakonie Bildung als Karenzvertretung hat Chalupka zu seiner Zukunft gemeint: "Es war nie meine Aufgabe, das was zu wissen. Was er mit mir vorhat, weiß nur der Heilige Geist." Seit Samstagabend ist er gewählter evangelischer Bischof.

"Gemeinschaft, die niemanden ausgrenzt" 

Chalupka nahm die Wahl "dankend" an. Er zeigte sich "überwältigt und berührt" von der "intensiven Auseinandersetzung" um dieses Leitungsamt. Die evangelische Kirche setze sich aus vielen Traditionen zusammen, so Chalupka, gemeinsame Aufgabe sei es, "aufeinander zuzugehen und Brücken zu bauen". In der Gesellschaft herrschten zunehmend Angst und Einsamkeit sowie die Propagierung eines "Wir-Gefühls" vor, das andere ausschließe, verlautete er weiter. Das Evangelium nehme hingegen die Angst und "steht für eine Gemeinschaft, die niemanden ausgrenzt." In einer Gesellschaft, "wo wir immer mehr auf das Ich zurückgeworfen werden" gelte es zu verstehen, "das Leben, die Schöpfung, wir selbst – wir kommen nicht aus uns.

Mit Blick auf sein künftiges Bischofsamt stellte Chalupka fest: "Meine dringlichste Aufgabe wird sein, möglichst viel zuzuhören und
zu sehen von der Vielfalt, die diese Kirche ausmacht. Ein Bischof
muss zuhören, bevor er selbst spricht." Besonders betonte er die Aufgabe der Kirche in der Bewahrung der Schöpfung: "Es genügt nicht, als evangelische Kirche daran zu erinnern und zu mahnen, sondern es braucht
entscheidende Schritte in der Führung der Pfarrgemeinden. Wir haben diese Welt
von unseren Kindern und Enkelkindern nur geborgt."

Zum Streit um den Karfreitag meinte er, dass "viel Porzellan zerschlagen" worden sei. Hier will Chalupka der
Bundesregierung das Gespräch anbieten, erwartet aber Schritte und Zeichen von
deren Seite. Die evangelische Kirche solle von der Politik wieder als "wichtiger
Teil der Gesellschaft" wahrgenommen werden.

Die Bischofswahl am Samstag habe auch gezeigt, "was unsere
Kirche ausmacht, dass sie demokratisch verfasst ist und eine Vielfalt anbietet".
Das, was die Kirche ausstrahle, werde auch gesamtgesellschaftlich gebraucht.
"Das Leben in den Gemeinden bringt Menschen zusammen, die sich sonst nie
begegnen würden. Diese Orte fehlen in unserer Gesellschaft." Ein großes soziales
Thema seien die Furcht vor Veränderung und die Einsamkeit der Menschen. Da habe
die Kirche ein Angebot für alle, "denn das Evangelium nimmt die Furcht".